Soulfood aus Surfen und Schneesport

von Friederike Hiller

Sie lieben die Berge und das Meer - sie kombinieren die Elemente und daraus entstehen Filme mit atemberaubenden Bildern, voller Naturschönheit und Lebensfreude. Lena Stoffel und Aline Bock, Sportlerinnen und Produzentinnen des Filmes „Way North“, arbeiten an ihrem neuen Projekt.

"Way north" - Surfen und Skifahren an einem Tag

„Skifahren und Surfen an einem Tag, das war immer ein Traum von mir.“ Lena Stoffel steigt so textlich in den Film „Way North“ ein. In einem Team aus fünf Freunden haben sich Lena Stoffel und Aline Bock mit Kamera- und Fotospezialisten in einem Wohnmobil auf den Weg zu der Inselgruppe der Lofoten vor der Küste Norwegens gemacht. Zu schneebedeckten Bergen und eiskaltem Wasser. Zwei Frauen, die in Bodenseenähe geboren wurde, mittlerweile in Innsbruck leben und die nicht nur eine, sondern zwei Leidenschaften verbindet.

Aline Bock packte ihr Longboard und Snowboard in das Wohnmobil, Lena Stoffel Ski und Shortboard. „Das habe ich gelernt, dass ich nächsten Mal doch auch das Longboard noch mitnehme“, sagt Lena Stoffel, denn als die Wellen kleiner waren, hätte sie gerne die Auswahl gehabt.

Doch auch mit einer begrenzten Materialauswahl war die Wellenausbeute riesig. Der Swell stimmte und die Lofoten stellten sich als Geheimspot heraus. „In einer Stunde hatten wir so viele Wellen. Wir haben sie fast ganz für uns allein gehabt“, schwärmt die 31-jährige Lena Stoffel. Schnee und kaltes Wasser störten die beiden nicht. Doch: „danach waren wir immer durchgefroren“, berichtet Lena Stoffel lachend. Da wussten sie manchmal nicht mehr, wie sie sich ausziehen sollten. Die Hände waren so klamm, dass keine Kraft mehr in ihnen steckte, um den nassen Neopren von der Haut zu ziehen. Das warme Wohnmobil war die letzte Rettung. Komplett nass harrten sie dort aus, bis die Hände wieder wärmer geworden waren. Am Abend wurden die Wettervorhersagen studiert. War es zu neblig, um in den Bergen die Hänge herabzusausen, ging es aufs Wasser. „Wir hatten Glück, dass wir immer schöne Wellen hatten“, sagt Lena. Das Wetter änderte sich schnell, in einem Moment noch sonnig, konnte es im nächsten schon wieder Wolkenverhangen sein. Ein Abenteuer zwischen festem und flüssigem Wasser, mit viel Herz filmisch umgesetzt.

„Surfen lernt nur, wer durch Waschmaschinen geht.“

Beim Surfen die Seele baumeln lassen

Zum ersten Mal gesehen haben sich Aline Bock und Lena Stoffel an der Uni. „Wir wussten, wer wir sind“, erzählt die 33-jährige Aline. Richtig kennengelernt haben sie sich dann, als sie für einen gemeinsamen Sponsor auf Reisen gingen. Zunächst im Sommer, dann auch im Winter. „Wir sind immer wieder zusammen unterwegs“, berichtet sie. Beide sind beruflich auf Skiern oder Snowboard im Schnee unterwegs. „Es ist ein Traumjob, aber es ist auch ein Job“, sagt Aline Bock. Der Druck, die Sponsoren glücklich zu machen und gutes Bildmaterial zu liefern, sei trotzdem da. Im Surfen haben sie etwas gefunden, das ihre Seele baumeln lässt.

Lena Stoffel: Den Moment genießen

Lena Stoffel in dicker Winterjacke.

Lena Stoffel ging nach dem Abitur nach Portugal, um dort als Au Pair zu arbeiten. „Ich fand es cool, die Zeit am Meer zu verbringen.“ Nach einem halben Jahr, in dem sie das Surfen kennengelernt hatte, ließ das Wellenreitfieber sie nicht mehr los. „Es hat mich total gepackt. Es ist ein perfekter Ausgleich zum Freeriden im Sommer und über die Jahre ist es immer mehr zu meiner zweiten Leidenschaft geworden. Und während ihre Zeit auf Skiern, ihre erste Leidenschaft, sich mit dem Beruf verbindet, so genießt sie das Surfen nur als Hobby. „Es ist entspannter, es ist Urlaub.“

Die Atmosphäre der Lofoten sei da noch ganz besonders gewesen. „Die steilen Berge drum herum. Da wo wir uns sonst aufhalten. Das raubt einem den Atem.“ Und während sie das erzählt, tauchen die Bilder vor dem inneren Auge, das sich an den Film erinnert, auf. Wie das raue Meer von Nebel bedeckt ist und Wellen hervorbringt, die ein langes Surfen entlang der Schulter erlauben. „Da draußen zu sein, ist schon toll“, schwärmt Lena Stoffel.

Und der Beruf? Mit Skilehrern als Eltern wuchs sie auf, fuhr alpine Skirennen. Bis zum Abitur gehörte sie dem Jugend-Nationalteam an. Den nächsten Schritt zu einer Alpinen Profikarriere ging sie nicht. „Ich wollte auch ins Ausland.“ Nachdem sie aus Portugal zurückgehrt war, studierte sie in Innsbruck Gesundheits- und Leistungssport und lernte die Freeskiszene kennen. „Die wohnen alle hier.“ Für den DSV wollte sie bei den Olympischen Spielen in Sotschi starten. Doch ein Kreuzbandriss warf sie in der Vorbereitung zurück. Für ihre Sponsoren sowie Film- und Fotoaufnahmen zieht Lena Stoffel weiterhin Spuren in den unberührten Schnee. „Das Gefühl dabei ist ähnlich wie in Norwegen allein im Line-up. Alleine, fernab in den Bergen, das ist atemberaubend.“ Ihre Träume lebt sie in den Projekten zusammen mit Aline aus. Immer nach ihrem Lebensmotto: „Im Moment bleiben und genießen.“

Aline Bock: Nonplusultra für Snowboarder

Aline Bock ist bereit für den Aufstieg im Schnee.

Auch Aline Bock hat mit den Auswirkungen eines Unfalls zu kämpfen. 2014 sprang sie bei einem Snowboard-Fotoshooting auf einen Stein. Doch die Aussage des Arztes „Mädel, such dir einen anderen Job. Mit dem Knie kommst du nie wieder aufs Brett“ stachelte sie nur an. „Jetzt erst recht.“ Und obwohl sie auch weiterhin regelmäßig 80 Minuten auf dem Ergometer sitzt, trainiert und Aufbauarbeit leistet, hat sie bereits bewiesen, dass sie sich nicht hat unterkriegen lassen. „Die Verletzung hat mir gezeigt, nicht alles so ernst zu nehmen und die kleinen Dinge im Leben zu genießen.“

Die Schneekarriere der 33-Jährigen begann auf Skiern. Doch die Faszination für zwei Bretter war vorbei, als sie nachdem erst ihre beiden älteren Geschwister ein Snowboard ausprobiert hatten, auch damit auf den Berg fuhr. Nur ein einziges Mal musste sie wieder auf Ski steigen. „Ich sah mehr wie ein Snowboarder auf Skiern aus.“ Aline Bock startete bei Contests im Slopestyle, in der Halfpipe und auf Kicker-Events. Doch sie blieb im semiprofessionellen Bereich, da ihr das Studium wichtig war. Nach dem Studium bekam sie die Chance bei einem Freeride-Event mitzufahren und räumte alles ab. „Um erfolgreich im Sport zu sein, braucht es drei Faktoren: Trainieren, Talent und Glück.“ Und sie hatte Glück, war zu den richtigen Zeitpunkten an den richtigen Orten und fuhr bei der Freeride-Worldtour mit. 2010 gewann sie die Tour. Das öffnete ihr viele Türen. Jetzt fährt sie keine Wettbewerbe mehr, aber: „Ich kann jetzt machen, was ich immer wollte. Das Nonplusultra was ein Snowboarder machen kann, ist Filme drehen.“

Das erste Mal tauschte Aline Bock, die Sportmanagement in Innsbruck studiert hat, ihr Snowboard gegen ein Surfbrett auf den Philippinen. Richtig los ging es dann bei einem Trip mit einer Snowboard-Kollegin nach Bali. „Ich bin von Anfang an ins kalte Wasser geschmissen worden“, sagt Aline Bock und muss lachen bei dem Vergleich, da in Bali das Wasser nicht gerade als kalt zu bezeichnen ist. Gestört hat es sie nicht. Aline Bock kannte das bereits von ihren Snowboard-Anfängen. „Ich war mit Jungs los. Das Motto war: Entweder du bist dabei, oder du lässt es bleiben. Da musste ich immer hinterher auch in den schlimmsten Bedingungen.“ Das hat sie geprägt. Ängstlich ist sie nicht. Auch wenn sie „brav von der Natur wieder auf den Boden der Tatsachen geholt wird.“ Aber wer mit den Jungs mithalten wollte, musste einstecken können. Das gelte ebenso beim Surfen: „Surfen lernt nur, wer durch Waschmaschinen geht.“ Bei einem Frauensurfcamp in Portugal hat sie das ebenso an ihre Schüler weitergegeben, wie bei einem Bootstrip auf den Malediven. Sie erklärte den zwölf Mädels, die dabei waren, dass die Wellen zwar Angst machen können, wenn ein Riesenset auf einen zukommt. Aber ums Ausprobieren und üben kommt keiner drum herum. „Lena und ich mögen es ganz gerne mal, ordentlich von der Welle durchgeprügelt zu werden“, berichtet Aline lachend. „Wenn ich im Wasser sitze oder auf der Welle bin, dann bin ich im Hier und Jetzt.“ Kopf frei bekommen, nur auf sich und die nächste Welle konzentriert sein, das macht das Surfen für sie aus.

Aline Bocks Resüme: „Es ist die Königsklasse, wenn man seine eigenen Träume verwirklichen kann.“ Ihr Rezept für einen glücklichen Tag besteht aus drei Zutaten: Schlafen, Essen, Surfen.

 

On the road again in Japan

Dem miserablen Winter in den Alpen entfliehen und das neue Projekt starten, steht für Aline Bock und Lena Stoffel ab dem 6. März auf dem Terminkalender. Für dieses Projekt geht es „Way east“. Japan ist das Ziel. Ein Roadtrip bringt die beiden zur Nordinsel. Campen im Schnee wird dort ein Bestandteil der Reise sein. Und natürlich dürfen weder die Surfbretter, noch Ski und Snowboard in den gemieteten Vans fehlen. „Es wird noch kälter als in Norwegen sein. Es wurden gerade noch Eisschollen auf dem Meer gesehen“, blickt Aline Bock bereits gen Japan. „Wir wollen auch wieder mit Leuten ins Gespräch kommen und Umweltprobleme aufzeigen“, verrät Lena Stoffel und ihre Reisepartnerin ergänzt: „Wir wollen Japan als tolles Land zeigen, aber nicht blind mit Scheuklappen irgendwo hinfahren.“ Auswirkungen der nuklearen Katastrophe sollen ihren Platz in dem Film finden. Drei Wochen wird die Reise dauern. Und am Ende wird wieder ein Film entstehen mit atemberaubenden Bildern aus Landschaft, Leidenschaft und Lebensfreude. Die Kombination aus Surfen und Ski oder Snowboard ist für Aline Bock und Lena Stoffe Soulfood.

 

Neuigkeiten von der Way East Tour nach Japan gibt es hier.

Bildernachweise: Nick Pumphrey

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