Vorfreude auf die Herausforderung

von Friederike Hiller

Auf zehn Beaufort hatte der Wind am frühen Morgen am Kieler Leuchtturm aufgefrischt. Langsam und kontinuierlich geht er zurück auf etwa sechs Windstärken am Mittag. So kann die letzte mehrtägige Trainingseinheit auf der Kieler Förde für Steuerfrau Theres Dahnke und Vorschoterin Birte Winkel im 470er starten. Bis Sonntag wollen sie an Feinheiten, wie einer anderen Halsentechnik arbeiten.

Manöver gegen die Kälte

„Wir trainieren an Kleinigkeiten, die wir in der Saison vernachlässigt haben“, erklären die beiden. Hätten sie beispielsweise die andere Halsentechnik schon während der Saison oder im Frühjahr ausprobiert, hätte das sie wahrscheinlich eher verwirrt. Nun wollen sie austesten, bei anderen schauen, wie die es machen und die unterschiedlichen Halsentechniken und ihren Vor- und Nachteilen in verschiedenen Bedingungen vergleichen. Dass der Wind zugelegt hat, kommt ihnen zugute, denn genau in diesen Bedingungen wollen sie an ihrer Fahrtechnik feilen. „Aber mit Manövern, ansonsten wird es zu kalt“, sagt die 21-jährige Vorschoterin lachend.

Lernen in komprimierter Form

Hinter den beiden Seglerinnen aus dem Nachwuchskader liegt eine sehr erfolgreiche Saison mit dem Europameistertitel bei den Junioren und dem Silberrang bei den Junioren Weltmeisterschaften im 470er. Für den Winter fühlen die Studentinnen sich aber trotzdem nicht unter Druck gesetzt. Der Januar wird segelfrei bleiben – so wie auch in den vergangenen Jahren. „Birte schreibt ihre Bachelorarbeit“, erklärt Theres, der allerdings mit Krafttraining und Vorbereitungen für ihre Prüfungen in der Uni auch nicht langweilig werden wird. Viel Zeit bleibt nicht bis es im Februar wieder losgeht, aber: „Sonst lernt man auch das ganze Jahr über in der Uni in komprimierter Form“, erklärt Birte.

Ansporn bei Starkwind

Anfang Dezember geht es noch einmal zum Training nach Italien und dann werden sie im Februar wieder einsteigen. Da sie im kommenden Jahr versuchen wollen, ihren Titel zu verteidigen, wollen sie im Winter lernen, auch mental damit umzugehen. „Eine Medaille ist schon unsere Wunschvorstellung. Aber ich empfinde das nicht als Druck“, erklärt die Vorschoterin und ihre Steuerfrau stimmt ihr zu. „Es ist eher eine Vorfreude auf das nächste Jahr. Wir wollen da anknüpfen.“ Dafür müsse allerdings wieder alles stimmen. „Keine Proteste, keine Materialaussetzer, es muss alles zusammenpassen“, so Theres. Neben der guten Vorbereitung dürfe auch das Quäntchen Glück nicht fehlen. „Nichts ist kaputt gegangen, wir waren super drauf und haben von der Sportpsychologin gelernt, besser zu kommunizieren und Niederlagen besser zu verarbeiten.“ Dazu zähle auch, dass Negatives konstruktiv besprochen werde.

Zu dem Umstand, dass in der vergangenen Saison einfach alles zusammengepasst hat, zähle auch die Trainingsgruppe, die beide als optimal empfanden. „Es war eine angenehme Stimmung. Wir haben uns gut verstanden und auch abends was zusammen gemacht.“ Das Jungsteam habe sie bei Starkwind herausgefordert dranzubleiben. „Bei wenig Wind sind wir eh schnell. Aber so konnten wir uns auch bei viel Wind verbessern“, erklärt die 20-jährige Steuerfrau.

Mehr Stoff, weniger Bewegung

Schade sei es daher, dass sich ihre Trainingsgruppe aus der vergangenen Saison aufgelöst hat. „Das war schon optimal. Mit drei bis vier Booten kann man alles trainieren: nicht nur Persönliches sondern auch Starts.“ Nun müssen sie schauen, wo sie sich anschließen können. Das sei mit mehr Organisation verbunden – als der bisherigen doch recht einfachen Verabredung in der Bootshalle in Schilksee.

Durch den Türspalt in der Bootshalle zieht kühle Luft herein. Birte nimmt einen Schluck vom warmen Tee. Warme Getränke werden sie aber nicht mit aufs Wasser nehmen. Hingegen liegen der dickere Neoprenanzug, Stirnbänder und Neoprensocken bereits bereit. Es ist eine Gratwanderung: Je mehr sie anziehen, desto weniger gut können sie sich bewegen.

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