Die Welle abreiten

Die Kraft der Welle spüren, das Board ins Gleiten bringen, die Welle reiten, mit Manövern ihre noch ungebrochene Flanke entlang sausen, auskosten bis zum letzten Moment, wenn die Welle im Weißwasser gen Ufer ausläuft.

Diese vom Materialaufwand her einfachste Form des Surfens, wird im englischen als surfing bezeichnet. Seinen Ursprung als sportliche und gesellschaftliche Herausforderung hat das Wellenreiten auf Hawaii. Damals waren die Boards (Surfbretter) aus Holz und die Wellenreiter waren nicht über eine Leash (lange Schnur, die sowohl am Board als auch am Fußgelenk befestigt ist) verbunden. Sobald der Surfer vom Brett fiel, nahm die Welle es mit. Heute nur für ein Stück, dann zieht die Leash am Bein und das Board kann nicht weiter unkontrolliert herumwirbeln.

Auch die Form der Bretter hat sich verändert. Sie ist vielfältiger geworden. Ebenso wie ihre Herstellung. Mit der Vielzahl der Shapes (Brettformen) haben sich auch unterschiedliche Surfstile entwickelt. Wellenreiten ist nicht gleich Wellenreiten.

Mit dem kleinen, spitzen Shortboard lassen sich schnelle Manöver entlang der Wellenschulter im Face (ungebrochene, noch grüne Teil der Welle) ausführen. Hingegen hat sich auf dem langen Longboard ein ästhetischer, eher lässige, dafür nicht so hektische Wellenreit-Stil entwickelt. Mit cross-steps überwindet der Wellenreiter die Distanz zwischen der Brettmitte (der ausbalancierte Standbereich) zur Nose (das vordere Ende des Boards). Mit der entsprechenden Gewichtsverlagerung und viel Training können die Surfer ihre Zehen über den Rand der Nose hängen lassen, während sie ihren Körper in Bananenform nach hinten lehnen. Das sogenannte „Hang ten“.

Doch bis es soweit ist, heißt es erst einmal das Wellenreiten im Weißwasser lernen. Dort ist die Welle bereits gebrochen und schiebt nun ihren weißen Schaum in Richtung Strand. In diesem Bereich lernen die Anfänger, wie es sich anfühlt, wenn die Welle das Brett ergreift, wie es anfängt zu gleiten und Fahrt aufzunehmen. Ein Strand an dem die Wellen anrollen und wo der Anstieg des sandigen Untergrunds die Welle zum Brechen bringt, nennt man Beachbreak. An diesem lernen die Anfänger zudem das Anpaddeln und Aufspringen, somit den Take-off.

Bevor es dann hinausgeht, müssen die Wellenreiter zunächst auch theoretisch lernen, wie Wellen entstehen, wie sie diese lesen können und wie sie die Informationen nutzen, um hinter die Wellenbrechung zu gelangen, ins Line-up.

 

Die Welle

Weit draußen auf dem Ozean peitscht ein Sturm aufs Wasser, wühlt es auf, verdrängt es. Starke Druckunterschiede zwischen einem Hoch- und einem Tiefdruckgebiet haben den Sturm erzeugt. Die Energie überträgt sich auf das Wasser, die Welle setzt sich in Bewegung. Aus der chaotischen Windsee werden geordnete Streifen von Wellenbergen sichtbar, die in Richtung Küste ziehen: die Dünung oder auch der Swell.

Vor der Küste kommen die Wellen in Sets (einer Serie von beispielsweise fünf Wellen) an, bevor es eine Setpause gibt. Diese Zeit nutzen die Wellenreiter, da sie sich durch weniger oder keine Wellen kämpfen müssen, um hinter die Wellenbrechung zu gelangen. Zudem kommt ihnen ein Channel zur Hilfe. Dieser ist von Surfspot zu Surfspot unterschiedlich stark ausgeprägt. Wasser, das auf den Strand zuläuft, muss auch wieder aufs offene Meer hinausströmen können. Über den Sandbänken bricht die Welle, läuft in Strandnähe seitlich weg und im tieferen Becken zwischen den Sandbänken wieder hinaus. Diese Sogwirkung machen sich die Wellenreiter zu eigen und sparen so Paddelpower.

Wellenreiter entscheiden sich, ob der rechte oder linke Fuß vorne steht. Wenn es rechts ist, nennt man dies Goofy, links regular. Die Welle bricht, wenn sie denn nicht Close-out (bricht gleichzeitig auf der ganzen Länge) ist, zu einer oder beiden Seiten vom Peak (höchster Teil der Welle) weg. Wer die Welle am höchsten Teil erwischt und somit am längsten Surfen kann, hat die Vorfahrt. Eine Left bricht nach links weg. Ob der Wellenreiter sie nun Front- oder Backside surft hängt davon ab, welcher Fuß vorne ist und ob er sich mit dem Gesicht zur Welle (Frontside) oder mit dem Gesicht zum Strand befindet.