Mixed gesurft

von Friederike Hiller

Als beste Surferin, aber auch als einzige Surferin trat Lena Erdil beim Deutschen Windsurf Cup in St. Peter-Ording gegen die männliche Konkurrenz an und hatte Spaß dabei, diese ein wenig zu ärgern.

 

Das Damenfeld war zu klein für eine eigene Wertungsgruppe, daher sah Lena Erdil den Slalom als Trainings- und Spaßevent. „Es war auf der einen Seite ganz entspannt, weil ich wusste, dass ich nicht in der eigenen Kategorie fahre und so keinen Performance-Stress hatte. Andererseits funktioniert es nie so gut, sich mit Männern zu vergleichen.“ Sowohl im Hinblick auf das Gewicht, als auch auf die Kraft seien die Voraussetzungen nicht vergleichbar. „Aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Auch zu sehen, wie sauer Männer geworden sind, wenn ich sie überholt habe oder vor ihnen durchs Finish bin.“

Foto: CW/Philipp Grosse und Mona Taube

Viel Wind, viel Welle, kalt

So ehrgeizig die Auseinandersetzung auf dem Wasser auch war, an Land sei sie gut aufgenommen worden. „Die waren alle sehr nett und motivierend.“ Trotzdem würde sich Lena Erdil freuen, wenn wieder mehr Frauen bei den Tourstopps des Deutschen Windsurf Cups mitsurfen würden. „Es ist schon auch eine schwere Disziplin, die viel mit Equipment zu tun hat. Auf der Welt gibt es aber viele gute Surferinnen.“ So könne auch Deutschland in dem Bereich nachziehen. „Spots wie St. Peter-Ording oder Sylt sind eher schwierig zu fahren: viel Wind, viel Welle, kalt.“ Wer in den Wettkampf starte, für den seien das keine leichten Bedingungen. „Und wenn man dann noch bei den Männern mitstarten muss, könnte das schon abschrecken“, erklärt sie, weshalb in Deutschland der weibliche Surfnachwuchs bei der DWC fehlen könnte. Durch ihre eigene Teilnahme möchte die deutsch-türkische Windsurferin, dreimalige Slalom-Vizeweltmeisterin und zweimalige IFCA-Weltmeisterin mehr Frauen motivieren, zu starten.

Foto: CW/Philipp Grosse und Mona Taube

Von und mit Frauen lernen

Lena Erdil möchte aber nicht nur mit gutem Beispiel voran gehen, sondern ist auch aktiv dabei, eine Community aufzubauen. „Es ist ein etwas längerer Prozess.“ Der erste Schritt ist gemacht: Die Windsurferin lud zum Girls-Camp auf Fehmarn ein. Im kommenden Jahr sollen weitere dazukommen. Das erste Camp richtete sich an Fortgeschrittene, die kommenden sollen verschiedene Leistungsstufen ansprechen. „Ich habe viele tolle Rückmeldungen erhalten“, freut sich Lena Erdil. Von und mit Frauen zu lernen, sei eine ganz andere Art und Weise.

Emanzipierender Sport

„Wind und Wasser - das Equipment in Einklang mit der Natur zu bringen und über das Wasser zu düsen“, schwärmt sie von ihrem Sport. Neben dem Gefühl der Freiheit, bringe das Windsurfen auch ein Gefühl der Selbstständigkeit mich sich. „Man ist für alles selbst verantwortlich, ein sehr emanzipierender Sport.“ Daher sei es aber auch so wichtig, sich selbst mit dem Equipment zu beschäftigen und sich nicht abhängig von Mitsurfern zu machen. So gehört es auch zu ihren Camps, zu lernen, das Equipment selbst einzustellen.

Foto: CW/Philipp Grosse und Mona Taube

Fuß wieder fit?

Bei drei weiteren Stopps des DWC will Lena Erdil diese Saison starten. Im September geht es dann aber auch wieder auf internationaler Ebene weiter. In Hvide Sande ist der PWA World Tour Stopp in der Slalom-Disziplin. Für Lena Erdil geht damit auch ein langer Reha-Prozess nach dem Fußbruch im vergangenen August zu Ende. „Ich merke den Fuß noch, hoffe aber, dass er bis Hvide Sande wieder vollkommen fit ist.“ Die Zeit abseits des Wassers hat sie genutzt, sich mehr in Deutschland zu etablieren, ist nach Hamburg gezogen und hat Fortbildungen besucht, um sich hier für die Sache Frauen in der Contest Windsurf Community einzusetzen. Als sie nach acht Monaten zum ersten Mal wieder auf dem Brett stand, sei das ein voll gutes Gefühl gewesen, aber sie habe auch die Leistungsrückstände nach so vielen Monaten bemerkt.

Immer etwas Neues lernen, das ist Lena Erdils Motivation. Auch auf dem Wasser wolle sie sich immer weiter verbessern. „Wenn ich weiß, wie ich etwas machen muss, dann trainiere ich es und bis es klappt, dauert es eine Weile.“

Bildnachweis Titelfoto: CW/Philipp Grosse und Mona Taube

Infos zu den geplanten Camps veröffentlich Lena Erdil auf ihrer Website oder bei Instagram.

Foto: CW/Philipp Grosse und Mona Taube

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