„Die Leute springen nicht gerne vom Board“

von Friederike Hiller

Mit 35 Kilometern pro Stunde rauscht der Wind über den Maschsee. Spaß machen die Bedingungen für SUP-Touren auf dem See nicht unbedingt, hingegen ist ein Downwinder entlang der Küste ein Vergnügen – den Wind im Rücken, den Schwung der Wellen mitnehme, sie abreiten und das Gefühl des Gleitens genießen. Trainieren ist auch möglich, Anfängerschulung nicht. Simone Beinsen ist nicht nur Deutsche Meisterin auf der Langdistanz im SUP sondern unterrichtet auch in ihrer SUP-Schule. Es bleiben nur noch wenige Tage, dann ist die Saison ganz vorbei.

Stand up Paddling ist kraftraubender

Maschsee, Flüsse, wie die Leine, und das Steinhuder Meer sind die Trainingsreviere von Simone Beinsen. Wenn die Hannoveranerin Wind in Kombination mit Welle genießen möchte, fährt sie an die Ostsee. Hat sie immer ihren SUP dabei? In regelmäßigen Abständen tauscht sie das Board gegen den Outrigger. „Der Bewegungsablauf beim Outrigger ist relativ identisch zum SUP, daher ist er so gut als Kombination geeignet.“ Die Frequenz der Paddelschläge müsse im Race hochgehalten werden. Das komme dann auch dem Stand-up-Paddling zugute. Im Sitzen sei sie dem Wasser relativ nah, daher sei auch der Hebel ein anderer als auf dem SUP. „Der Trainingsaufwand ist nicht so extrem. Paddeln auf dem SUP ist kraftraubender.“

SUP, Laufen, Kraftraum

Stehpaddler werden in Vereinen immer noch belächelt, hat die 48-Jährige festgestellt. Die körperliche Herausforderung, wenn das SUPen als Sport ausgeübt wird, wird oft nicht gesehen – bis sie zum ersten Mal selbst darauf stehen.

Als Robby Naish während einer Messe in Hamburg das Stand-up-Paddling auf der Alster vorgeführt hatte, entschieden sich Simone und ihr Partner, das selbst auszuprobieren und sich Boards zu kaufen. „Wir sind völlig unbedarft aufs Wasser gegangen.“ Schnell stellten sie fest, dass sie in Hannover und Umgebung die einzigen waren, die mit einem SUP auf dem Wasser paddelten. Erst an der Ostsee, bei ihrem ersten Rennen, stießen sie auf Gleichgesinnte. „Dann wollte ich sofort mehr.“ Und so wuchs Simone in das Stehpaddeln hinein. Nun begann sie, Strecke zu paddeln, die Natur zu genießen und sich so fit zu halten. Sie setzte sich kleine Ziele: „Mal das Steinhuder Meer zu umpaddeln“. Und weitete dann die Strecken aus, bis sie zur Langdistanz kam. „Ich glaube es ist auch eine Alterssache. Man bekommt mehr Biss für längere Strecken und ich möchte mir beim Sprint meine Knochen nicht kaputt machen.“ Während beim 100-Meter-Sprint die Paddler reinbolzen, Vollgas geben, belasten sie ihre Muskulatur anders. „Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich Sprints nicht mehr so gut wegstecke und habe mich für die Langstrecke entschieden.“ Nur Kilometer auf dem Wasser zu machen, reiche aber nicht aus, um vorne mit zu paddeln. Jetzt, da die Tage wieder kürzer werden, arbeitet sie an ihrer Grundfitness, geht laufen und in den Kraftraum. So schaffe sie die Grundlagen für den Sommer. Auf die Wassereinheiten verzichtet sie aber auch im Winter nicht.

Stur auf dem Board stehen bleiben

Es gebe zwar auch Tage, an denen sie keine große Lust habe, aufs Wasser zu gehen. Aber: „danach fühlst du dich viel besser.“ Wenn es kalt ist, der Himmel verhangen, aber dann ein einziger Sonnenstrahl durch die Wolkendecke bricht und auf dem Wasser glitzert, genießt sie das Naturschauspiel.

Die kühleren Tage mit Regen und Wind machen sich bei Simone Beinsen in der SUP-Schule bereits bemerkbar. Selbst wenn der Wind nicht so stark bläst, dass sie die Stunde absagen muss. „Bei 30 Grad und Sonne klingelt das Telefon heiß“, sagt sie. Tage an denen es leicht nieselt, sind zwar zum trainieren viel besser geeignet, da sie nicht ganz so schweißtreibend sind, doch da kommen nicht mehr so viele Menschen auf die Idee, aufs Wasser zu gehen. „Klar können die Teilnehmer bei hohen Temperaturen auch ins Wasser springen, um sich abzukühlen, aber viele Erwachsene wollen sich nicht die Blöße geben und bleiben stur auf dem Board stehen. Die Leute springen nicht gerne vom Board ins Wasser.“ Bei Schülern sei das wiederum etwas ganz anderes. Da lautet die erste Frage: „Wann dürfen wir springen?“

„Für viele ist der Sommer vorbei“

Die SUP-Schule aufzumachen, sei eine Bauchentscheidung gewesen. Nachdem sie bei anderen Schulen gesehen hatte, wie zu kurze oder nicht fachgerechte Einweisungen dazu führten, dass beispielsweise Naturschutzbereiche nicht geachtet werden, sei es ihr ein Anliegen gewesen, eine vernünftige Schulung zu bieten. „Je mehr Leute unbedarft aufs Wasser gehen, desto mehr Verbote gibt es. Dem will ich entgegenwirken.“

Für das Wintertraining haben nur noch vereinzelt Paddler angefragt. Das Problem im Schulbetrieb sei dann häufig die Kleidung. Neoprenanzüge seien fürs SUPen eigentlich aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und dem hohen Schwitzlevel nicht geeignet, aber im Winter als Schutz vor dem kalten Wasser fast unerlässlich. Einen Trockenanzug haben die wenigsten. „Für viele ist der Sommer vorbei. Für sie ist aufs Wasser zu gehen keine Option mehr.“

Bildnachweise: Simone Beinsen

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