Vollgas bis es platscht

von Friederike Hiller

Wellen schlagen, Gleichgewicht halten und den Widerstand des Wassers nutzen: Das Intervall-Training Floatfit kombiniert Kraft, Ausdauer und Balance mit dem abkühlenden Effekt des Wassers. Wir haben es ausprobiert.

Kontakt mit wackeliger Matte

Noch treiben die aufblasbaren, rechteckigen Fitnessmatten friedlich auf dem Wasser im Sportbad St. Lorenz in Lübeck. Die erste Übung des Abends: Die Matten an den beiden dafür vorgesehenen Leinen befestigen und so bereits den wackeligen Untergrund erspüren. Es fühlt sich stabiler an als ein SUP, geht aber trotzdem auch mit jeder Wasserbewegung mit.

Anstrengend, aber mit Spass-Faktor

Nach einer kurzen Aufwärmphase und ersten Balanceübungen vom Liegen über das Sitzen bis ins Stehen geht es los. 30 Sekunden Vollgas geben, dann 30 Sekunden Pause. Erst eine Übung, dann steigern sich diese bis es vier aufeinander folgende sind und zwei Minuten durchgehalten werden müssen, bevor die Pause kommt. Die Übungen sind bekannt. Wie sie sich auf dem Wasser anfühlen, ist neu. Kniebeugen, den Körper in der Planke halten und dabei abwechselnd mit einer Hand an die gegenüberliegende Schulter tippen, mit Bauchmuskelkraft in Rückenlage die Beine anheben und beim sogenannten Bergsteiger im Stütz so schnell es geht die Beine unter den Körper ziehen, hat Kursleiterin Silke Schulz für das heutige Training ausgewählt.

Ab und zu schwappt eine kleine Welle über die Matte und bringt ein bisschen Erfrischung. Das ist sehr angenehm, denn der Kopf hat bereits eine hochrote Farbe angenommen. Sich einfach ins Schwimmbecken fallen zu lassen, ist trotzdem keine Option. Die vollkommene Erfrischung muss bis nach der halben Stunde warten. Es sei denn, es wird so kippelig, dass es zu einem ungewollten Sturz von der Matte ins kühle Nass kommt. Doch noch ist genügend Stabilität vorhanden. Die Bauchmuskeln brennen, die zusätzliche Herausforderung durch das Element Wasser unter der Matte wird spürbar. Aber genau diese kleinen Zusatzbewegungen sind es, die nicht nur die Tiefenmuskulatur trainieren, sondern auch richtig Spaß machen. Hochhüpfen, den Körper um 180 Grad drehen und wieder im sicheren Stand auf der wackeligen Matte landen oder diese mit seitlichen Gewichtsverlagerungen im Wechsel zu beiden Seiten kippen, in Schwung bringen und so Wellen erzeugen, erfordern noch mehr Konzentration aufs Gleichgewicht. Der Ehrgeiz, alles zu geben und auf der Matte zu bleiben, ist geweckt. Geschafft. Jetzt kommen noch Yoga- und Dehnübungen zum Abschluss. Doch vorher noch schnell eine kleine Erfrischung: einfach die Hand ausstrecken, neben der Matte Wasser aus dem Becken schöpfen und über das glühende Gesicht verteilen. Herrlich.

Auf die Körperspannung kommt es an

„Ich war vorher schon aufgeregt“, berichtet Linda Winkler. Die 23-jährige Studentin und Schwimmerin ist zum ersten Mal dabei. Im Vorfeld hatte sie sich die Frage gestellt, ob sie eher auf eine Gymnastikgruppe aus älteren Herrschaften oder auf komplett durchtrainierte Sportler treffen würde. Nun ist sie froh, dass weder das eine noch das andere zutraf und das Trainingslevel stimmte. „Ich fand es richtig gut und es war herausfordernd.“ Als Schwimmerin trainiere sie zwar viel Ausdauer, doch die Kraft komme häufig zu kurz. Also wollte sie etwas für ihre Körperspannung tun und hat das passende Workout dafür gefunden. Denn sobald die Körperspannung verloren ging, ging sie baden. Doch mit insgesamt zwei Badeeinheiten ist sie zufrieden. „Das ist lustig“, kommentiert sie das Reinfallen. Um dies zu verhindern, „muss man sich extrem konzentrieren und einen Fokus haben.“ Das Auspowern hat ihr so gut gefallen, dass sie wiederkommen will.

Balance, Kraft, Wasser, Spaß und Musik

Auch Ramona Amme trainiert gerne auf dem Wasser. Sie ist bereits seit Februar dabei und genießt die Abwechslung der Übungen. Langweilig war ihr noch nie und Muskelkater hat sie auch jetzt noch manchmal nach der Floatfit-Einheit.

Ursprünglich wollte die 26-jährige Kiterin etwas finden, womit sie den Winter überbrücken, aber trotzdem aufs Wasser gehen konnte. Mittlerweile sind auch außerhalb der Halle 26 Grad Celsius – für Ramona kein Grund für eine Sommerpause. „Es verbindet einfach alles: Balance, Kraft, Wasser, Spaß und Musik. Und man lernt nette Leute kennen.“ Als sie vom Wasser kommt, merkt sie die Anstrengung. „Ich merke, dass ich etwas getan habe und das fühlt sich gut an.“ Und sie erklärt: „Das Wasser bewegt sich die ganze Zeit, deshalb macht man ständig Ausgleichsbewegungen.“

Erfolgsfaktor Muskelkater

Wenn ihre Teilnehmer berichten, dass sie Muskelkater von der letzten Stunde hatten, ist Kursleiterin Silke Schulz zufrieden. „Dann freue ich mich. Dann habe ich alles richtig gemacht“, sagt sie lachend. Seit Januar haben die Lübecker Schwimmbäder Floatfit im Programm. „Wir haben die Schulung gemacht und ich habe sofort gemerkt, dass das genau meins ist.“ Seitdem steht sie dienstagabends am Beckenrand, zeigt die Übungen, feuert an und zählt die Sekunden. „Ich würde auch gerne mal wieder raufgehen“, spornt auch sie der Spaß in den Gesichtern ihrer Teilnehmer zu eigenen Floatfit-Einheiten an. Wenn ihr Kollege wieder die Stunde gibt, will sie mit auf dem Wasser sein. Und sie freut sich schon auf die anstrengende, schweißtreibende Sporteinheit mit Spaßfaktor und anschließender Abkühlung im Becken.

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