Surf-Spot vor die schweizer Haustür geholt

von Friederike Hiller

Surfrevier Rhein in der Schweiz

Einfach fließen lassen: Das hat sich auch Christian Wunderlin gedacht und sich seinen Spot vor der Haustür geschaffen, inklusive Rhein.

Faszination Fluss-Surfen im Fricktal

Wenn das einzige Wasser, das vor der Haustür zum Sportort werden könnte, ein Fluss ist, dann wird das fließende Gewässer auch genutzt. So auch in der Schweiz. Nachdem sich der Rhein von seinen Ursprüngen in den Tiefen des Alpenlandes durch den Bodensee und weiter durch Koblenz geschlängelt hat und nun in Richtung Basel weiterfließt, durchquert er das Fricktal. Das ist der Ort, an dem Christian Wunderlin die Begeisterung für Wind- und Kitesurfen, Wellenreiten und Stand up Paddling (SUP) wecken will.

Surfen zu Wasser und an Land

„Wie sehr viele Surfer war ich auch im Ausland und habe die perfekten Bedingungen gesucht und manchmal auch gefunden“, sagt Christian lachend.

Nach ein paar Jahren im Ausland hat es den 46-Jährigen wieder in die alte Heimat gezogen. „Trotzdem möchte ich direkt am Spot leben“, erklärt er und hat sich dementsprechend sein Motto ausgerichtet: „Ich mache mir meinen Spot selber.“ Er hat nicht nur den Rhein zu seinem Wasserrevier auserkoren, sondern nutzt auch alle Möglichkeiten, die das Land bietet. „In drei Minuten bin ich an ,meinem’ Land-Wind- und -Kitespot. Der bietet sehr gute Übungsmöglichkeit. Am Abend mal für eine halbe Stunde Kitefliegen und/oder ein paar Runden drehen“, darüber freute sich der Schweizer. Und was beispielsweise Mauritius oder die Kanaren nicht haben: die Gelegenheit im Winter auch Snowkiten und –windsurfen zu gehen. So kann es der Weltenbummler gut in der Schweiz und fernab des Meeres aushalten.

Vielfältige, auch unbekannte, Spots

Vor allem bei der momentanen Hochwasserlage. Wenn die Wassermenge stimmt, bilden sich an den Zuflüssen zum Rhein stehende Wellen, die surfbar sind. Ansonsten sei Wellenreiten nur möglich, wenn „mal an einer Ecke was ausgehoben wird und dadurch eine temporäre stehende Welle entsteht. Dies ist leider nur alle paar Jahre mal der Fall.“

Dafür hat das Fließgewässer andere Qualitäten. „Der Rhein bietet sehr viel für Windsurfer. Leider, oder vielleicht auch gut so, sind nicht alle Spots bekannt und deshalb auch nicht stark frequentiert“, berichtet Christian Wunderlin. „Sicher muss man als Rhein-Surfer flexibel sein, was den Wind betrifft, oft böig, und man muss die Ecken kennen, wo bei welcher Windrichtung die besten Bedingungen herrschen.“ Doch insbesondere oberhalb der Staustufen zeige sich der Rhein oft wie ein See. Bestens dazu geeignet, um zu vergessen, dass es sich um ein Fließgewässer handelt. Optimale Bedingungen mit der perfekten Kombination aus Fließ- und Windrichtung findet Christian, wenn er einen Platz fürs Windsurfen sucht. An der Stelle, wo der  Wind rheinaufwärts bläst – entgegengesetzt der Fließrichtung. „Somit ist die Gefahr des Abtreibens für ,Aufsteiger’ auch bei böigem Wind minimiert“, erklärt er. Und so bietet er ab diesem Sommer in seiner Surfschule Stonesurf SUP-, Windsurf- und Kitesurfkurse an. Allerdings sei das Kitesurfen auf dem Rhein nicht ganz so einfach, betont Christian. Insbesondere die Vegetation am Ufer mache das Kiten nur für Fortgeschrittene möglich. „Es ist eher was für Kiter, die den Kite auch an Land, bei schwierigen Wind- und engen Platzverhältnissen sicher und punktgenau fliegen können und auch bei schwierigen Winden mit dem Kite wieder sicher an Land kommen, was ja so oder so Pflicht sein sollte für alle Kiter.“

Stehpaddelnd auf dem Rhein in den Norden touren

Wer ohne Segel oder Kite den Rhein erkunden möchte, für den bietet sich das SUP an, das auf dem Fluss vielfältig genutzt werden kann. Oberhalb der Staustufen erwarte den Anfänger unter den Stehpaddlern ein See-Feeling. Wer sich von der leichten Strömung treiben lassen mag, der startet eine Tour unterhalb der Staustufen. Diese können auch ohne Probleme überwunden werden. „Wenn man sich die Zeit nimmt, könnten wir bis zu Euch hoch touren. Ein Projekt für nächstes Jahr“, sagt Christian mit einem Augenzwinkern.

Seit über 20 Jahren ist Christian mit dem Wassersport verbunden. Er war auf den Kapverden, Mauritius und Ägypten. Nachdem er fünf Jahre lang auf Teneriffa ein Leben im Wassersportparadies genossen hat, kehrte er im vergangenen Jahr in die Schweiz zurück. „Ich kann ohne Wassersport nicht leben und versuche auch in der Schweiz, die Möglichkeiten zu nutzen.“ Neben dem Rhein stehen ihm die Seen der Umgebung offen und so einige wurden im Frühjahr auch für das Kiten freigegeben. Welche das sind, entscheiden die Kantone. Sie wollen den Naturschutz in Einklang mit der Natur bringen. „Oft gibt es nicht ausgeschilderte Naturschutzzonen, die wir auch schützen wollen“, berichtet Christian auch über den Rhein.

Bildnachweis Header: Kayaker Bill via Visualhunt / CC BY

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