Wasser ist Leben

von Friederike Hiller

Wenn alles fließt, dann ist die Energie spürbar, dann erholen sich Natur, Körper und Geist. Pascal Röslers Blick schweift über das Wasser, kommt so zur Ruhe. „Nur wenn wir das Wasser – die Natur – wieder erleben, dann spüren wir die Bedeutung für unser Leben. Wasser ist Leben“, danach lebt der 44-Jährige, der mit dem SUP von der Hauptstadt Bayerns bis ans Schwarze Meer gepaddelt ist, um für Qualität und Quantität des Wasser einzutreten, Menschen für das Thema zu sensibilisieren und Spenden für den Verein „Pure Water für Generations“, zu sammeln.

Intensive Begegnung mit der Natur

„Eine sehr besondere. Ich kann irgendwie das Wasser spüren und es gibt mir sofort Energie wenn ich am oder im Wasser bin“, erklärt der Münchner Windsurfer und SUPer seine Beziehung zum nassen Element. „Das Wasser hat mich sicher bin ins Schwarze Meer getragen.“ Mit 600.000 Paddelschlägen hat er 2500 Kilometer in 63 Tage oder auch 360 Stunden auf dem Board stehend erst die Isar und dann die Donau entlang bis Sulina in Rumänien zurückgelegt. „Es war eine intensive Begegnung mit der Natur und ich habe viel über mich selbst lernen dürfen. Letztendlich war es eine wunderbare Erfahrung und mit den bisher gesammelten Spenden von mehr als 10.000 Euro können wir sehr zufrieden sein“, zog er nach der Ankunft sein Fazit. Für ihn persönlich sei die Tour zudem ein Weckruf gewesen. „Das Leben – auch im Alltag – muss sich viel mehr in der Natur abspielen.“

Foto: Lazsadi Laszlo

„Jeder Tag auf dem Wasser ist ein guter Tag“

Täglich sechs bis acht Stunden verbrachte er auf seinem Board „Die einen gehen morgens zur Arbeit, ich paddele halt“, schmunzelte der Umweltschützer. Eine Tagesbeschäftigung mit Paddel in der Hand und das, obwohl seine große Leidenschaft das Windsurfen ist. „Ich komme so auf etwa 40 bis 50 SUP-Sessions im Jahr. Aber eigentlich gehe ich lieber Windsurfen. Das Paddeln ist ein schöner Ersatz und jeder Tag auf dem Wasser ist ein guter Tag!“ Zum SUP kam er an einem der windfreien Tage. Es war ein Tag im Jahre 2009 im südafrikanischen Kapstadt: „Da lag so ein Board mit Paddel rum, habe ich mir geschnappt und seitdem paddle ich, wenn kein Wind ist.“ Wenn er jetzt zum Sonnenauf- oder Untergang auf dem Wasser ist, die Stimmung genießt, die Vögel beobachtet, dann wird ein staunender Gedanke laut: „Wow, mehr braucht es nicht zum Leben.“

Kraft des Wassers

Im März des vergangenen Jahres war er auf dem Starnberger See unterwegs und irgendwas war anderes als die unzähligen Male zuvor. „Als ich die unheimliche Kraft des Wassers spürte, wurde mir bewusst, welche große Bedeutung das Wasser für unser Leben hat.“ Diese Erfahrung brachte ihn dazu, sich für das Wasser einzusetzen und mit SUP-Aktionen Spenden zu sammeln. Die erste Tour von München nach Wien war ein voller Erfolg. Daraufhin gründete er am 11. Mai 2017 den Verein „Pure Water for Generations“ und trifft Vorbereitungen für die nächste, dieses Mal länger Tour bis zum Schwarzen Meer.

Foto: Christian Brecheis

„Jeder Paddelschlag war besonders“

„Jeder Paddelschlag war besonders. Jeder Tag war einzigartig. Für mich persönlich war es eine spirituelle Reise und Stunden alleine auf dem Wasser habe mich immer wieder erkennen lassen, wo mein Ursprung ist und ich habe gelernt einfach loszulassen“, berichtet er von seiner Tour zum Schwarzen Meer. Und so war die Reise eine mentale Erfahrung. Der Körper spielte einfach mit und ließ den Kopf von Paddelschlag zu Paddelschlag freier werden. „Ich hatte auf der ganzen Reise keinen Muskelkater. In der Früh spürst du zwar intensiv deinen Körper aber keinen Muskelkater. Ich bin viel auf dem Wasser – beim Windsurfen und SUPen – und eine derartige Distanz ist mit einer gewissen Grundlagen-Ausdauer-Fitness nicht ein körperliches Problem. Es geht um die mentale Seite. Darauf habe ich mich mit meiner Art der Meditation und meiner Denkweise vorbereitet.“ Er hat Schmerzen wegmeditiert, die reduzierte Lebensart – nur eine Tasche – dabei zu haben genossen, da es ihm geholfen hat, um Hier und Jetzt zu leben. „Ich hatte Grundvertrauen. Es gab nie die Sorge, nicht anzukommen.“

Foto: Christian Brecheis

Plastikmüll im Fluss

Nicht jeder Flusskilometer glich dem anderen. Mal waren Isar und Donau in ein künstliches Flussbett gezwungen, mal konnten sie sich frei fließen. Die Renaturierung ist zu einem seiner wichtigen Wasserthemen geworden. Ebenso wie die Wasserqualität. Er traf viele Menschen, die sich noch an Erzählungen von älteren Menschen erinnern konnten, in der sie die Donau als Trinkwasser nutzten. Fortlaufend entdeckte Pascal Rösler immer wieder Müll an Ufern und im Fluss selbst. „Leider macht der Plastikmüll an den Donauflussufern ab Belgrad keine besondere Lust auf das Pausenbrot und zeigt deutlich wie wir Menschen mit der Natur umgehen.“ Da er meist in der Donau baden ging, war das ein plastikreiches Duscherlebnis – das ihm das ein oder andere Mal beinahe einem Würgereiz nahe brachte. „Es ist grob fahrlässig, wie wir mit der Umwelt umgehen. Was müssen wir tun, um dem Wasser zurückzugeben, was wir ihm wegnehmen?“

Nach seiner Rückkehr Ende September nach München, beschäftigt sich der begeisterte Wassersportler und Umweltschützer mit neuen Ideen. Konkret wird er allerdings noch nicht. „Wichtig ist, dass es nicht um mich geht, sondern um das Wasser. Ich wäre niemals für mich alleine ins Schwarze Meer gepaddelt. Es braucht einen höheren Sinn und dafür paddle ich dann schon mal 2.467 Kilometer.“

Foto: Christian Brecheis

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