Koordination im Kitesurfen

von Friederike Hiller

„Kiten wäre für mich immer die erste Wahl, wenn es darum geht, wofür ich meine freie Zeit und mein Geld verwende.“ Merle Mönster powert sich aber nicht nur in ihrer Freizeit auf dem Wasser aus, sondern ist jetzt auch in die Contest-Szene eingestiegen.

Konkurrenz motiviert

Neu dabei und gleich auf dem Treppchen: Merle Mönster kitete im Freestyle auf den Bronzerang bei den Kitesurf Masters, der Meisterschaftsserie. „Klar möchte jeder möglichst gut abschneiden, aber wenn jemand auf dem Wasser oder an Land Hilfe braucht geht das auf jeden Fall vor“, resümiert sie ihre ersten Erfahrungen mit der Konkurrenz-Situation. „Ich habe die Konkurrenz eher auf motivationaler Ebene empfunden.“ Während des Contests sei jeder auf seine eigenen Tricks fokussiert, aber danach werde wieder zusammen auf dem Wasser trainiert und Spaß gehabt.

„Ich habe seit ein/zwei Jahren vermehrt unhooked Tricks trainiert, daher hat mir Freestyle von den drei Disziplinen der deutschen Meisterschaft am meisten zugesagt“, erklärt die 22-Jährige. „Vorher war ich eher in Richtung Big Air und Old School unterwegs und hoffe, dass es dafür demnächst vielleicht auch eine Disziplin gibt.“ Jetzt richtet sie aber erst einmal ihre volle Konzentration auf ihre Bachelorarbeit. Auch hier darf das Thema Kiten nicht fehlen. So hat sie sich für das Thema „Koordinatives Athletiktraining im Kitesurfen“ entschieden. „Grob gesagt möchte ich das Off-Water Training von Wettkampfkitern auf deutscher und internationaler Ebene untersuchen und die Ergebnisse mit den Trainingsinhalten artverwandter Sportarten, wie beispielsweise Snowboardfreestyle, vergleichen.“ In diesen Sportarten gebe es bereits mehr an Literatur, sowie Leistungszentren oder Internate. „Gerade die koordinativen Inhalte scheinen einen positiven Einfluss auf den Lernprozess zu haben.“

Foto: Gordon Schücker

Schreibtisch statt Kite

Um einen Ausgleich zur Schreibtischarbeit zu bekommen, hält sie sich fit - hauptsächlich durchs Joggen. „In letzter Zeit habe ich aber auch das Skaten für mich entdeckt. Wenn es kälter wird, wird dann das Klettern wieder durchs Snowboarden ersetzt.“ Die gebürtige Hamburgerin, die in Köln Sport studiert, verweilt momentan in Innsbruck. „Köln eignet sich ja weder zum Kiten noch zum Snowboarden. Also habe ich mich für Innsbruck entschieden, da mein Freund dort wohnt und ich gleichzeitig Bachelorarbeit schreiben und Zeit auf dem Board/Berg verbringen kann.“

Foto: Gordon Schücker

Bedingungen der Bergseen

Daher verbringe sie leider momentan aber auch viel zu wenig Zeit auf dem Wasser. „Während meines Sportstudiums in Köln konnte ich an den Wochenenden zum Kiten nach Holland fahren. Das waren dann windabhängig zwei bis acht Tage pro Monat, in den Semesterferien öfter. An die Bedingungen an den Bergseen muss man sich auch erstmal gewöhnen.“ Generell vermisse sie Hamburg und vor allem ihre Familie und Freunde. „Aber was das Kiten betrifft wird es im Norden ja auch bald zu kalt, insofern sind die nächsten Kitetrips schon in Planung.“

Foto: Gordon Schücker

Zeit am Meer

Angefangen hat alles im Sommer 2013 auf Rügen. „Da ich schon seit ich klein bin windsurfe, stand ich bei meiner ersten Kitestunde zum Glück relativ schnell auf dem Board. Als ich das erste Mal richtig im Fahren war, wusste ich allerdings nicht, wie ich anhalte und bin gefühlt drei Meter hoch gesprungen - das Gefühl war ein bisschen gruselig, hat mich aber direkt fasziniert.“ Dem Kite hinterher zu fliegen, sich auf dem Wasser auszupowern, vom Alltag zu erholen und das Gefühl der Freiheit zu genießen: Das ist es, was Merle immer wieder aufs Wasser zieht. „Es gibt nichts schöneres, als mit Freunden Zeit in der Natur und am Meer zu verbringen.“

Foto: Gordon Schücker

Begeistert vom Foilen

Zum Genuss gesellte sich der Ehrgeiz. Merle lernte in den vergangenen Jahren ein paar Fahrer kennen und fand auch einen Sponsor, der sie bei Contests unterstützt. Also startete sie bei den Kitesurf Masters. „Wenn es ums Kiten geht bin ich sehr ehrgeizig und ein Platz auf dem Treppchen ist ja irgendwo das Ziel von uns allen. Am wichtigsten ist mir jedoch, dass ich so kite, dass ich mit meiner eigenen Leistung zufrieden sein kann - und wenn es damit nicht für das Treppchen reicht sehe ich das als Motivation weiter zu trainieren.“ Daher stehe auch nach dem Abschluss ihres Studiums – der momentan Vorrang habe – wieder das Kiten im Fokus. Dann möchte sie viel trainieren, um erneut aufs Treppchen steigen zu können. „Mein persönliches Ziel im Kiten ist es, ein möglichst guter Allrounder zu sein. Das heißt, dass ich nicht nur im Freestyle besser werden will, sondern auch an meinen Kiteloops, Board-offs, Darkslides feile. Vor ein paar Wochen stand ich zum ersten Mal auf einem Foilboard und war total begeistert.“

Wo geht die Reise hin?

Wo die Reise hingeht, wird die Zukunft zeigen, nicht nur in den Disziplinen, sondern auch bei der Ortswahl. Daher erklärt sie, dass es noch in den Sternen steht, wo es sie langfristig hinziehen wird. „Vielleicht ja auch wieder nach Norddeutschland“, sagt sie lachend.

Bildnachweis Titelfoto: Kitesurf Masters

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