„Die schönsten Momente sind die, die man teilt“

von Friederike Hiller

Ein Morgenmensch, für den Surfen eine Art Religion ist: Eva Kreyer liebt es, ihr Wissen und das „überwältigende Gefühl“ in den Wellen an andere weiterzugeben. Ihr Motto: „Die Dinge, die man teilt, sind die schönsten.“

Aufstehen, das Kind schläft weiter. Über die Düne rennen, etwas das immer spannend bleibt. Surfen, Surfen, Surfen. Einem netten Menschen ein breites Grinsen schenken, Frühstück… zweiter Surf oder Beachday mit den Kids, Grillen am Strand. Das, was sich nach einem perfekten Tag anhört, ist es für Eva Kreyer auch. Doch die 38-Jährige, die in Frankreich lebt, hat das Glück, dass das im Sommer ziemlich oft ihr Alltag ist. „Ich surfe etwa 200 Tage im Jahr“, berichtet die Chefin des Surfcamps Backwash auf der französischen Halbinsel Cap Ferret in der Nähe von Bordeaux. Die O'Neill Teamriderin und ehemalige Teamchefin der deutschen Nationalmannschaft hat mehrfach die Deutschen Meisterschaften im Wellenreiten gewonnen.

„Surfen gehört zu mir, gibt mir Kraft, Leichtigkeit und Sinn.“

Foto: Jonas Bischofberger/www.schaerfentiefe.ch

„Ein überwältigendes Gefühl“

Als Eva 17 Jahre alt war, tauschte sie Windsurfbrett – mit dem sie bereits in Kindertagen auf dem Wasser zu finden war – und Bodyboard zum ersten Mal gegen den Wellenreiter. Ihre erste kleine grüne Linkswelle surfte sie dort, wo sie nun anderen das Surfen beibringt, in Cap Ferret. „Ein überwältigendes Gefühl.“

„Ein reines Mädelscamp birgt soviel tolle Energie und Eigendynamik.“

Foto: Jonas Bischofberger/www.schaerfentiefe.ch

Spaß, egal wie schlecht die Wellen sind

Nachdem Du die ersten Stunden auf dem Wasser verbracht hast, wie ging es dann weiter?
Danach folgte viel Lehrzeit in großen Herbstswells, Frustration, und kleine Teilerfolge.

Was bedeutet Dir die Zeit auf dem Wasser?
Das ist schwer zu beschreiben, denn eigentlich ist jeder Surf ein bisschen unbewusst und losgelöst, frei. Probleme habe ich eigentlich nur wenn die bad attitude eines Einzelnen im Lineup die gesamte Stimmung „kippen“ kann. Trotzdem macht mir jeder Surf immer noch Riesenspaß, egal wie schlecht die Wellen sind. Ich mag gerne größere Wellen.

Wann ist für Dich die beste Surfzeit? Sunrise oder Sunset?
Sunrise…ich bin ein Morgenmensch…Sunset ist aber eigentlich genauso schön (grinst).

Was hat Dich gereizt, Contests zu surfen?
Das war ein natürlicher Prozess, man lernt sehr schnell sehr viel, weil man sich selbst dauernd reflektieren muss, kommt weit herum und lernt viele tolle Menschen und Länder kennen.

„Jeder Surf ist ein bisschen unbewusst und losgelöst, frei“

Foto: Jonas Bischofberger/www.schaerfentiefe.ch

„face your fears“

Was bedeutet Dir das Surfen?
Das bin ich. Surfen gehört zu mir, gibt mir Kraft, Leichtigkeit und Sinn. Vielleicht wie anderen die Religion…das Meer ist meine Kirche (lacht).

Weshalb hast Du Dich dafür entschieden, anderen das Surfen beizubringen?
Ich vermittle gern meine Ideale weiter, freue mich, den Mut zu wecken, sich mit Neuem, mit Natur, Element und den eigenen Grenzen auseinander zu setzen.

Welche Philosophie steckt hinter Deinem Mädels-Surfcoaching auf Fuerteventura?
Ich habe bereits Girlcoaching in Frankreich mitgemacht, von O´Neill organisiert und ein reines Mädelscamp birgt soviel tolle Energie und Eigendynamik. Mädels gehen mit Grenzen und Ängsten anders um. Fuerteventura ist seit langem ein Zuhause für mich. Ich habe dort zehn Jahre meine Winter nach der Frankreichsaison verbracht und kenne jeden Stein. Mit guten Freunden ein Coaching zu organisieren macht besonders Spaß.

Wie ist die Idee zum Surfcamp in Frankreich entstanden?
Ich gehe mit der Schule nun in die 13. Saison…ich weiss es nicht (grinst)…Damals war das eben der Schritt neben dem Contestsurfen. Frankreich liebe ich einfach und es ist toll für die Schulung.

Was ist dir wichtig, wenn du Surfen unterrichtest?
Es klingt manchmal abgegriffen aber „face your fears“. Und jeder Tag ist ein neuer Anfang. Das bestimmt mein Leben und auch meine Arbeit, ob als Surflehrer, Coach oder Physiotherapeutin.

Welche Ziele hast Du Dir gesteckt?
Ich arbeite immer noch gern an meinem Surfen, allerdings bin ich oft froh, wenn ich mich einfach fit fühle und oft surfen kann. Persönlich freue ich mich, sowohl mit Schülern, Patienten, Freunden und vor allem mit meinem Sohn meine Lebenseinstellung und das Surfen zu teilen, denn wie alle schönen Dinge und Momente sind sie doch am Schönsten, wenn man sie teilt.

Bildnachweit Titelfoto: Jonas Bischofberger/www.schaerfentiefe.ch

 

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