Baywatch-Feeling mit eigener Boje

von Friederike Hiller

Die Leash reiß, das Brett ist weg, Strömung und Wellen sind schwimmend nur schwer zu bezwingen. Während für Surfer und Stand up Paddler das Board die Sicherheitsboje ist, können Kiter ihren Schirm nutzen: Aber was, wenn sie kaputt sind, keinen Auftrieb mehr geben oder einfach davontreiben. Um bei allen Bedingungen mit einem guten Gefühl aufs Wasser gehen zu können, haben die Erfinder von Restube eine kleine Tasche für große Sicherheit entwickelt. Wir haben uns die Schwimmboje genauer angesehen.

Auch die Ostsee hat Strömung

Selbst in der Ostsee können Schwimmer in lebensbedrohliche Situationen geraten, wenn sie beispielsweise die Strömung unterschätzen. Aber auch Wassersportler, die bei ablandigen Winden oder kalten Temperaturen aufs Wasser gehen, könnten feststellen, dass es keinen extremen Bedingungen bedarf, um in Not zu geraten.

Das Tragegefühl

Die Restube Tasche ist wirklich klein und leicht. Sie lässt sich gut um die Hüften schnallen und ist - beispielsweise auf dem Rücken getragen - kaum zu spüren. Eine extra Befestigung für das lose Ende des Hüftgurts gibt es nicht, dafür kann der Schieber, mit dem die Länge verstellt wird, weiter zum losen Ende hin gezogen werden. Das steht sogar in der Gebrauchsanweisung. Die lese ich allerdings meist erst hinterher – daher baumelte beim ersten Test das lose Ende locker von meiner Hüfte herab.

Würde mich die Tasche beeinträchtigen, wenn ich mit dem Wellenreiter draußen bin? Um das auszuprobieren, lege ich mich hin und paddle liegend mit meinen Armen. Ich bemerke die Tasche kaum – ebenso, wenn ich aufspringe. Sie bleibt an ihrer Position. Ihre Tragtauglichkeit hat sich also schon gezeigt, nun kommt der eigentlich wichtige Part. Der Wassertest.

Der Wassertest

Ich ziehe am Auslöser, bemerke einen Zug an der Hüfte und hinter mir ploppt ein gelber, aufgeblasener Schlauch aus dem Wasser auf. Wenn ich ihn mir unter meine Achseln schiebe und mich darauf lehne, drücke ich ihn zwar ein Stück weit unter die Wasseroberfläche, aber es bleibt genug Auftrieb, um mich treiben zu lassen mit dem Gefühl, dass mich der Schlauch über Wasser hält.

Zugegeben, manchmal ist es gar nicht so verkehrt, zumindest mal kurz in die Gebrauchsanleitung zu schauen. Das stelle ich fest, als ich wieder an Land bin und die Boje wieder in ihren Ausgangszustand zurückverwandeln möchte. Luft durchs Ventil ablassen, einmal längs und dann mehrmals quer falten und dann die neu eingeschraubte Patrone in ihrer Neoprensocke obendrauf zum liegen kommen lassen. Mit ein bisschen Geruckel in der Tasche verstauen und den Auslöser wieder durch die Laschen fädeln. Wer keine Lust hat, sich das in der Gebrauchsanleitung anzuschauen, aber beim Falten merkt, das irgendwas nicht stimmen kann – für den gibt es ein YouTube Video.

Sicherheit an Bord

Nun möchte ich die Sicherheit auf dem Wasser aber auch nicht im Atlantik oder Pazifik missen. Bei jedem Restube liegen Hinweise für die Fluggesellschaft dabei. Denn die CO2-Patronen müssen angemeldet werden. Funktioniert das auch? Ich frage im Freundeskreis nach. „Die Asiaten haben zwar kurz gestutzt, aber mit der Erklärung, war es kein Problem. Damit sind wir bis nach Neuseeland und Vietnam geflogen“, wird mir berichtet. Ich werde es ausprobieren.

Ein Auftrieb für lebensbedrohliche Situationen

Doch wer steckt hinter der Boje und wie ist Restube entstanden? Wir haben beim Erfinder Christopher Fuhrhop nachgefragt:

Christopher, wie bist Du auf die Idee gekommen
Vor ein paar Jahren hatte ich beim Kitesurfen am Atlantik eine unschöne Situation auf dem Wasser. Mein Kite ist kaputt gegangen und in großen Wellen musste ich irgendwie schwimmend wieder an Land zurückkommen. Die Strecke war nicht so weit, aber die Strömung war sehr stark. Dort gibt es starke Rip Currents, also Brandungsströmungen, die einen vom Land wegziehen. Ich habe mit aller Kraft versucht, dagegen anzuschwimmen, bis ich immer wieder leichte Panik bekam. Das hatte ich noch nie vorher erlebt. Zurück an Land hatte ich den Antrieb, für solche Situationen eine einfache Lösung zu finden.

Was bedeutet es für Dich als Kitesurfer, Dich sicher auf dem Wasser zu fühlen?
Wenn ich auf dem Wasser bin, will ich mich gut fühlen. Da ist zum einen der Wunsch, mich frei mit Wind und Wasser bewegen zu können. Zum anderen will ich mir keine Gedanken machen „was passiert wenn mein Kite kaputt geht“ oder „wie kann ich helfen, wenn jemand anders in einer blöden Situation steckt“. Restube ist mein „Peace of Mind“ damit ich einfach noch mehr Spaß habe.

Bewusster Umgang mit dem Element Wasser

Wie wichtig ist das Thema „Sicherheit auf dem Wasser“ und wie hat es sich in den vergangenen Jahren entwickelt?
Mal im Vergleich: In Europa verunfallen in Lawinen jedes Jahr etwa 100 Menschen, im Straßenverkehr und im Wasser je mehrere Zehntausend. Davon ertrinkt jeder Vierte bei dem Versuch, jemand anderem zu helfen. Weltweit ertrinken laut WHO etwa 372.000 Menschen, das entspricht 42 Menschen pro Stunde jeden Tag. Das sind krasse Zahlen, die in der Öffentlichkeit gar nicht so bekannt sind. So still wie das ertrinken selbst, so ist auch die Kommunikation unserer Gesellschaft darüber. Am Ende geht es nicht darum, Panik zu machen und sich fern vom Wasser zu halten. Im Gegenteil, es geht um einen bewussten Umgang mit dem Element Wasser und unseren Fähigkeiten. Damit wir noch mehr schöne Erlebnisse da draußen haben.

Welche Praxistests musste der Restube überstehen und wie lange hat es gedauert, bis das Produkt Deinen Ansprüchen genügt hat?
Wir haben Restube von der ersten Naht an in Diplomarbeiten an der Uni Karlsruhe (KIT) entwickelt. Nach ca. eineinhalb Jahren Entwicklung, tausenden Auslösungen und unzähligen Tests im Wasser mit Sportlern und Rettungsprofis haben wir dann am 1. Juni 2012 das erste Restube verkauft.

Herzstück Boje

Was waren die wichtigen Aspekte bei der Entwicklung des Restube?
Wir wollten ein System entwickeln das einem jederzeit im Wasser helfen kann und das so kompakt verstaut ist, dass man es immer bei sich tragen kann.

Wie sieht die spezielle Anpassung auf verschiedene Wassersportarten aus?
Man könnte den Vergleich mit dem Ski-, Fahrrad- oder Motorrad-Helm ziehen. Restube entspricht hierbei dem Helm, der je nach Ausführung auf den ganz speziellen Einsatz abgestimmt ist. Dabei haben wir darauf geachtet, dass der Kern – die zehntausendfach bewährte Restube-Boje – immer als Herzstück bestehen bleibt, durch Details an den unterschiedlichen Taschen und die Add-ons wird Restube dann perfekt für die Nutzung: ob im Wasser, am Wasser, für aktive Schwimmer oder im harten Einsatz für Profiretter.

Was sind Eure nächsten Schritte? Sind neue Produkte geplant?
RESTUBE wird weiterhin mit kreativen Ideen noch mehr Freiheit und Sicherheit für alle am Wasser ermöglichen. Wasserrettung mit Drohnen ist zum Beispiel ein aktuelles Thema. Heute schon werden über 20 Strände in Deutschland, dutzende in Australien und Brasilien mit Spezialdrohnen von speziell geschulten Rettungsschwimmern bewacht. Lustig ist dabei, dass wir schon 2010 - also vor 8 Jahren – ein solches Gesamtsystem an der Uni konzipiert und sogar als Prototyp gebaut haben. Nachdem wir die letzten Jahre immer mehr Anfragen dazu bekamen wurde „RESTUBE automatic“ speziell für diesen Einsatz optimiert. Es kann abgeworfen werden und bläst sich mit Wasserkontakt auf. So gut die Idee schon damals war: es war einfach noch zu früh. Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es dass, wir Menschen viel Zeit brauchen, das Vertrauen in neue Technologien aufzubauen. Bei uns steckt noch eine Menge in der Schublade, das Beispiel mit den Drohnen zeigt aber gut: die Schrittweite die wir gehen können hat sehr viel mit dem Bewusstsein unserer Gesellschaft zu tun. Wir werden alles daran setzen, nicht nur unsere Technologie voran zu treiben, sondern auch den bewussten Umgang mit dem Thema Freiheit & Sicherheit im Wasser.

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