Wasserschlacht mit Ball

von Friederike Hiller

Schnelle Paddelschläge, der Ball ist erreicht, ein Griff, ein Wurf, Tor. Beim Kampf Fünf gegen Fünf geht es auf dem Wasser nicht gerade zimperlich zu. Es darf geschubst werden. Kanu-Polo wird auch bei den Damen immer beliebter.

 

Ein Publikumsmagnet ist Kanu-Polo sobald Spaziergänger die Uferpromenade in Kiel entlang schlendern. Sie bleiben stehen, schauen zu und kommentieren: „Oh schau mal, die spielen Wasserball im Kanu.“ Für den Teamsport unter den Kanu-Disziplinen wird nicht nur Boot- sondern auch Ballgefühl benötigt. Die Kombination bedeutet für Merle Weber puren Spaß. Die 20-jährige Kielerin ist seit etwa drei Monaten nach einer sieben-jährigen Pause wieder dabei. Die Zwischenzeit hatte sie für Wildwasser- und Wanderkajak-Fahrten genutzt, doch Action und Teamgefühl ließen sie immer wieder an Kanu-Polo denken und in diesem Jahr war es dann soweit. Sie meldete sich bei der Kanu-Vereinigung Kiel und nahm das Training auf. „Die Leute sind locker“, freut sie sich. Und zusätzlich zum Spaßfaktor werden Koordination, Kraft und Ausdauer geschult.

Zweikämpfe um den Ball

Schnelle Sprints, Manöver auf engstem Raum, Zweikämpfe und viel Körperkontakt dominieren das Spiel. Und dann kommt der Wurf auf das Tor, dessen untere Torlatte zwei Meter über der Wasseroberfläche hängt. Kanu-Polo begeistert durch Vielseitigkeit und Schnelligkeit. Der Ball darf sowohl mit der Hand als auch mit dem Paddel gespielt werden. Allerdings bleiben nur fünf Sekunden Zeit, bevor er weiter gepasst, ein Meter weit gespielt oder aufs Tor geworfen werden muss. Nach zwei Halbzeiten von je zehn Minuten Länge auf dem Spielfeld, das 23 Meter breit und 35 Meter lang ist, haben sich die Spieler vollständig verausgabt.

Kopf unter Wasser, Hände in die Höh

Merle Webers Oberarme zeugen von dem ruppigen Spiel. Blaue Flecken von fehlgeleiteten Paddeln während des Nahkampfes um den Ball oder von Fouls. Ins Wasser schubsen ist zwar erlaubt, aber nicht aufs Kajak. Der Körperkontakt stört die Kielerin nicht. Allerdings: „Mein Problem ist, dass ich die Angst vor dem Wasser überwinden muss.“ Wenn sie mit dem Kanu umkippt, kopfüber unter Wasser hängt, dann klappt es mit dem Aufrichten noch nicht so richtig. Doch das ist nur eine Frage des Trainings. „Einmal im Kopf den Schalter umlegen. Wenn man die Technik raus hat, ist es kein Problem mehr“, erklärt Spartenleiter Sören Kamm. Wer nicht aussteigt und sich auch nicht aufrichten kann, der streckt beide Hände neben dem Kajak aus dem Wasser in die Luft. Dann kommt jemand zu Hilfe.

Kleinere Hände, kleinerer Ball

Ihre ersten Paddelversuche machte Merle Weber, als ihr Vater sie mit zum Wanderpaddeln nahm. Doch nach und nach wurde ihr das zu langweilig und da sie auch Handball spielte, lag die Idee nahe, Ball und Paddeln zu kombinieren. Sie fing an, Kanu-Polo zu spielen. Mit 13 Jahren hörte sie zunächst wieder auf, um dann vor drei Monaten wieder einzusteigen und gleich in der ersten Saison zur Deutschen Meisterschaft zu fahren. In einem zusammen gewürfelten Team aus mehreren Vereinen konnten sie zwar kein Spiel gewinnen, sich dafür aber als „Gewinner der Herzen“ bezeichnen. „Es hat einfach Spaß gemacht und das ist auch die Hauptsache“, sagt sie strahlend. Auf Turnieren helfe ihr, dass sie in Kiel meist mit den Herren zusammen trainiert. So ist sie auf ein raues Spiel eingestellt. Die Schubser der Damen konnten sie so nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen. Auch der Ball ist bei den Damen anders als bei den Herren – kleiner. „Der Herrenball rollt uns häufiger aus der Hand“, berichtet Merle Weber.

Studentensport seit 46 Jahren

Herren Kanu-Polo wird in Kiel solange gespielt, wie es die Kieler-Woche-Turniere gibt. Und das sind bereits 46 Jahre. Am Anfang wurde noch auf einem Großfeld gespielt – seit Anfang der 90er Jahre im Kleinfeld, wie Sören Kamm erklärt. Der kleine Verein ist stolz darauf, sowohl Damen- als auch Herrenmannschaften stellen zu können. Doch der Studentensport hat auch damit zu kämpfen, dass ambitionierte Spieler, die in der Bundesliga mitpaddeln wollen, beispielsweise nach Hamburg wechseln. Nachwuchssorgen gibt es allerdings nicht. Der publikumswirksame Sport lockt viele Interessierte an.

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