Leidenschaftlich mitfiebernde Kommentatorin

von Friederike Hiller

Sie hat Urlaub, aber irgendwie auch nicht wirklich frei. Für Anna Markfort bedeutete Urlaub, dass sie nicht gesegelt ist. Doch tägliches Training im Kraftraum und Engagement für den Segelsport gab es trotzdem. Zusammen mit Frederike Loewe segelt sie normalerweise 470er - jetzt kommentierte sie die Segel-Bundesliga in Kiel.

Der Gennaker wird reingezogen, die Vorschoterin verlagert das Gewicht, muss nachgreifen – Anna Markfort fiebert mit, ist vollkommen mit im Regatta-Geschehen. Aber nicht mit an Bord sondern im Studio an Land, in der Kommentatorenrolle. „Ich denke mich in die Position der Vorschoterin hinein, das ist ja auch meine Position im 470er. Und da mache ich auch viel im Mentalen.“ Beispielsweise habe sie die segelfreie Zeit in einer Verletzungspause genutzt, um alle Manöver im Kopf durchzugehen.

Frederike Loewe und Anna Markfort im Training. Foto DSV/Wecamz

Beobachten anstatt mitzusegeln

Für die Seglerin, deren Olympiakampagne sich im letzten Viertel befindet – bis zu den Spielen in Tokio 2020 ist es kein ganzes Jahr mehr - ist es eine ganz besondere Herausforderung die Segel-Bundesliga zu kommentieren. Während die Teams in den J70 auf der Kieler Förde um Positionen und Plätze segelten, saß die 26-jährige Studentin an Land. Es kribbelte ihr in den Fingern, mitsegeln zu wollen. Doch auf der anderen Seite sei die Beobachterposition auch spannend. „Es ist cool, das mit ein bisschen Abstand zu sehen. Wie erfahrene Steuerleute sich im Feld positionieren und agieren. Aber ich hätte auch nichts dagegen gehabt, selbst zu segeln“, sagt sie lachend. Insbesondere am Sonnabend hätte es sie gereizt. Bei Sonne und leichten Winden eine schöne Segelstimmung.

Foto DSV/Wecamz

Hohe Konzentration, viel Spaß

Die Seglerin kennt die Teams und auch das Boot – die J70. Während der Kieler Woche segelten sie in einer J70-Crew mit. Im vergangenen Jahr hatte sie bereits als Kommentatorin beim Segel-Bundesliga-Stopp in Berlin mitgewirkt und beim Finale in Hamburg. „Ich habe mich geehrt gefühlt, dass sie mich gefragt haben. Und ich war richtig aufgeregt“, beschreibt sie ihre Gefühle in der neuen Rolle. „Ich wusste grob, wie sie es beim Weltcup machen. Aber es ist eine Herausforderung, es so zu erklären, dass es auch Nichtsegler verstehen ohne dass Segler denken, dass eine Nichtseglerin redet.“ Den Laien mitzunehmen und das Fachpublikum nicht ins Kopfschütteln verfallen zu lassen, erfordere viel Konzentration. „Gestern Abend war ich platt“, berichtete sie am Montag. „Aber es macht so viel Spaß und ist ein tolles Team.“ Zudem habe ihr die Zeit bei der Segel-Bundesliga die Möglichkeit geboten, Segler aus „alten 420er Zeiten“ wiederzusehen, die nun in der Bundesliga segeln.

Zur Kieler Woche segelte Anna Markfort auf der J70. Foto Sven Jürgensen

Umstieg in Segel-Bundesliga?

Selbst in die Segel-Bundesliga umzusteigen, könne sie sich zwar theoretisch im nacholympischen Jahr vorstellen. Das bedürfe aber auch viel Trainingszeit, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und die Leistung zu bringen. „Die J70 ist schon eine coole Klasse. Man wird auch nass.“ Langfristig reize es sie aber, noch eine Olympia-Kampagne dranzuhängen. Dann müsste sich allerdings das Team Loewe/Markfort auflösen, denn für 2024 ist der 470er als Mixed-Team zu segeln. Diese Umstellung sehe sie zwar auch mit einem weinenden Auge, aber wenn sie Dinge nicht ändern könne, dann verwende sie keine Energie darauf, damit zu hadern, sondern stelle sich auf die neuen Bedingungen ein. Und diese bieten auch Chancen. „Das bricht die Klasse auf. Alle Teams müssen sich neu orientieren.“

Foto DSV/Wecamz

Kieler Kühle nach japanischer Wärme

Doch das liegt noch in der Zukunft. Momentan ist die volle Konzentration auf Tokio 2020 gerichtet. Bevor es in einer Woche wieder aufs Wasser geht, möchte Anna Markfort noch ihre Familie besuchen. Dann wird in Kiel bis Ende Oktober weiter trainiert. „Das ist schon nach der Wärme in Japan eine Umstellung.“ Auf die Deutschen Meisterschaften Anfang Oktober in Berlin freuen sich Anna und Frederike bereits. Für die beiden Seglerinnen vom Verein Seglerhaus am Wannsee, die in Kiel wohnen, geht es so seglerisch in die Heimat zurück. Ab November werden sie ihr Wintertrainingslager auf Lanzarote aufschlagen und gemeinsam mit den Spaniern dort trainieren und den Winter verbringen.

Bildnachweis Titelfoto: Anna Markfort

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