Zwischen Staub und Hochglanz

von Friederike Hiller

Der Kiel ist ab – da gibt es nichts mehr dran zu rütteln. Schuld war der Felsen in den schwedischen Schären, der sich in den Weg der Yacht legte und diese direkt dagegen prallte. Nun liegt sie in Kappeln bei Yachtbau Janssen und Renkhoff auf dem Trockenen, nebst Kiel, der ihr erst einmal abgenommen werden musste. Ein Projekt für die Bootsbauer der Bootsmanufaktur aus Altenholz, die aushelfen, wenn Not am Schiff ist.

Kielarbeiten nehmen Gestalt an

„Wir haben das Bodensegment abgelöst und alles auseinandergeflext“, berichtet Bootsbauer Xaver Bohnhof. In den vergangenen Monaten war er damit beschäftigt. Die Längsstringer mussten herausgetrennt, neue eingesetzt werden. „Jetzt haben wir alle Laminatarbeiten abgeschlossen und alles wieder zusammengebaut“, freut er sich, dass nun der Kiel wieder an seinen angestammten Platz gesetzte werden kann. „Das fühlt sich gut an. Ich freu mich tierisch, wenn alles fertig ist. Man sieht Tag für Tag wie immer mehr fertig wird.“

Zwei, die sich ergänzen

Während Xaver am Kappelner Kielschaden arbeitet, ist sein Partner Thomas Degen mit einem Kiel in Kiel beschäftigt. Auftragsarbeiten gehören für die beiden 29-Jährigen Bootsbauer, die sich mit 24 Jahren mit „Die Bootsmanufaktur“ in Altenholz auf dem Gelände von Rubin Yachttechnik selbstständig gemacht haben, dazu. „Wir wollen Firmen zu Stoßzeiten aushelfen“, erklärt Xaver. Aber auch in der eigenen Projektierung und im Bereich Privatkunden wollen die beiden ihre sich ergänzenden Kompetenzen einbringen.

Thomas Degen (von links) und Xaver Bohnhof haben ihren Sitz bei Kai Rubin von Rubin Yachttechnik in Altenholz.

Von grob bis fein

Schnell stellte sich heraus, dass die beiden sich nicht nur gut verstehen sondern auch Xavers Vorliebe für Holz mit Thomas Gespür für GFK-Arbeiten (Glasfaserverstärkter Kunststoff) eine perfekte Symbiose bilden. Mit den Worten „dicke Arbeitsklötze bis Hochglanzlack“ umschreibt Xaver das vielfältige Aufgaben- und Materialiengebiet des Bootsbauers. Wenn beispielsweise ein halber Meter vom Rumpf abgerissen ist, dann beginnen die groben Aufbauarbeiten mit Vollmaske, bevor es an die Feinarbeit geht, bei der zum Schluss nur noch barfuss an Bord gearbeitet werden kann. „Es ist schön, dass man nicht einfach Schraube X aus dem Regal ziehen kann, sondern aus Erfahrung heraus handelt“, so Thomas.

Beide haben bereits viel im europäischen Ausland gearbeitet und so verschiedene Vorgehensweisen zur Restauration und Reparatur von Yachten kennengelernt. „Unser Weg ist, dass wir das Boot solider, langlebig und wertiger machen wollen. Es geht nie darum, etwas billiger zu machen, sondern immer, das beste Produkt zu fertigen.“ So dass sie die Yacht dann auch guten Gewissens wieder aufs Wasser lassen können. „Das erfüllt uns schon mit stolz, die Boote wieder auf dem Wasser zu sehen. Es sind Einzelstücke, ganz individuell gestaltet mit Handarbeit“, verweisen die beiden auch darauf, weshalb sie sich für den Namen Bootsmanufaktur entschieden haben. „Manufakturen bedeuten Innovation, handwerkliche Tradition und Fertigungskunst. Diese Herangehensweise erklärt den Platz und die Bedeutung von „Die Bootsmanufaktur“.

Formverleimter, moderner Holzbootbau

Yachtelektronik fällt nicht in ihre Arbeiten. Es sind eher Kiel, Rumpf, Deck, Innenausbau und Aufbauten auf die sie sich spezialisiert haben. Wichtig ist, dass beide sich aufeinander verlassen können. Sie packen an, ohne das erst ausdiskutieren zu müssen. Und jeder weiß, was der andere macht – immerhin arbeiten sie bereits seit ihrer Ausbildung zusammen. Und sind sie sich auch einig, welcher Bootstyp sie am meisten fasziniert? Ein einstimmiges Votum für den formverleimten modernen Holzbootbau.

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