Vielstimmig für den Klimaschutz

von Friederike Hiller

„When they talk about the climate crises, doing nothing, doing nothing…“ 135 Stimmen singen für den Klimaschutz und erzeugen ein Gänsehaut-Gefühl. Der Virtual Climate Chor, dessen Idee im Frühjahr entstanden ist, verschafft dem Klimaschutz eine aufrüttelnde Stimme.

„When they talk about the climate crises, doing nothing, doing nothing…“ Die Melodie entstammt dem Popsong „Mad World“, die Textzeilen sind von Bendix Vogel. Der Student der Transformationsstudien an der Europa-Universität Flensburg hatte zum Mitsingen aufgerufen. Für das Klima und eine bunte, vielseitige, emotionale und kraftvolle gemeinsame Stimme, die aus vielen besteht und etwas zu sagen hat. Klimaschutz ist auch Gewässerschutz und so konnten neben den bekannten Beach Clean Ups, sich Menschen aktiv für den Klimaschutz einsetzen.

Stück für Stück emotionale Kraft

Bendix Vogel hatte in einem Tutorial unterschiedliche Tonlagen gesungen, während der Text dazu eingeblendet wurde. Er zeigte mit seiner Hand, die in Stufen nach oben oder unten gleitete, die dazu passende Tonhöhe an. Daher war es nicht notwendig, Noten lesen zu können. Mitmachen konnte jeder. Und über jede Stimme freut sich der Flensburger. Ein virtueller Chor, der dem Video und seiner Botschaft gesangliches Gewicht verleiht, das war sein Ziel. „Es muss nicht perfekt sein – weder gesanglich noch technisch“, erklärt er. Einen bunten, vielstimmigen Chor zu haben, das sei wichtig. Darüber hinaus zählen auch instrumentelle Stimmen beispielsweise vom Cello oder der Gitarre. „So soll sich Stück für Stück die emotionale Kraft entwickeln, die es haben kann“, so Bendix Vogel. Und es ist geglückt, 135 Stimmen sind zusammen gekommen.

Foto: Bendix Vogel

Eine Form sich auszudrücken

Musik und Klima – zwei Themen, zwei Leidenschaften – zusammen könnten sie eine Wirkung entfalten, um Menschen zu erreichen, ein Umdenken motivieren. Die Idee dazu kam Bendix Vogel im Januar. Er war auf der ersten von vier Zukunftswerkstätten in Hamburg und diese beschäftigte sich inhaltlich mit dem Thema „Musik und Klima“. Ein thematischer Schnittbereich, der für den Klimaphysiker spannend war, ebenso wie der Austausch mit anderen Musiker*innen. „Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind dauerhafte Themen für mich“, berichtet der Flensburger über seine Motivation. Doch ein Klima-Mitsing-Tutorial vereint noch mehr Aspekte. Es berücksichtigt Distanzregeln während der Corona-Zeit, setzt den Fokus auf den nach wie vor brisanten und aktuellen Klimaschutz und bietet eine Form sich auszudrücken – über den Gesang.

Foto: Screenshot Video Virtual Climate Chor

Mitgestalten und motivieren

Hinter seiner Musik stecken Wille und Wunsch, die Gesellschaft zu gestalten. „Die Musik steht nicht nur dafür, ästhetisch schön zu sein, sondern ist eine Ausdrucksform“, berichtet er über seinen Stil, mit dem er Meinungen äußern und zu gesellschaftlichen Veränderungen motivieren möchte. Auch ein weiterer Aspekt ist in dem Projekt am Wirken: die Angst vor dem Singen zu nehmen. „Singen ist oft schambehaftet“, berichtet Bendix Vogel aus der eigenen Erfahrung. „Wir bekommen von anderen vermittelt, dass wir es nur tun sollten, wenn wir es gut können.“ Auch er habe zunächst zwei Jahre Gesangsunterricht genommen, bevor er einen Chor leiten mochte. Ängste ablegen und sich selbst entfalten zu können, sei ein bestärkendes Gefühl. Daher ruft er mit „Traut euch!“ zum Mitsingen auf.

Foto: Screenshot Video Virtual Climate Chor

Aktiv einbringen

Mitgestalten, sich aktiv einbringen, das ist Bendix Vogel wichtig. Nach seinem ersten Studium der Klimaphysik in Kiel wurde ihm schnell klar, dass es in der Klimaschutzdebatte nicht an wissenschaftlichem Wissen und Fakten mangelt. Der Einfluss daraus sei allerdings begrenzt. Mit dem Master-Studiengang Transformationsstudien an der Europa-Universität Flensburg erweitert er nun seine Kenntnisse zum Klimawandel um Themen der globalen Ungerechtigkeitsverhältnisse sowie um soziale und ökonomische Strukturen der Klimakrise. „Ich versuche in vielen Lebensbereichen meinen eigenen ökologischen Fußabdruck im Blick zu behalten und klein zu halten.“ Bei den individuellen Menschen anzusetzen, sei zwar wichtig, aber die weit größere Stellschraube liegt für Bendix Vogel im System. „Politik und Medien haben die Tendenz an die individuelle Verantwortung zu appellieren“, so der Flensburger. Es werde aber von den notwendigen strukturellen Veränderungen abgelenkt.

Corona habe verdeutlicht, welche Transformationsprozesse möglich seien. Auch der Klimaschutz Campus Flensburg, die gemeinsame Plattform für den Klimaschutzprozess der Flensburger Hochschulen, zeigt, was konkret an Klimaschutz machbar ist. Windkraft-, Solaranlagen und eine gute Fahrrad-Infrastruktur auf dem Campus sowie viele Angebote und Möglichkeiten zum konkreten Handeln ermöglichen den Studierenden in Flensburg, Klimaschutz konkret vor Ort zu leben. Bendix Vogel gibt dem Klimaschutz eine weitere bunt gemischte und kraftvolle Chor-Stimme.  

Bildnachweis Titelfoto: Screenshot Video Virtual Climate Chor

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