Wie die Oma, so die Jule

von Friederike Hiller

Flexibel sein: Eine Anforderung für die freiwilligen Helfer zur Kieler Woche in Schilksee. Das war vor 46 Jahren so und ist auch heute nicht anders. Und es macht auch immer noch viel Spaß, sind sich Britt und Jule Wenzel einig. Oma und Enkelin sind im zweiten Jahr zusammen im Helfer-Team. Die innerfamiliäre Nachwuchswerbung hat gut funktioniert.

In Omas Fußstapfen

„Oma hat immer davon erzählt. Wenn zur Kieler Woche Geburtstage gefeiert werden sollten, hieß es immer: Oma hat keine Zeit, sie ist bei der Kieler Woche“, berichtet die 18-jährige Jule, die gerade auf einen Studienplatz für Medizin wartet. Als im vergangenen Jahr wieder Helfer gesucht wurden, war Jule sofort zur Stelle. „Das wollte ich auch gerne machen. Ich bin ziemlich stolz auf meine Oma.“ Und so verbrachten sie die Kieler Woche 2017 zusammen am Presse-Tresen. „Es ist ziemlich cool. Man ist sofort bekannt, weil Oma bekannt ist. Letztes Jahr war ich noch die Enkelin von Britt. Jetzt im zweiten Jahr bin ich Jule.“

Wuselige Zettelwirtschaft

Im olympischen Jahr 1972 wurde in der Zeitung nach Hostessen gesucht. Britt fühlte sich angesprochen und meldete sich. Nach einem Interview war sie dabei und wurde am Presse-Tresen eingesetzt. Dort ist sie seitdem geblieben. Nur ein Jahr musste sie aussetzen. „Da wollte ich mein Studium zu Ende bringen.“ Damals sei alles ein bisschen wuseliger gewesen, denn überall lagen Zettel mit Ergebnissen und mussten irgendwohin gebracht werden. Heute seien einige Ergebnissuchende enttäuscht, dass sie diese im Internet ansehen müssen. Aber ob nun auf der Suche nach Ergebnisse oder aus einem anderen Anlass, Britt freut sich immer über Besuch am Tresen. „Viele, die schon sehr lange dabei sind, kommen vorbei. Das ist schön, man kennt sich.“ Seit ein paar Jahren denke sie, dass die Jüngeren mal übernehmen könnten. „Ich komme mir vor, wie die Oma von allen“, lacht sie.

Sie sind entzückt, dass man sich so auf sie einlässt.

Mehrsprachig im Gespräch

Obwohl es Jule auch sehr gut am Presse-Tresen zusammen mit ihrer Oma gefallen hat, hilft sie in diesem Jahr bei den Para-Klassen. „Ich habe es verpennt und mich einen Tag zu spät gemeldet“, erklärt sie. Die andere Position war schon besetzt. Nun steht sie bereit, um den Seglern beim Ablegen zu assistieren. „Das macht viel Spaß. Die Segler sind sehr nett und international.“ Ihre Sprachenkenntnisse helfen ihr dabei. Ob auf Italienisch, Griechisch, Schwedisch oder Englisch, sie hat immer ein Wort für die Aktiven. „Das ist echt toll. Sie sind entzückt, dass man sich so auf sie einlässt.“ Im ersten Teil der Kieler Woche, als die 2.4mR und Hansa 303 noch nicht vor Ort waren, half sie bei der Vermessung der Laser Radial aus.

Ich gehe hin und schaue, was anfällt.

Vom Presse-Tresen zum Boots-Jongleur

Egal, wo im Hafen von Schilksee die Helfer eingesetzt sind, flexibel zu sein gehört dazu. Selten ist das Wetter so, wie erwartet und der Zeitpunkt der Starts selten nach Plan. „Ich gehe hin und schaue, was anfällt“, so lautet jeden Morgen das Motto von Britt und Jule. Die kleinen Veränderungen in der Organisation führen auch zu neuen Verwirrungen bei den Aktiven. Beispielsweise ist in diesem Jahr der Presse-Tresen gleich beim Eingang des Regatta-Hauses. So verirren sich viele dorthin, die eigentlich gar keine Presseinformationen benötigen. Daher ist in diesem Jahr ein häufig verwendeter Spruch, um die Suchenden ihrem Ziel näher zu bringen: „the big white tent.“ Entweder dort oder einfach nur ein Stück weiter des Tresens können Fragen rund um Organisation und Wettfahrten gestellt werden.

Auch Jule hat einen Spruch, den sie in der Woche bisher am häufigsten gesagt hat: „Could you please move your boot a little bit to the side?“ Damit der Verkehr wieder läuft und die Rettungswege freigehalten werden, müssen die soeben aus dem Wasser gezogenen Jollen übers Hafenvorfeld dirigiert werden.

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