Kitern fehlt Rückenwind

von Friederike Hiller

Beim Blick auf die Förderstrukturen für Kitesurfer in anderen Ländern spürt Leonie Meyer Frustration in sich aufsteigen. Sie nutzt selbstorganisierte Trainingsgruppen und die Kitesurf Masters Serie, um sich zu verbessern – so wie vergangenes Wochenende in Heiligenhafen.

„Wieder ein Stück besser als letztes Event“, freut sich Leonie Meyer über den Sieg in der Damenwertung, Platz sieben im gemischten Feld und ihre eigene Performance. Sie verbessere sich kontinuierlich und komme im Männerfeld (31 Kitesurfer, darunter 7 Frauen) Step by Step weiter nach vorne. „Zumindest in der Deutschen Konkurrenz“, erklärt sie. Darian Rubbel liege konstant einen Platz weiter vor ihr. An ihm orientiere sie sich, das sei auch deshalb praktisch, weil Darian ihr Freund ist und sie auch zusammen trainieren. „Er ist ein Stück schneller und fährt auch die Manöver besser. Aber auch, wenn es noch ein weiter Weg ist, bis ich auf dem Level bin, komme ich langsam ran.“

Andere Nationen im Vorteil

Wenn es mal eine Phase gebe, in der sich gefühlt nichts an Verbesserungen einstelle, könne das demotivieren. Aber eigentlich packt sie schnell wieder der Trainings-Wille. Richtig demotivierend sei nur, wenn sie sehe, wie viel andere Nationen im Kitesurfen machen. „Es ist schade, dass wir nicht gefördert werden und so auch keinen Trainer oder Trainingslager haben.“ Zwar habe Detlef „Dedl“ Groebert mit der Nachwuchsförderung angefangen und für diese Trainingscamps ins Leben gerufen, aber außerhalb des Nachwuchsbereichs seien die Kitesurfer meist auf sich gestellt.

Foto: CW/Cassian Kallies

Tolles Team, tolle Athleten

„Wir versuchen uns zusammenzuschließen. Mit Glück haben wir Dedl mit draußen, der Tonnen legt“, berichtet Leonie. Zusammen mit Frank Rosin, Darian Rubbel und Jan Hauke Erichsen gehe sie gerne beispielsweise vor Kiel trainieren. Jannis Maus (Weltmeister 2015 und mehrfacher deutscher Meister im Race) werde für eine Woche hoch in den Norden kommen und beim Training helfen, freut sich Leonie Meyer. Von seiner Erfahrung und Können möchte sie vor allem im Hinblick auf den September profitieren. Dann starten die Europameisterschaften auf Sardinien. „Bis dahin möchte ich eigentlich noch viel schaffen.“ Ein zweiwöchiges Trainingslager wäre optimal, doch es bleibt ihnen die selbstorganisierte Trainingsgruppe. Wenn in Kiel das Seegras zum Problem werde, werden die Kitesurfer an die Nordsee fahren und sich dort zusammen vorbereiten. „Es ist ein mega cooles Team. Es ist so schade und frustrierend, dass wir nicht wie eine der anderen olympischen Segeldisziplinen gefördert werden.“

Alina Kornelli war die zweitbeste im Damenfeld. Foto: CW/Cassian Kallies

England als Vorzeigenation der Kiter

Während in Deutschland die Anzahl der Konkurrentinnen relativ konstant bleibe, sei international ein großer Zuwachs zu verzeichnen. „England ist da die Vorzeigenation – auch bei den Frauen.“ Mittlerweile haben andere Nationen Förder-Strukturen geschaffen. „Sie haben bereits ein Jahr Vorsprung.“ Und so seien auch die Fortschritte gut zu beobachten. Bis die Kitesurfer in Deutschland mit einer Förderung und dem Kaderstatus rechnen können, werde es wohl noch etwa eineinhalb Jahre dauern, vermutet Leonie. Denn erst nach den olympischen Spielen in Tokio im kommenden Jahr, sollen auch die Kitesurfer als olympische Segeldisziplin in Deutschland gefördert werden, da Kitesurfen erst im olympischen Programm für 2024 vorgesehen ist. Bis dahin heißt es, sich selbst zu organisieren, gegenseitig zu unterstützen und den Vorsprung der anderen Nationen nicht zu groß werden zu lassen.

Leonie Meyer holt bei leichten Winden alles aus dem Kitefoil heraus. Foto: CW/Cassian Kallies

Wenig Wind gut gemeistert

In Heiligenhafen nutzte Leonie Meyer die weitere Möglichkeit, ihr Können zu verbessern. „Es war super wenig Wind.“ Drei Tage Event, ein Tag Flaute und zwei Tage mit wenig Wind und drei Rennen – so fasst Leonie Meyer den Tourstopp der Kitesurf Masters in Heiligenhafen zusammen. „Wir sind mit dem größten Kite gefahren und selbst für uns war es knapp“, erklärt sie, warum einige ein paar Rennen auslassen mussten. „Es lief gut. Wenig Wind liegt mir neuerdings. Das ist noch nicht lange so“, sagt sie lachend. Aber sie müsse weiterhin alles üben, da es noch bei jeder Windstärke Defizite gebe. „Ich mache alles, solange wir Racen.“ Und das sei bei wenig Wind von Vorteil: Die andere Disziplinen, wie Freestyle, fallen aus und somit werden sicher die Rennen im Racing gestartet.

Das Podium konnte sie trotz Sieg in der Damenwertung nicht erklimmen. Die Medizinstudentin ist zurzeit für ihre Famulatur auf Baltrum und musste mit dem letzten Wasser zurück auf die Insel. Doch sie hatte eine Vertretung: Die Schwester von Jonas und Elias Ouahmid nahm für sie den Platz ganz oben auf dem Treppchen ein.

Bildnachweis Titelfoto: CW/Cassian Kallies

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