Zwei-Rohr-Atmung - Kraulen leicht gemacht

von Friederike Hiller

Den Arm durchs Wasser ziehen, Kopf seitlich heben, Atem holen: Dabei soll möglichst viel Luft in die Lungen gelangen ohne dass auch gleichzeitig Wasser mit in den Mund gerät. Die Atmung ist das, was das Kraulen für so manchen zum wenig erquicklichen Schwimmstil macht. Wie wäre es mit einer Atemhilfe? Wir haben den Powerbreather ausprobiert.

Kopf unter Wasser

Der Kopf taucht unter. Nur ganz leicht, sodass der Hinterkopf noch die Wasseroberfläche berührt. Der Körper wechselt von der vertikalen in die horizontale Lage. Der erste Atemzug. Das Mundstück des Powerbreather liegt gut zwischen den Lippen. Ein bisschen Widerstand ist beim Einatmen zu spüren, doch nach den nächsten paar Atemzügen hat sich die Lunge daran gewöhnt und es geht mühelos.

Nase frei

Es kann losgehen. Die Temperaturen im Kinderbecken des Schwimmbades sind angenehm und für die ersten Versuche, in denen das Gerät noch unbekannt ist, genau das richtige Terrain. Sobald ein Problem auftritt, einfach die Füße aufstellen und schon ist der Kopf wieder über dem Wasser. Eine Schwierigkeit gibt es tatsächlich. Mit jedem Atemzug gelangt auch ein bisschen Wasser über die Nase in den Körper. Nach zwei Bahnen ist es dann zu viel und ein Auftauchen unumgänglich. Auch wenn der Powerbreather vom Design und vom Tragegefühl Vergleiche zum Schnorcheln im Meer ziehen lässt, so ist dort doch die Nase innerhalb der Taucherbrille vom Wasser geschützt. Anders in diesem Fall. Über den Augen liegt lediglich eine Schwimmbrille, die Nase ist frei und von Wasser umgeben. Zumindest, wenn man damit schwimmen und nicht schnorcheln geht.

Koordination von Mund und Nase

Der sogenannte Tauchreflex oder auch Nase Wasser Reflex funktioniert nicht bei jedem vollständig. Eigentlich sollte sich die Nase verschließen, wenn der Kopf unter Wasser ist. Wenn das nicht vollständig oder gar nicht gelingt, dann gibt es mehrer Möglichkeiten damit umzugehen. Eine Nasenklemme kann helfen, ebenso eine Taucherbrille. Doch da auch in anderen Situationen dasselbe Problem auftritt – etwa im Tauchkurs, wenn die Brille abgenommen werden soll oder beim Schnorcheln die Brille nicht richtig sitzt und vollläuft –, ist es hilfreich, die Nase für alle Situationen im Wasser daran zu gewöhnen und die Mund-Nase-Koordination zu trainieren. Der Mund soll unter Wasser einatmen, aber die Nase geschlossen bleiben.

Foto: Ameo

Genügend Luft in der Lunge

So hilft es, gegen das einströmende Wasser beim Ausatmen die Luft auch durch die Nase ausströmen zu lassen. Mund einatmen, Mund und Nase ausatmen. Der Mund darf beim Ausatmen nicht ganz vergessen werden, da sich ansonsten Wasser im Mundstück ansammeln könne. Ein paar Bahnen Übung braucht es, bis es sich ganz natürlich anfühlt. Nun beginnt der Genuss und es wird klar, warum der Powerbreather für mehr Luft in den Lungen sorgt.

Die Kraultechnik ist nicht für jeden ein Kinderspiel. Meist liegt dies gar nicht an der Arm- oder Beintechnik oder der Koordination von beidem. Sondern daran, dass die Atemtechnik dazwischen funkt. Den Kopf seitlich aus dem Wasser drehen, in der kurzen Zeit genügend Luft einatmen und dabei möglichst kein Wasser schlucken. Das sorgt zumindest bei Kraulanfängern oder denen, die sich als „Schwimmlegastheniker“ bezeichnen, für Stress. Denn wer möchte schon nach kurzer Zeit nach Luft japsen und das Gefühl haben, unterzugehen?

Nun bleibt der Kopf einfach gerade und im Wasser. Das Atmen gelingt durch die zwei schnorchelähnlichen Rohre und es bleibt Zeit, sich auf die Kraulbewegung zu konzentrieren.

Foto: Ameo

Orientierung am Boden

Auf einmal ist es da, das Gefühl, schnell durchs Wasser zu pflügen und der leicht panikauslösende Sauerstoffmangel durch Atemdefizite ist Geschichte. Der erste Test ist geschafft. Sobald die Temperaturen der Ostsee den Meerestest zulassen, wird der Badeanzug gegen den Schwimmbikini eingetauscht und die Seebadeanstalt zum Versuchsort. Die kühleren Wassertemperaturen führen zu Beginn der Schwimmsession zu einer etwas schnelleren Atmung als normal. Doch um genügend Luft einzusaugen, bedarf es einer ruhigen, gleichmäßigen Atmung. Einmal kurz auf die Atmung konzentrieren, dann fühlt sie sich wieder leicht an. Egal, ob ein Dampfer vorbeituckert oder ein anderer Schwimmer den Weg kreuzt, kleine Wellen oder das Spritzwasser des anderen Kraulers behindern die Atmung nicht. Aufatmen anstatt Wasser schlucken, was ansonsten bei diesen Bedingungen ohne den doppelten Schnorchel passiert wäre. Nur eines fällt im Meer schwer – die Orientierung. Lediglich leichte Schattierungen am Meeresboden, die in Sicht kommen, zeigen, dass es an dieser Stelle flacher ist als zuvor. Während in der Halle noch die Linien am Boden den Weg zeigten, ist in der Ostsee alles trübe, die Sichtweite geschätzt weit unter zwei Metern. Also muss ab und zu doch der Kopf gehoben werden, um die Richtung richtig einzuschätzen und nicht ins Fahrwasser der Schiffe zu geraten.

Funktionalität geht vor Form

Sicherlich geht bei der Schwimm-Atem-Hilfe ebenso wie beim herkömmlichen Schnorchel Funktionalität vor Form. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, die Kopfform ist sicherlich auch entscheidend. Aber wer schwimmen möchte, dem ist es vielleicht auch eher egal, wie er aussieht. Denn grazil sehen Schwimmer, Triathleten oder Wasser-Enthusiasten damit eher nicht aus.

Wer sportlich unterwegs sein, an seinem Stil feilen oder lediglich ohne Wasserschlucken kraulen möchte, für den ist es ein willkommenes Utensil. Ebenso, wenn das Meer kappelige Wellen formt oder das Spritzwasser anderer Schwimmer ungewollt in den Mund zu schwappen droht.

Foto: Ameo

Zugang zum Kraulschwimmen

„Ohne den Powerbreather konnte ich bisher etwa eine bis eineinhalb Bahnen mehr oder weniger schlecht kraulen….danach ging mir die Puste aus, obwohl ich gleichzeitig locker 20 Kilometer jogge oder 100 Kilometer bike“, berichtet Jan von Hofacker.

Seine Ausdauerleistung habe er nie ins Wasser bekommen, deshalb habe er auch keine große Lust aufs Schwimmen gehabt. „Ich suche beim Sport einen Ausgleich zum Berufsalltag, Abschalten, Runterkommen und natürlich auch einen gesundheitlichen Benefit……dies alles stellt sich aber nicht bei 50 Meter Kraulschwimmen mit anschließender Pause ein.“ Um in den Flow zu kommen, benötige es doch etwas mehr. Da passte es sehr gut, dass er bei einem Besuch auf Mallorca den Prototypen kennenlernte. Eberhard Lange drückte ihm ein Schlauchsystem in die Hand. Auf den Einwand Jan von Hofackers, dass Kraulschwimmen nicht seine beste Disziplin sei, bekam er nur die Antwort: „Mit dem ,Schlauchsystem’ wirst Du es können!“ „Ich muss zugeben: Ich hielt dies für einen Scherz.“ Doch das erste Erlebnis im Mittelmeer war alles andere als das. Er kraulte 20 Minuten – ohne Unterbrechung und ohne Wasser zu schlucken. Bis aus dem rudimentären Schlauchsystem ein marktfertiges Produkt wurde, dauerte es allerdings noch Jahre.

Jan von Hofacker ist überzeugt, dass so Schwimmen neu erlebt werden kann und viele auch erst so den Zugang zum Kraulschwimmen finden oder es wieder neu erleben mögen.

Foto: Ameo

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