Alles fließt

von Friederike Hiller

Die Förde wird zum Fitnessstudio und das Board zur Yogamatte auf dem Wasser. Beim Training einfach mal treiben lassen, das bieten sowohl SUP-Yoga als auch das Workout auf dem Wasser. 

Kleine Kappelwellen schlagen über das SUP (Stand up Paddling)-Board. Das kalte Wasser umspült die Hände, während der Hintern im herabschauenden Hund zum Himmel zeigt. Der Blick durch die Beine hindurch ist bezaubernd. Die Sonne lässt die Wasseroberfläche glitzern, im Hintergrund paddeln Paddler vorbei und zwei Stehpaddler kämpfen sich gegen den Südostwind vom Steg der Seebar in Kiel zum Nachbarsteg. Möwen kreischen, der Wind lässt Blätter rascheln und darunter mischt sich das Schwip-Schwap-Geräusch des Wassers, das an den Steg und die SUP-Boards klatscht.

Die Sonne grüßen

Lena Hogenkamp führt durch die SUP-Yoga-Stunde. Die Boards sind an einem Stein, der als Anker dient, befestigt und schaukeln in den Kappelwellen hin und her. Im Stand soll sich der Yoga-Praktizierende erden, in diesem Fall vor allem sich ausbalancieren, um sich nicht zu wässern. Dann folgt der Sonnengruß mit Vorwärtsbeuge, Planke, herauf- und herabschauendem Hund. Die Bewegungsfreiheit ist durch den Neoprenanzug ein bisschen eingeschränkt, aber als wieder ein Schwall Wasser über die Hände spült, wird klar, dass es für den Fall des Ins-kalte-Nass-Fallens richtig war, den Wetsuit anzuziehen. Jeder Muskel im Körper arbeitet, um das Gleichgewicht zu halten. Je weniger Punkte des Körpers das Brett berühren, desto kippeliger wird es. Einen Fuß aufstellen, den anderen nach hinten strecken, die Position des sogenannten Runners Lunge ist so eine – vor allem, wenn die Arme in den Himmel gestreckt werden. Bei der Bauchmuskel-Asana „das Boot“ in der Oberkörper und Beine ein V bilden, hat der Hintern zwar ordentlich viel Fläche auf dem Board, aber der Bauch spürt jede Welle, die das Board erschüttert. Doppelter Trainingseffekt. Doch nur anstrengend ist SUP-Yoga nicht. Vor allem macht es auch viel Spaß. Lachen gehört dazu, nicht nur wenn einer von Board geht und ins Wasser fällt.

Fitnessstudio Förde

Ihre Begeisterung für das Wasser hat Lena Hogenkamp schon so lange sie denken kann. Mit dem Stehpaddeln fing die Sportstudentin vor drei Jahren an. Sie machte eine Trainer-Ausbildung bei SUP-Teamsport. „Am Anfang fand ich das langweilig“, gibt die 24-jährige, die gebürtig aus der Nähe von Stade kommt und zum Studieren nach Kiel kam, zu. „In der Welle ist es cool, aber nicht nur von A nach B fahren.“ Doch da sie noch nie in einem Fitnessstudio war und ihr Natursportprogramm neben dem Laufen erweitern wollte, kaufte sie sich ein aufblasbares SUP-Board. Zunächst nur für den Urlaub. Und verlegte ihre Fitnessübungen aufs Wasser. 2015 kam Lena Hogenkamp dann auf die Idee, Workout auf dem Wasser auf der Kieler Innenförde bei der Seebar anzubieten.

Konzentration und Freiheit auf der schwimmenden Yogamatte

Parallel begann die Sportstudentin vor zwei Jahren mit Yoga und stellte fest, dass mehr dahinter steckt als nur Liegen und Atmen. „Das habe ich für mich entdeckt.“ Sofort kam ihr die Idee, Yoga mit dem SUP zu verbinden und Lena Hogenkamp machte die Ausbildung zur Vinyasa Yoga-Lehrerin in Hamburg. „Draußen sein und Yoga passt wunderbar zusammen. Nicht im stickigen Raum.“ Auf dem Wasser könne sie sich besser auf sich konzentrieren. Die Umgebung gebe ihr das Gefühl der Freiheit. Für die wassersportbegeisterte Wahl-Kielerin ist es ein perfekter Ausgleich zum Kitesurfen und Wellenreiten, zudem ist es für sie wie eine Meditation.

Vor fünf Jahren, gleich nachdem Lena Hogenkamp nach Kiel gezogen war – „Ich wollte immer in einer Stadt am Meer studieren“ – gehörte Wassersport zu ihrem Alltag.

Windsurfen als Workout - trainiert Körper und Geist

Das Workout auf dem Wasser kam bei den Teilnehmern gut an. Auch in diesem Jahr wird wieder auf dem schwankenden Board geschwitzt und trainiert. Ihre Kurse bietet Lena Hogenkamp unter dem Namen SUPflow Kiel an. „Mein Ziel ist es, das schweißtreibende Training abwechslungsreich und fordernd zu gestalten, um zu einem positiven, emotionalen und körperlichen Erleben zu gelangen. Solche Flow-Zustände machen unglaublich glücklich und zufrieden. Beim SUP-Yoga fokussiere ich mich auf den dynamischen Yogastil Vinyasa. Atmung und Bewegung fließen dabei synchron in einem Flow“, erklärt sie, wie sie zu diesem Namen kam.

„Der Grundgedanke ist der Flow. Ich möchte, dass sie das in ihren Alltag integrieren. Nicht bei so einem schönen Wetter ins Fitnessstudio gehen, sondern das Workout draußen machen, auf dem Wasser.“ Das gelenkschonenden Ganzkörperworkout, das das Stehpaddeln schon an sich bietet, ergänzt Lena Hogenkamp mit Übungen, die dem Pilates ähneln. Manchmal nimmt sie auch einen Ball mit aufs Wasser. Zwei Mal in der Woche bietet sie Yoga auf dem SUP an, ein Mal das Workout. Sobald mindestens zwei Personen dabei sind, geht es los, bei Wind und Wetter. Nur Oststurm und Gewitter sind Gründe, an Land zu bleiben. „Das Schöne ist, dass das Stand-up-Paddling schnell gelernt ist.“ Am Anfang sind auch kniende oder sitzende Positionen erlaubt. Auch bei den Asanas macht jeder so mit, wie es Balance und Gelenkigkeit zulassen. Bei Wellen ist Yoga auf dem SUP eine Herausforderung an die Konzentration. Diese richtet sich dann nicht nur auf die Übung und die Atmung, sondern zusätzlich auch auf das Gleichgewicht. Entspannungs-CDs mit Meeresrauschen brauchen die Teilnehmer nicht, die Naturkulisse umgibt sie. Und Angst, bei ausschweifenden Bewegungen die Nebenfrau zu treffen, braucht auch keiner zu haben. Auf dem Wasser ist Platz.

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