Es macht Spaß, abzuliefern

von Friederike Hiller

Was hat Psychologie mit Segeln zu tun und wie passen Vilamoura und Hörsaal zusammen? Alisa Engelmann ist eine von mehreren Seglerinnen beziehungsweise Seglern, die ihr Psychologiestudium begonnen haben – und sich zudem auf die anstehenden Segelevents vorbereiten.

Während es die 49erFX Seglerinnen Lutz/Beucke und Jurczok/Lorenz bereits nach Auckland auf Neuseeland verschlagen hat, wo ab dem 30. November die Weltmeisterschaften ausgetragen werden, sitzen die Junioren noch beispielsweise in den Hörsälen der Unis und fiebern ihrem nächsten Event entgegen. So auch Alisa Engelmann, die zusammen mit Steuerfrau Inga-Marie Hofmann im Skiff sitzt.

Foto: Segelsport Grönwohld

„Ein cooles Event zum Abschluss“

Der Beamer projiziert eine Skizze zu neuronalen Verbindungen an die Wand. Die Konzentration ist auf die Präsentation der Wahrnehmungspsychologie gerichtet, es ist relativ kühl und da schweifen die Gedanken gerne mal kurz ab nach Portugal. In Vilamoura werden die Seglerinnen im Dezember um den Titel bei den Junioren Europameisterschaften im 49erFX segeln. Viele Boote haben für Neuseeland gemeldet, bedauert Alisa Engelmann. Doch die Kieler Studentin ist froh, dass auch bereits zehn wichtige Konkurrenten-Teams auf der Startliste für die EM stehen. Die Junioren Europameisterschaft ist für das Team Hofmann/Engelmann, sowohl Abschluss der vergangenen Saison – aber auch Ausblick auf den kommenden Sommer.

„Es ist ein cooles Event zum Abschluss. Die Junioren WM war ziemlich früh in diesem Jahr und daher können wir jetzt gut schauen, wie wir uns seitdem weiterentwickelt haben“, sagt Alisa. Es ist der Test, wie viel und ob ihnen noch etwas fehlt und woran noch gearbeitet werden müsse.

Foto: Segelsport Grönwohld

Mit Struktur und Ruhe

Vor zwei Jahren segelte die 20-Jährige zum ersten Mal im 49erFX. Damals mit ihrem Bruder zusammen. Vor einem Jahr fand sich dann das Team Hofmann/Engelmann. „Wir können uns alles direkt sagen, auch wenn es mal nicht läuft“, erklärt Alisa das Erfolgsrezept der beiden, die im September die Deutsche Juniorenmeisterschaft vor Kiel gewannen. Das haben sich die beiden erarbeitet. Denn zu Beginn sei die zu dem Zeitpunkt fehlende Aussprache eine Schwäche gewesen, nun haben sie dies in eine Stärke umgewandelt. Schwierigkeiten werden angesprochen, sich aber nicht gegenseitig vorgehalten, erklärt Alisa. Was sie so gut zusammen segeln lasse, sei vor allem, dass sie vom Typ her sehr unterschiedlich seien. Inga-Marie sei sehr strukturiert und es ziehe sie bereits früh aufs Wasser. „Ich bringe die Ruhe mit ins Boot“, benennt Alisa ihren Part. Nerven behalten, auch wenn mal etwas nicht klappt. Wenn es mal wieder an der Slipanlage einen Stau gibt und die Boote erst nach und nach verspätet ins Wasser kommen, sich Unruhe ausbreitet und Hektik, dann helfe eine ruhige klare Sicht.

Foto: Segelsport Grönwohld

Auf das Mentale kommt es an

Die Vorlesung ist vorbei, Athletiktraining steht auf dem Programm. Und was hat Psychologie mit Segeln zu tun? Warum ist die Entscheidung für diesen Studiengang gefallen? Die Nerven behalten, die Führung auf dem Wasser verteidigen – das Mentale spiele beim Segeln eine große Rolle, so Alisa. „Die mentale Komponente ist sehr wichtig. Du kannst noch so ein guter Segler sein, wenn du aus Nervosität Fehler machst, bringt dir das nichts.“ Daher habe auch Segeln viel mit Psychologie zu tun. Auch wenn das nicht der Grund dafür war, dass sie sich für das Studium interessiert hat. Ursprünglich habe sie Sportmanagement studieren wollen, doch Kiel als Segelstützpunkt hätte sie dann verlassen müssen. Und da sie sowohl mit Menschen arbeiten wollte und bestenfalls mit Sportlern, lag die (Sport)-Psychologie nahe. „Es bringt mich weiter, Zusammenhänge zu verstehen“, schlägt sie eine thematische Brücke zurück zum Segeln.

Beim ersten Gardaseetraining haben wir alles mitgenommen.

Perspektivenwechsel im Boot

Ihre letzte Trainingseinheit auf dem Wasser liegt bereits ein wenig zurück. Da war sie zum Trainingslager an den Gardasee gereist. „Da meine Steuerfrau krank war, hatten wir gar nicht so viele Wassertage“, erklärt Alisa. Doch sie nutzte die Zeit und lernte vom Trainerboot aus – eine ganz neue Sicht. „Es hat Spaß gemacht und gezeigt, was der Trainer meint, wenn er etwas sagt.“ Das sei, wenn sie im Trainerboot sitze, viel besser nachzuvollziehen. Im Hinblick auf die kommenden Junioren Europameisterschaften bleibt die Seglerin aber trotz weniger Trainingstage entspannt. „Wir sind das Team, das am meisten Wasserzeit hatte. Beim ersten Gardaseetraining haben wir alles mitgenommen und am Speed gearbeitet.“

Am 4. Dezember geht es los. Dann wird der Hörsaal gegen den Atlantik eingetauscht und die psychische Sportkomponente aus der praktischen Sicht erlebt. Ein Ziel haben sie sich nicht gesetzt. Es ist das i-Tüpfelchen der Saison, bei dem sie sich selbst beweisen wollen, was sie drauf haben. Wenn das erste Ankündigungssignal ertönt, ist die volle Konzentration auf das Segeln, die Bedingungen und Gegner gerichtet. Eine positive, freudige Anspannung breitet sich aus. Dass jetzt der Wettkampf startet und sie abliefern können.

Bildnachweis Titelfoto: Segelsport Grönwohld

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Wir verwenden eigene Cookies und Cookies von Drittanbietern aufgrund unseres berechtigten Interesses an zielgerichteter Werbung (Art. 6 Abs. 1 lit f DSGVO). Näheres in unserer Datenschutzerklärung.
Mehr erfahren