Die Leichtigkeit des Longboardens

von Friederike Hiller

Ruhe und Anmut – das begeistert Mascha Trietsch, wenn sie mit dem Longboard surft. Die Studentin ist im Deutschen Nationalteam und liebt die Ruhe vor oder nach dem Sturm.

„Longboarden hat einfach so eine Leichtigkeit, die sich auch nach außen zeigt. Und ich bin der Meinung, dass Longboarder irgendwie entspannter sind“, berichtet Mascha Trietsch. Die ersten Male habe sie sich nur für das Longboard entschieden, wenn die Wellen klein waren und der Spaß mit dem Shortboard begrenzt. „Aber dann habe ich nach und nach gemerkt, dass ich generell mehr Spaß im Wasser habe, wenn ich longboarde.“

Foto: Sean Evans/ISA

Vor oder nach Stürmen

Die entspannte Leichtigkeit des Surfens mit dem Longboard genießt die Surferin auch im Line up. „Ich bin eigentlich immer happy, wenn eine gute Stimmung im Line Up herrscht. Wenn man sich gegenseitig sagt, wie toll die Welle war und jeder lächelnd auf das nächste Set wartet.“ Dafür muss nicht unbedingt immer die Sonne scheinen. „Ich liebe diese grauen, glassy Sessions, die man oft vor oder nach Stürmen hat. Wenn das Wasser spiegelglatt ist und man den Unterschied zwischen Meer und Himmel kaum erkennen kann.“

Foto: Markus Elter

Endlos lange Wellen und Bretter

Zwölf Jahre alt war die Berlinerin, als sie zum ersten Mal auf einem Surfbrett stand. „Ich erinnere mich noch sehr genau an meine erste Surfstunde. Ich war mit meiner Familie auf Hawaii.“ Ein Lebenstraum ihres Vaters, der während des Urlaubs auf den Rest der Familie überschwappte. Im Land des Surfens war klar, dass auch das ausprobiert werden musste. „Und so wurden wir auf neun Fuß Boards in perfekte, kleine, grüne Wellen geschubst. Die Wellen waren endlos lang, genauso wie die Bretter, die mein kleinerer Bruder und ich und kaum tragen konnten.“ Die Begeisterung breitete sich aus, sodass auch der nächsten Tag gleich wieder dem Surfen gewidmet wurde.

oh nein, die 20 Minuten gehen viel zu schnell um..

Gemeinsam, vereint und friedlich surfen

Seitdem hat sie nicht nur für sich die Wellensuche fortgeführt, sondern misst sich auch in Contests mit anderen. „Wenn ich während eines Heats im Line up sitze, hoffe ich meistens, einfach ein paar schöne Wellen zu finden - und auf ein bisschen Glück. Schnell kommen dann auch Gedanken, wie: oh nein, die 20 Minuten gehen viel zu schnell um...“

Mittlerweile hat sich Mascha Trietsch mit Leidenschaft und Begeisterung bis ins Deutsche Nationalteam gesurft. „Ich freue mich, dass ich Deutschland in dieser Form repräsentieren darf. Es macht super viel Spaß, internationalen Contests für sein Land anzutreten und sein Bestes zu geben.“ Insbesondere bei den ISA Events (International Surfing Association) komme der Olympische Gedanke mit ins Spiel: „Dass es darum geht, dass alle Nationen gemeinsam, vereint und friedlich an einem Wettkampf teilnehmen.“

Foto: Markus Elter

Schwierigkeit Wellenfinden

Ihr letztes Event war die ISA Longboard Weltmeisterschaft im französischen Biarritz. „Die Bedingungen haben sich über die Woche hinweg extrem verändert“, blickt Mascha Trietsch zurück. Sie war bereits drei Tage vor Beginn des Contests angereist. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir komplett Sturm mit viel Wind, aber super kleine Wellen. Dadurch hatte ich leider nicht so viele Möglichkeiten wieder zurück aufs Board zu finden nach drei Monaten, die ich komplett in Berlin verbracht hatte.“ Zum Start kamen dann wieder etwas mehr Wellen, doch es blieb sehr unbeständig. „Es war sehr schwierig die Wellen zu finden, die ein bisschen länger offen blieben.“ Erst zur Mitte der Woche wurde es besser und zum Finale hin, seien die Bedingungen traumhaft gewesen, schwärmt sie. „Leider war ich zu dem Zeitpunkt schon ausgeschieden.“

Das war schon sehr cool, einen Heat gegen die Weltmeisterin surfen zu dürfen

Jeder Heat bietet Potential zum Lernen

Gleich am ersten Tag der Weltmeisterschaften war sie gestartet. Und traf auf die amtierende WSL (World Surf League) Weltmeisterin Soleil Errico und eine Surferin aus Chinese Taipeh. „Das war schon sehr cool, einen Heat gegen die Weltmeisterin surfen zu dürfen.“ Doch es sei nicht einfach gewesen, Wellen zu finden, die offen blieben. „Meine erste Welle war fast ausschließlich Weißwasser, was sich leider auch am Ende nicht mehr zu einer kleinen Schulter aufgebaut hat.“ Es wurde knapp für die deutsche Surferin und sie landete auf dem dritten Platz und musste in die Repecharge (Hoffnungsrunde). „Das hat mich auf jeden Fall sehr enttäuscht, da ich nicht das Gefühl hatte, zeigen zu können, was ich kann. Das was sehr frustrierend.“ Auch wenn die Bedingungen sich nicht wesentlich verbessert hatten, hatte Mascha Trietsch in der Repechage mehr Spaß im Wasser und auch ein paar mehr Wellen. „Leider blieb ich deshalb auch eher unsicher auf den Wellen und traute mich nicht so richtig etwas zu riskieren, da ich wusste, dass ich nicht viele Chancen haben würde.“ Daraus habe sie allerdings gelernt und würde es das nächste Mal anders machen. „Da lerne ich aber auch mit jedem Wettkampf und jedem Heat dazu, denn das ist natürlich eine ganz andere Atmosphäre als bei einem normalen Free Surf.“

Foto: Markus Elter

Yoga anstatt Surfen

Momentan ist die Studentin wieder in Berlin im Alltag fernab der Wellen und des Meeres und ohne Surfen angekommen. Neben ihrem Werkstudentenjob arbeitet sie als Yogalehrerin in einem Studio. „Ans Meer geht es für mich erst wieder im September, wenn ich für ein paar Wochen nach Frankreich fahre. Da freue ich mich schon jetzt riesig drauf und ich werde auf jeden Fall versuchen, so lange wie möglich dort zu bleiben.“ Im nächsten Semester möchte sie dann ihre Bachelorarbeit schreiben. Was danach kommt? Das sei noch völlig offen.

Bildnachweis Titelfoto: Markus Elter

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