Bereit für die Neckarwelle

von Friederike Hiller

Eine große Surf-Community, ein Fluss, der viel Potenzial bietet und ein Verein, der eine stehende Welle nach Stuttgart bringen möchte: Für die Vereinsgründer der Neckarwelle - Surf711 steht fest, dass Surfen vor der Haustür ein ganz neues Lebensgefühl für sie bedeutet. So soll Stuttgart zur Surfcity werden.

Fleißig am Flusssurfen

„Wir leben das Surfen und alles was damit zusammenhängt“, berichtet Susi Mannschreck, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins Neckarwelle – Surf711 zuständig ist. Da die Flusswelle bisher noch im Projektstatus stecke und Baden-Württembergs Hauptstadt noch keinen Surfspot zu bieten hat, reisen die Vereinsgründer gerne nach Indonesien und Portugal. „Aber auch der Atlantik in Frankreich hat einige gute Spots zu bieten“, schwärmt Susi. „Eigentlich sind wir alle routinierter im Meer unterwegs als auf der Flusswelle. Wenn die Neckarwelle realisiert wird, müssen wir im Sommer nicht mehr zwangsläufig verreisen, um unserem Hobby nachzugehen.“ Doch in den vergangenen Jahren habe das Team sich bereits auf die Flusswellen vorbereitet und Ausflüge zum Eisbach oder die Jürgen-Schweizer-Arena in München unternommen. Auch die Surfanlage in Langenfeld haben sie bereits getestet. „Wir sind also alle schon fleißig am Üben, damit wir bereit sind, wenn die Neckarwelle dann steht“, freut sich das Team.

Vorreiter im Surfsport

Stuttgart wird bisher wohl eher mit Automarken als mit Surfen assoziiert. Das passe aber gut zusammen erklärt Susi Mannschreck. „Der Surfsport wird immer mehr von größeren Firmen gesponsert – auch von Daimler.“ Doch das Surfen würde vor allem auch den Fluss als Erholungsraum wieder mehr in das Bewusstsein der Menschen bringen. „In Stuttgart fehlt es schon lange an Möglichkeiten, Zeit am Fluss zu verbringen. Viele, die von Außerhalb kommen, sind sich gar nicht bewusst, dass Stuttgart eigentlich einen Fluss hat. Wir wollen daher den Fluss wieder näher in die Stadt bringen und eine Möglichkeit schaffen, den Neckar zu erleben.“ Am Beispiel München lasse sich gut erkennen, dass es funktioniere: „Der Eisbach ist hier schon lange eine Touristenattraktion, die jährlich Millionen Besucher anzieht – das wird es in Stuttgart auch werden. 2020 wird Surfen zudem olympisch, das heißt alle Augen werden auf den Surfsport gerichtet sein. Wenn dann die Neckarwelle stehen würde, wäre Stuttgart in jedem Fall Vorreiter im Surfsport.“

Wer sich in die sommerlich warmen Fluten des Neckars zwischen etwa 24 und 26 Grad oder die winterlich kühlen um 9 Grad Celsius stürzen will, um die Welle zu surfen, muss aber nicht Ambitionen für olympische Spiele haben. Surfbegeisterte gibt es in Stuttgart und Umgebung viele. Ein Jahr nach der Gründung verzeichnet der Verein bereits über 310 Mitglieder, die sich für das Surfen interessieren. „Es gibt eine größere Surf-Community, als man denken würde. Die Nachfrage ist also definitiv da.“

Mit Schläuchen zur Welle

Die neue Welle soll im Stadtteil Untertürkheim in einem Seitenarm entstehen. „Der Standort eignet sich zum einen durch seine Fließgeschwindigkeit für den Bau der Neckarwelle und zum anderen durch seine Lage und die umliegende Infrastruktur.“ Zudem gibt es dort keinen Schiffsverkehr, sodass die Initiatoren eine Beeinträchtigung für Schiffe durch die Welle ausschließen können. „Außerdem ist die Stelle nahe dem Städtischen Inselbad-Freibad, das sowieso im Sommer schon viele Wasserfreunde anzieht. Eine U- und S-Bahn Haltestelle ist in einer Minute Fußweg zu erreichen.“

Ende vergangenen Jahres hat der Verein eine Machbarkeitsstudie präsentiert. Hierfür wurde mit den Firmen MBA/S, Fichtner und McLaughlin Whitewater zusammen gearbeitet und ein verstellbares Wellensystem erarbeitet. „Es wurde eine Lösung mit zwei quer zur Strömung angeordneten Schläuchen entwickelt, die auf dem Prinzip der seit Jahrzehnten im Wasserbau bewährten Schlauchwehrtechnik aufbaut und die sich sowohl komplett eben legen als auch stufenlos im notwendigen Regelungsbereich steuern lässt. Dies ermöglicht es, die Welle in acht Metern, zehn Metern oder in der vollen Breite von 18 Metern zu betreiben und diese somit an möglichst vielen Tagen im Jahr nutzbar zu machen.“ In vollständig abgesenktem Zustand außerhalb der Betriebszeiten werde so die Durchflussquerschnitt des Kanals nicht beeinträchtigt. „Die Nutzung durch Kajakfahrer ist bei diesem Konzept ebenso möglich.“

Spannende Zeit

Nun gilt es weiter zu hoffen und an der Umsetzung ihres Traumes zu arbeiten. Denn nachdem im vergangenen Dezember die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie beim Sportamt vorgestellt wurden, entscheidet die Stadt nun, ob und mit welchen Mitteln das Projekt umgesetzt wird. „Das Feedback auf die Machbarkeitsstudie aus den Parteien und der Politik war im Großen und Ganzen sehr positiv und wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. In den nächsten Wochen und Monaten wird es nochmals ziemlich spannend für uns.“

Bildernachweis: Neckarwelle e.V.

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