Ewigkites unendliche Wasser-Spielwiese

von Friederike Hiller

Wenn es mal wieder eine Ewigkeit dauert, bis Erik Neumann selbst am Kite hängt, dann plant er Kite-Camps für die Kite-Kirche. Denn Kitesurfen ist nicht nur die Leidenschaft des ersten Kite-Pastors Deutschlands, sondern er möchte auch andere an dieses kraftvolle und glücklich machende Gefühl auf dem Wasser heranbringen.

Zufriedenes Gefühl für gute Gedanken

Seit Oktober war der Niedersachse nicht mehr Kiten. „Von uns aus ist es schon eine längere Strecke bis zum Meer“, erklärt er wehmütig. „Trotzdem kommen da ein paar Wochen im Jahr mit Kitetagen zusammen. Und morgen gibt es endlich wieder eine Möglichkeit, ich freue mich schon!“ Beste Chancen, um Sprünge zu verbessern, möglichst viel Action zu erleben und zwischendurch die Weite in sich aufzunehmen, die Farben, die Eindrücke. „Damit bin ich so beschäftigt, dass ich für schlaue Gedanken erst wieder am Strand zu haben bin. Und immer wieder kommt es vor, dass das Adrenalin und was da sonst noch Nettes beim Kiten ausgeschüttet wird, noch Stunden später wirkt - ein unglaublich cooles zufriedenes Gefühl begleitet mich dann in den weiteren Tag. Auch gut für gute Gedanken, die dann kommen!“

Natur erleben mit der Kite-Kirche

Erik Neumann und Carsten Hokemas, Gründer von Ewigkite.de, sind sich einig, dass Jesus bestimmt auch gekitet hätte. Und das Gefühl über das Wasser zu gleiten, ähnele dem Jesus Walk – über das Wasser zu gehen. Doch warum kamen sie auf die Idee, Kitesurfen oder überhaupt Drachenfliegen und Glauben zu verbinden? Zum einen ist es das Naturerlebnis, das sie ihrem Glauben nahe bringt. „Beim Kiten erlebt man die Natur sehr unmittelbar: die Kraft des Windes, wie Wasser trägt und sich in eine schier unendliche Spielwiese verwandelt, die Weite des Meeres, die Wärme der Sonne“, erklärt Erik Neumann begeistert. „Und es lässt mich staunen über die Phantasie des Schöpfers: Wie viele ungeahnte Möglichkeiten diese Welt bereit hält! Manche meinen, das sei alles per Zufall entstanden. Einen solch großen Glauben habe ich nicht.“ In der Welt stecke so viel, was genial Sinn mache. Und dann bezieht er es auf sein eigenes Leben. „Also beispielsweise das verbindet Kiten und Glauben: ich fühle mich getragen!“

Kite-Begeisterte, die ein Ohr haben für den ganz normalen Wahnsinn des Lebens

Mehr Camps, mehr Mixed

Vor allem möchten er und Carsten Hokemas Menschen erreichen und in Zeiten, in denen nur noch wenige Orte aufsuchen, an denen sie sich über Glauben oder mehr oder weniger kirchliche Themen austauschen können, gehen die Pastoren konfessionsübergreifend auf die Menschen zu. Dorthin, wo die Menschen sind: so auch zum Kitesurfen, bei Events oder in Camps. Bei Ewigkite sind „Kite-Begeisterte, die ein Ohr haben für den ganz normalen Wahnsinn des Lebens“. Für 2019 sind sieben Camps geplant. Zum ersten Mal sind auch Frauen mit eingeplant. „Frauen aus meiner Gemeinde haben sich ,beschwert’, dass sie auch gern Kiten lernen möchten... Also gibt es jetzt auch das Mixed-Camp“, erklärt der Pastor aus Dissen im Teutoburger Wald. Doch die Zielgruppe Männer als Schwerpunkt seiner Arbeit werde er nicht aufgeben. Denn bereits seit über drei Jahren bietet er die Männer-Camps an. „Männer fühlen sich heute weniger von Angeboten der Kirche angesprochen als Frauen. Es sind heute meistens Frauen, die das kirchliche Leben tragen. Ich möchte dazu beitragen, dass auch wieder mehr Männer die Kraft des christlichen Glaubens für sich entdecken.

Mit Kitesurfern im Gespräch

Doch nicht nur mit den Camps wirbt der Pastor für die Kombination aus Wassersport und Glauben. Beispielsweise werden sie auch wieder bei den Kitesurf Masters auf Sylt und St. Peter Ording mit einer Aufblasbaren Kirche oder Kirchenhüpfburg vor Ort sein. „Die Kitesurfer reagieren interessiert, und wir erleben oft sehr viel Offenheit und Interesse an den verschiedenen Angeboten an unserem Stand. Ich freue mich, in dieser entspannten Atmosphäre viele ebenfalls entspannte Leute kennen zu lernen. Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell Leute in dieser Urlaubsatmosphäre die Gelegenheit nutzen, ins Gespräch zu kommen.“

„Macht Spaß, andere fürs Kiten zu begeistern“

Seit ein paar Monaten ist nunmehr Erik Neumann offizieller Kite-Pastor bei der Landeskirche Hannover – mit einer viertel Stelle. Als er 2002 zum ersten Mal an Hollands Nordseeküste Kitesurfer beobachtete, konnte er noch nicht ahnen, was aus seiner sofort entfachten Begeisterung werden würde. „Das sah einfach nur genial aus.“ Zwei Jahre später traute er sich dann auch selbst aufs Wasser. Anschließend konnte ich zwar kein bisschen Kiten, kaufte mir aber trotzdem einen Kite. Seitdem habe ich es immer mal wieder versucht, seit 2009 fahre ich“, erklärt er. Ein neues Fahrgefühl eröffnete sich für den Kite-Pastor während seines Sommer-Sabbaticals in Greifswald vor viereinhalb Jahren. Dort lernte er die Matten kennen. „Ja, ich fahre auch Tubekites. Aber begeistert bin ich von der Stabilität und Gleitzeit, die ich so nur von Softkites kenne.“ Daraus folgte fast unweigerlich die Kitelehrer-Ausbildung, bei der er auch Carsten Hokemas kennenlernte. So kam er zu Ewigkite. „Mir macht es einfach Spaß, andere auch fürs Kiten zu begeistern.“ Das konnte er auch bei seinen drei Kindern.

Bildernachweis: Erik Neumann/Ewigkite.de

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