Tragbare Kites

von Friederike Hiller

Sie knistern, sind leicht, kuschelig gefüttert und farbenfroh: Taschen und Kleidung aus alten Kites. Doris Ivanschitz hat ihre zwei Leidenschaften – Mode und Kiten – miteinander verknüpft und sich mit Upcyling von Kites ein weiteres Stück nachhaltigem Konsum gewidmet.

 

Kein Stück gleicht dem anderen. Alles sind Unikate. Das ist Doris wichtig. Sie ist ein Wirbelwind, der immer an Neuem interessiert ist und gerne ausprobiert. „Jemand, der Fragen stellt, sich auseinandersetzt und vielleicht auch mal zu schnell unterwegs ist“, sagt die 53-Jährige und fügt lächelnd hinzu: „mein Mann bremst mich glücklicherweise immer wieder ein, damit ich nicht stolpere.“ Was sie noch stundenlange machen kann, wenn sie nicht den Kite verarbeitet oder sich von ihm über das Wasser ziehen lässt, ist einfach nur auf dem Wasser zu liegen und zu schnorcheln. „Das könnte ich stundenlang machen. Das Großartige für mich ist dabei, dass ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus komme und total resettet bin.“ Coastwriter hat mit der Frau hinter dem Projekt und der Crowdfunding-Kampagne StayInAKite über ihre Leidenschaft für Mode, Natur und Wassersport gesprochen.

 

Foto: StayInAKite

Was verbindet Dich mit Wassersport?

Doris: Ich bin über das Gleitschirmfliegen zum Kiten gekommen. Als Starkwindalternative sozusagen, wenn es für uns in der Luft rückwärts gehen würde! Vom Entschluss bis zu den ersten Metern auf dem Board sind dann leider ein paar Jahre vergangen, weil ich immer Pech mit dem Wind hatte. Aber im letzten Jahr habe ich es endlich geschafft und es macht so viel Spaß.

Foto: StayInAKite

...und mit Mode?

Mit Mode habe ich schon immer total gerne experimentiert - schon mit 16 Jahr habe ich aus Vorhängen und Bettbezügen allerlei Tragbares gemacht. Ich habe dann eine Ausbildung zur Damenschneiderin gemacht, danach Bekleidungstechnik studiert und in der Industrie für viele Jahre gearbeitet. Ich probiere viel aus: Material- und Farbkombis und natürlich ungewöhnliche Schnitte. Und das ist auch mein Steckenpferd. Schnitterstellung ist viel, viel Mathematik. In meinem Projekt kommt also alles Reizvolle zusammen: Das Material hat völlig andere Materialqualitäten als beispielsweise eine Gardine …. und die Farben hauen mich immer wieder um - so fröhlich, so Urlaub, so lebensbejahend! Das Material ist nicht elastisch. Ich will aber eine coole, schmale Silhouette und natürlich nette, kleine Features schaffen. Da habe ich viel ausprobiert und experimentiert, bis ich das Ergebnis hatte, das mich richtig überzeugt hat. Na, und so pur auf der Haut getragen wäre Kite für mich nicht das Optimum gewesen, darum war klar, dass die Bekleidung abgefüttert sein muss … und da mein Herz noch viel länger für „Bio“ schlägt als ich nähe, war sofort klar, dass als Futterstoff nur ein Biomaterial reinkommt und so bin ich zum Teddyplüsch aus Biobaumwolle gekommen. Die Kleidung ist also ganz kuschelig und sehr bequem.

Foto: StayInAKite

Was macht das Material für Dich aus?

Einmal natürlich, dass es mich an ganz viel Urlaub erinnert und die Erlebnisse, die Freude, die ich hatte. Und dann fasziniert mich das extrem geringe Gewicht dieses Materials, die Stabilität und diese mega Farben natürlich, die ein echter Hingucker sind.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Wassersport mit Mode zu verbinden?

Tatsächlich in einem Kitekurs. Ich hatte leider Pech, denn der Wind war wie abgestellt und so hatten wir Kiteschüler Zeit, allerlei Ideen auszuhecken. Da ich einige Teile aus einem alten, zerlegten Gleitschirm dabeihatte, lag die Idee nahe, aus alten Kites und Surfsegeln Mode zu machen.

Foto: StayInAKite

Was bedeutet nachhaltiges Leben für Dich?

Ich bin zu Zeiten Tschernobyls zur Schule gegangen. Damals nahm die ganze Ökoszene richtig an Fahrt auf - und ich war immer mit dem Herzen dabei. Ich bin Vegetarierin, achte auf Bioprodukte, beziehe Ökostrom, habe unser Haus bauökologisch saniert, fahre möglichst alle Wege mit dem Rad und sammle schon immer Müll am Wegesrand auf. Dafür erntete ich früher Kopfschütteln, heute Beifall - aber wirklich getan hat sich nichts … also, es liegt leider mehr als weniger Abfall rum.

Was ist Deine Vision für nachhaltige Mode und nachhaltiges Leben?

Ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen nur erreichen lassen, wenn Nachhaltigkeit Spaß macht und cool ist. Wenn es nichts mit Einschränkung zu tun hat, sondern mit Zugewinn. Dafür aber brauchen Konsumenten verlässliche Partner, die ökologische Themen transparent und selbstverständlich umsetzen. Das hat auch viel mit Werten zu tun.

Foto: StayInAKite

Was ist Dein Lebensmotto?

Alle sagten „das geht nicht“ und dann kam einer und hat es einfach gemacht. Sowas gefällt mir. Immer nach vorn schauen, interessiert sein und Lösungen suchen!

Als Unternehmensgründerin, was bedeutet Female Empowerment für Dich?

Ich denke, dass die klassische Geschlechterrolle obsolet ist und jeder das kann, was er kann, weil er es will und natürlich, weil er es liebt und auch nur dann gut in dem ist, was er tut. Denn ohne Leidenschaft geht nix. Das ist geschlechterunabhängig. Darum steht für mich der Aspekt des Überwindens von Grenzen im Vordergrund, die sich viele Frauen aus Furcht, gesellschaftlichen Normen nicht zu entsprechen, noch immer selbst stecken. Leider handeln breite Bevölkerungsschichten auch heute und hier sehr traditionsverhaftet, was mich intensiv in der Erziehung unserer Tochter konfrontiert. Darum ist die Stärkung ihres Selbstwertes vorrangig für mich. Denn wer seinen Wert kennt, wird dementsprechend handeln. Sei es für sich oder für andere, oder?

Vielen Dank für das Gespräch!

Bildernachweis: StayInAKite

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