Sind aus Fahrten- Regattaseglerinnen geworden?

von Friederike Hiller

Sie haben viel gelernt und sind stolz, nun am Ende des Projektes Regattasegeln angekommen zu sein und es bis dorthin geschafft zu haben. Die fünf Seglerinnen der DSV Rookie Crew haben aus Fehlern gelernt, Niederlagen eingesteckt, Fortschritte gefeiert, viel Spaß gehabt und sind zu einem Team zusammen gewachsen. Aus Fahrten- sind Regattaseglerinnen geworden. Dies ist der letzte Teil unserer Serie, in der wir die Frauen auf ihrem Weg zum Helga Cup begleitet haben.

Neue Perspektiven auf dem Wasser

Zumindest sind sie Regattaseglerinnen für den Moment. Aber auch endgültig? „In der Hauptsache sind wir immer noch Fahrtenseglerinnen betont Anke Teschner. Doch nicht nur sie sondern auch Marion Köhler, Barbara Weselmann, Lina Teschner und Nina Hertling haben auch eine ganz neue Perspektive auf dem Wasser dazu gewonnen.

Foto: Sven Jürgensen

Die Tücken der Vorfahrt

Sie haben sich durchgebissen, ihre Angst überwunden, und sind angetreten, beim Helga Cup. Ihr persönliches Ziel – nicht letzter zu werden – haben sie erreicht. „Wir haben alles richtig gemacht.“ Sie haben den 51. Platz unter 62 Teams erreicht und dabei eine ganze Menge Adrenalin ausgeschüttet. „Wir waren immer aufgeregt, hatten immer Lampenfieber“, ziehen die fünf, die zu viert ins Projekt Regattasegeln gestartet sind, Bilanz. Nina konnte die Rennen nur vom Ufer oder Schlauchboot aus verfolgen. Ihre Meniskusverletzung ließ kein Eingreifen ins Regattageschehen zu. Auch wenn es ihr noch so in den Fingern juckte und sie am liebsten manchmal an Bord gesprungen wäre. An ihrer Stelle komplettierte Lina die Crew zum Helga Cup.

Mit jedem Rennen kamen sie mehr in den Regattamodus, belegten zwischenzeitlich auch in einem Rennen den dritten Platz und im Gesamtklassement den 35. Und das, obwohl es sehr flau losging. Richtig Hack hatten sie sich zwar auch nicht gewünscht, doch bei den sehr leichten Winden hatten sie nicht das Gefühl zu segeln sondern eher zu verhungern. Und dann verpassten sie auch noch die Bahnverkürzung. Auch mit den Tücken eines Vorfahrtfehlers hatten sie am ersten Tag zu kämpfen. Als innen liegendes Boot an der Tonne hatte Marion nicht bedacht, dass sie auf Steuerbord-Bug segelnd der anderen Crew Raum geben musste. Also mussten sie kringeln. „Nach Wende und Halse war die halbe Bahn schon um, als wir damit fertig waren.“ Trotzdem konnten sie in dem Rennen noch ein Boot hinter sich lassen.

Sauberes Segeln

Am Sonnabend blies der Wind dann etwas konstanter. Das J70-Hinterhersegel-Boot war wieder fit gemacht. Nachdem die Crews abwechselnd beobachten konnten, dass immer eine J70 nicht in Fahrt kam und wie Kirsten Harmstorf-Schönwitz von der Tutima Crew berichtete, „selbst in Lee überholt werden konnte“ ging die Regattaleitung auf Ursachensuche. Ein ordentlich, dicker Bewuchs am Rumpf hatte für die Stoppwirkung gesorgt. Mit frisch poliertem Unterteil konnte es wieder ins Wasser gehen.

Am dritten und letzten Tag genoss die Rookie Crew, dass alles glatt lief. „Es gab keine Strafen und die Manöver waren sauber. Es gab keine Hektik und alles funktionierte. Das fühlte sich gut an.“

Anspannung, Abenteuer, Herausforderung, Teamgefühl

Ihre Mission hatten sie bereits am Freitag vor dem ersten Start erfüllt. Denn sie hatten es geschafft, bis zur Regatta durchzuhalten. „Es hat sich total gelohnt“, sind sie sich einig. „Ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, so ein Boot zu führen“, lautet Marions Fazit. „Regattasegeln ist Adrenalin pur. Ich bin froh, dass wir es überstanden haben“, sagt Anke. „Sehr große Freude nach jedem Zieleinlauf“, beschreibt Lina, wie sich nach jedem Rennen die Anspannung in positiver Stimmung entlud. „Für mich ist Regattasegeln Aufregung. Und ich bin stolz, dass wir es gemeinsam so toll hinbekommen haben“, so Nina. Und Barbara fasst zusammen, wofür es noch steht: Anspannung, Abenteuer, Herausforderung, Teamgefühl und Fairness. Auch sie ist in den vergangenen Monaten über sich hinausgewachsen.

Schauen was kommt

„Jetzt gehen wir erst einmal mit unseren Familien segeln und dann sehen wir weiter“, erklären die Rookies. Seit Beginn des Projektes im vergangenen Jahr waren sie engagiert dabei. Zuletzt sogar zweimal in der Woche im Einsatz. „Es war sehr intensiv und ereignisreich. Das müssen wir jetzt sacken lassen“, erklärt Marion. Doch für Nina – die noch keine Regattapremiere hatte – würden sie noch mal starten. Vielleicht bei der Mittwochsregatta auf der Alster. Oder mal eine Seascape chartern und rund Fehmarn segeln. Vielleicht werden sie auch in zwei Wochen telefonieren und sich fragen, welche Regatta sie als nächstes in Angriff nehmen können. Alles ist möglich. Aus den Augen werden sie sich auf jeden Fall nicht verlieren, denn sie sehen sich in ihrem Heimathafen Lemkenhafen jedes Wochenende. Dann sind auch die Männer dabei und das Dickschiff.

Doch auch auf den Dickschiffen wird nicht alles beim Alten sein. „Beim Fahrtensegeln sind wir jetzt super Trimmer.“ Der Blick in die Segel und den Wind wird ein anderer sein und wohl auch die Position an Bord. „Vielleicht suchen wir auch Tonnen und fahren rum“, lacht Barbara.

Bildnachweis Titelfoto: Sven Jürgensen

Den Weg von Fahrten- zu Regattaseglerinnen der DSV Rookie Crew noch einmal zum nachlesen:

Vom Bauch- zum Regattasegler

Gewicht nach Lee oder Luv

Flüstern in der Flaute

Alle für eine und vier für ein Boot

Zurück

Einen Kommentar schreiben