Kopfüber mit Bauchgefühl

von Friederike Hiller

Sie dreht sich senkrecht und horizontal um ihre Körperachse. Liegend rauscht sie durch den Wellentunnel, schießt die Wellenwand bis zur Lippe hinauf, katapultiert sich dort in die Luft, dreht sich um sich selbst und landet wieder auf dem Board im Weißwasser der mittlerweile gebrochenen Welle. Der Aufprall erschüttert kurz den Körper, doch Joana Schenkers Körperspannung, mit der sie ihren Oberkörper die ganze Zeit vom Board abhebt, gleicht diese aus.

Bodyboarden macht hungrig

Das Wasser tropft von den Haarspitzen. Das Bodyboard unter den rechten Arm geklemmt, in der Hand die Flossen, kommt Joana Schenker zurück an den Strand. Die portugiesische Bodyboarderin mit deutschen Wurzeln nutzt die vielen Wellen vor ihrer Haustür, um ihre Manöver zu perfektionieren und Spaß in den Wellen zu haben. Nach der Session in den Wellen knurrt ihr der Magen. Und obwohl Joana es liebt, zu kochen und gut zu essen, muss es jetzt schnell gehen. Avocado auf Toast oder Banane mit Erdnussbutter sind ihre Snacks nach dem Surfen.

Viel Spaß gleich gute Performance

Im vergangenen Jahr gewann die 31-Jährige den Titel bei der Worldtour. In diesem Jahr konnte sie ihn nicht verteidigen und musste sich mit dem vierten Platz begnügen. „Gerade in einem Jahr, wo ich sehr wenig trainiert habe - noch nie hatte ich so viele Termine und andere Projekte weit weg von den Wellen, die mir aber auch wichtig waren um das Bodyboarden in den Mainstream Media zu vermarkten – war ich bis zum Ende der Tour im Rennen um den WM-Titel“, zeigt sie sich zufrieden. Die Konkurrenz auf der Worldtour bezeichnet sie als sehr stark. Doch trainieren möchte sie es eigentlich auch gar nicht nennen, wenn sie aufs Wasser geht. „Meistens sage ich nur: Ich gehe jetzt bodyboarden. Trainieren ist ein Wort, das ich eher selten verwende.“ Jedes Mal, wenn sie ins Wasser gehe, sei sie am Trainieren. „An den Tagen, an denen ich am meisten Spaß am Bodyboarden habe, sind das auch die Tage, an denen ich am besten performe.“

Auf der Suche nach der besten Welle

Daher bezeichnet sich Joana auch mehr als Freesurfer. „Am liebsten bin ich ganz entspannt mit meinen Freuden im Wasser und da geht’s mir nur um Spaß und um die beste Welle.“ Wenn der Swell stimmt findet sie diese an ihrem Lieblingsspot Zavial. Dieser Spot sei so besonders, weil sie dort mit ihren Freunden mit dem Bodyboarden angefangen habe. „Und an den wenigen Tagen im Jahr, an denen die Wellen echt gut sind, ist das eine der besten rechten Wellen, die ich kenne.“ Und wenn dann noch der Spot beinahe leer ist, dann ist das einer ihrer Glücksmomente. „Ich muss ehrlich sagen, crowd ist für mich das Schlimmste im Wasser. Am liebsten surfe ich mit ein oder zwei Freunden gute Wellen, einfach nur Spaß haben. Das sind die Momente, die ich komplett genieße.“ Im Wettkampf sei alles strategischer. „Es geht ja darum, zu gewinnen und die meisten Punkte zu machen. Das ist meistens sehr stressig und auch nicht wirklich kreativ.“

Foto: Pablo Jimenes

„Ein sehr großer Schritt für die Zukunft“

Leidenschaft brauche es, um erfolgreich zu sein. „Man muss richtig viel Spaß heben, das Meer lieben, etwas Durchhaltevermögen besitzen und niemals aufgeben“, ist ihr Erfolgsmotto. Das möchte sie auch an die nachfolgende Generation weitergeben und unterrichtet einheimische Kinder. „Die Kinder, die das Meer lieben, werden es bestimmt besser schätzen und beschützten wollen. Das ist schon einmal ein sehr großer Schritt für die Zukunft“, erklärt sie ihre Motivation. „Ich unterrichte Kinder aus meiner Gemeinde mit dem Ziel, unsere starke Bodyboard-Szene weiter zu führen und den Jugendlichen, die hier geboren sind, zu zeigen, was für eine wertvolle Küste sie haben. Es kommen tausende Touristen jährlich nach Sagres zum Surfen, da wäre es sehr schade, wenn die Einheimischen nicht ihre eigenen super Wellen nützen würden.“

Foto: Joana Schenker

Bodyboarden - die natürliche Entscheidung

Auch sie sei ganz natürlich zu diesem Sport gekommen. Als ihre Eltern vor vielen Jahren nach Sagres zogen und sie an der portugiesischen Küste aufwuchs, war Bodyboarden der Sport, den alle machten. „Die Wellen sind super fürs Bodyboarden und meine Freunde in der Schule waren auch schon dabei, also das war eine sehr natürliche Entscheidung für mich. Das ist jetzt schon 17 Jahre her!“

Seitdem ist sie dem Bodyboarden treu geblieben. Und obwohl sie sich im Meer zuhause fühlt, habe sie den Respekt davor bewahrt. „Angst ist ganz normal und sogar wichtig, damit man nicht übermütig wird. Diese gesunde Angst überschreitet man dann langsam in Schritten. Panik im Gegensatz ist etwas ganz anderes. Es kann fatal enden.“

Foto: Ricardo Alves

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