Zeit fürs Detail beim Nacra17-Training

von Friederike Hiller

Erst Speed geben, sodass die zwei Rümpfe auf den Foils übers Wasser fliegen, dann schnell den Gennaker setzen. „Das geht dann fast von selbst“, so Carolina Werner. Mit 15 Knoten Geschwindigkeit ist der Nacra 17 doppelt so schnell wie der Wind an diesem Tag. Zusammen mit Johannes Polgar trainiert die sie seit Tagen auf der Kieler Förde.

„Es ist cool, zu Hause zu segeln“

Direkt vor der heimischen Haustür zeigt sich die Ostsee als gutes Trainings-Revier. Seit Carolina „Caro“ Werner und Johannes „Jojo“ Polgar von den Nacra17 Europameisterschaften in Weymouth Mitte Mai zurück sind, haben sie die Vorzüge des Heimreviers neu entdeckt. „Wir können hier schon früh morgens segeln, weil der Wind dann schon da ist und bis 22 Uhr abends, weil es bis dahin hell ist“, fasst Caro zusammen. „Es ist cool, zu Hause zu segeln.“ Seit als Mixed-Team Reload-Sailing in ihre Olympiakampagne gestartet sind, ist es das erste Mal, dass die beiden auf der Ostsee vor Kiel für einen etwas längeren Zeitraum bleiben und sich die Zeit für intensives Training nehmen.

Foto: Reload-Sailing

Das Boot im Wohnzimmer

Ihr Fokus liegt auf der Abstimmung im Team - nicht nur bei den Manövern sondern auch beim Geradeaussegeln. „Es gibt immer etwas zu verbessern.“ Die Halse ist so ein Manöver. Mit einem Zählsystem können sie nun besser kommunizieren, wann es wirklich losgeht. Und es bleibt jetzt im Training die Zeit, nach einem Manöver anzuhalten und nachzuspüren, was bei der Halse gut war.

Deshalb haben sich die beiden auch gegen einen Start beim Weltcup-Finale in Marseille entschieden, das momentan gerade ausgetragen wird. „Zwischen den Regatten haben wir keine Zeit und keine Ruhe.“

Neben dem Wassertraining beschäftigen sich die Segler auch mit ihrem Boot. „Wir haben die Masten vermessen und getestet.“ Zudem haben sie das Boot ausgerüstet und beispielsweise Fußschlaufen angebracht. Dabei bekam ihr Nacra 17 ein ganz neues vorübergehendes Zuhause. Das Wohnzimmer von Caros Eltern wurde umfunktioniert. „Es ist deutlich entspannter, dort zu arbeiten als in der Halle“, erklärt die Vorschoterin, die dankbar ist für den großen Rückhalt ihrer und Jojos Familie.

Foto: Carolina Werner

„Es ist wichtig, Konstanz reinzubringen“

Der Westwind und das flache Wasser vor Kiel sind optimale Bedingungen, um zu testen. Bereits bei relativ kleinen Wellen sei die Herausforderung groß, da dies Unruhe in die Rümpfe bringe. Doch trotz Welle beschreibt Caro auch die Bedingungen vor Weymouth mit Sonne, einer leichten Kälte und Ostwind als gut. Bei den Europameisterschaften bot sich wieder die Gelegenheit als Referenz zu den anderen Booten ihren Speed im Vergleich zu testen. Wichtig sei es, den Speed bei den Manövern nicht zu verlieren. „Man lernt immer bei einer Regatta.“ Egal ob die Startsituation, die Entscheidung für die erste Kreuz oder die anspruchsvollen Wellen. „Es ist wichtig, dass wir Konstanz reinbringen“, fasst Caro zusammen.

Foto: Richard Walch

Switch zwischen Außen- und Innenwahrnehmung

Regattatechnisch geht der Blick des Nacra 17-Team zur Kieler Woche, die am 22. Juni in Kiel-Schilksee startet. Die Nacra 17 werden im zweiten Teil mit den olympischen Klassen ab dem 26. Juni aufs Wasser gehen. „Wir freuen uns, alle hier wieder willkommen zu heißen“, so die 25-Jährige. Als Ziel haben sie ausgegeben, das Handling, dass im Training gut klappt, auch im Rennen aufs Wasser zu bringen: sich beim Rennen nicht aus dem Fokus bringen zu lassen. „Im Racing kommt das Taktische hinzu, die Strategie spielt noch eine andere Rolle.“ Das Handling müsse dann so gefestigt sein, dass der schnelle Wechsel zwischen Außen- und Innenwahrnehmung klappe. Den Wind, die Gegner – all das mit einem Blick zu verinnerlichen, um im nächsten Moment sich ganz auf das eigene Manöver zu konzentrieren. Dies schult Caro beispielsweise in einer Wahrnehmungsübung. Dabei trainiert sie, so viel wie möglich in kurzer Zeit wahrzunehmen.

Gutes Gefühl, ins Detail zu gehen

Bis in die zweite Julihälfte wird das Mixed-Team weiterhin in Kiel bleiben und dann schauen, welches Revier die optimalen Segelbedingungen für weitere Trainingseinheiten aufweist. Nach Japan, wo andere Segler zum Testevent oder Reviertest hinfliegen, werden sie nicht mitfliegen. „Es ist schon von Vorteil, einmal da gewesen zu sein. Aber wir waren im letzten Jahr da und so haben wir hier mehr Zeit zu trainieren.“ In den Manövern ins Detail gehen zu können, fühle sich richtig gut an.

Bildnachweis Titelfoto: Richard Walch

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