Hawaiis Vierklang: Schwimmen, Radfahren, Laufen, Surfen

von Friederike Hiller

Die Schönheit der Wellen auszukosten, das fasziniert Silas Köhn. Doch trotz seiner Begeisterung für die Wasserformationen des Meeres und das frisch entdeckte Surfen wird der Triathlet nicht die Sportart wechseln. So wie er bereits bei seinem Ironman-Hawaii-Debüt im Oktober seinen Langstrecken-Triathlon mit anschließendem Ausgleich durchs Surfen komplettierte, so werde Surfen auch zukünftig der Spaßfaktor bleiben. „Der Kampf gegen die Uhr ist spannend“, erklärt er, warum er Schwimm-, Radfahr- und Laufstrecke treu bleibt.

„Wellen haben Charakter“

Sie läuft auf den Strand zu, bäumt sich auf, fällt vorn über und schlägt auf das flache Wasser in Strandnähe auf. Das türkise Wasser bekommt einen weißen Überzug, der sich bis zum Strand schiebt. In der Bucht Magic Sands in Kailua-Kona auf Hawaiis Big Island locken die Wellen. Auch Silas Köhn kann nicht widerstehen. „Es ist zu verlockend, wenn ich die Wellen sehe, will ich da hin. Egal ob sie in Dänemark sind oder auf Hawaii.“ Wenn die Welle sich aufbaut, bricht, an Land läuft und wieder verschwindet, das fasziniert Silas. Er ist neugierig, möchte die Welle spüren, anfassen. „Wellen haben Charakter, mal sind sie lang und entspannt und dann sind sie bockig und werfen dich ab.“

Elf Tage bleiben zu dem Zeitpunkt noch, bis er bei der Weltmeisterschaft der Langstrecken-Triathleten – der Königsdisziplin - startet. Seinem großen Ziel, das er seit zwei Jahren verfolgt.

Eine Welle, die wunderschön, aber auch einiges an Höhe aufweist, wirft ihn in den Sand. Das Resultat: ein Knie, das in blauen und grünen Farbtönen schillerte und die Erkenntnis, dass die Wellen bis nach dem Wettkampf warten müssen. Sozusagen noch einmal mit dem blauen Knie davongekommen. „Das war wie der mentale Schuss vor den Bug. Ab da habe ich zu 100 Prozent den Fokus auf den Wettkampf gerichtet und es gab kein Quatschmachen mehr.“

Foto: Köhn

Frühstück fürn Kopf, Öl für die Kette

Auf der Langdistanz bei der WM starten zu dürfen, erzeuge das Gefühl, einer der ganz Großen zu sein. Auch wenn das Feld der Amateure nach dem der Profis auf die Strecke geht. Die Spannung steigt von Tag zu Tag. Aus Kailua Kona wird so etwas wie ein kleines olympisches Dorf. Athleten – Profis und Amateure -, Betreuer und Zuschauer treffen ein. Und auch die Aufregung setzt ein. „Ich möchte das Bestmögliche zeigen“, erklärt der Student den mentalen Druck.

Es ist zwei Uhr morgens, der Wecker klingelt. Der Kieler Triathlet ist seit fünf Minuten wach, sein Körper bereits voller Adrenalin – im Wettkampfmodus. Keine Spur von der morgendlichen Müdigkeit, die der Student aus dem Alltag kennt. Nach einem doppelten Espresso und Toast mit Nutella und Honig geht es los. „Das Frühstück ist nur für den Kopf. Meine Kohlenhydratspeicher hatte ich bereits in den letzten Tagen gefüllt.“ Öl für die Fahrradkette hat er mit dabei und pumpt in der Wechselzone auch noch einmal die Reifen auf. Die Zeit bis zum Start vergeht schnell.

Foto: Finisherpix/Ironman Hawaii

Untergetaucht und weggeschubst

Es liegt eine leicht entzündbare Spannung in der Luft, als kurz nach sieben Uhr der Startschuss fällt. Ellenbogen werden ausgefahren und die Triathleten stürzen sich ins Wasser. Zimperlich geht es dabei nicht zu. Ebenso wenig auf den ersten Metern im Ozean. „Das war ein Gekloppe am Anfang und auch unfaires Verhalten“, erklärt der 25-Jährige. Er wird überschwommen, auf den Kopf gehauen und er muss aufpassen, in dem heillosen Durcheinander nicht zu viel Salzwasser zu schlucken. Wo er sich befindet, kann Silas nicht einschätzen.

Foto: Köhn

Schwer zu toppen

Nach etwa einem Kilometer nutzt Silas die Wellenberge, um sich aus der erhöhten Position einen Überblick über das Feld zu verschaffen. Ein kleines Grüppchen hat sich abgesetzt. Er befindet sich in der zweiten Gruppe. Die Wellenhöhe ist relativ klein, in den vorangegangenen Tagen hatte er in größeren trainiert und dabei darauf geachtet, nur auf der wellenabgewandten Seite zu atmen. Die Wellen kommen von der Seite, auf dem Rückweg schiebt die Strömung die Schwimmer wie Rückenwind in Richtung Strand. Nach 3,86 geschwommenen Kilometer, 180,2 Kilometern auf dem Rad und einem gelaufenen Marathon kommt Silas Köhn nach 9 Stunden, 9 Minuten und 13 Sekunden als 14. seiner Altersklasse ins Ziel.

„Es ist ein krasses Gefühl, wenn man den Höhepunkt erreicht hat, der schwer zu toppen ist.“

Noch einige Zeit rumort der Magen von der Anstrengung. Bis in den Abend hinein bestand seine Nahrung aus Gels. Und dann gibt es endlich wieder etwas Ordentliches: Das BBQ wartet, bevor ausgelassen gefeiert wird. „Man muss das auch feiern und genießen können“, steht für Silas fest.

Foto: Tina Eschle

Anpaddeln für Kraulspezialisten

Zum Entspannen nutzt der Kieler seine restlichen Tage auf der Pazifikinsel, um zu surfen. „Das kann ich jedem nur empfehlen, es ist der Hammer.“ Die Geschwindigkeit und das Gefühl auf dem Brett zu stehen, setzen Glücksgefühle frei. Und das Anpaddeln fällt dem Kraulspezialisten leicht. Schnell bringt er das Surfboard auf Geschwindigkeit. Das richtige Timing zu finden, spornt seinen Ehrgeiz an. „Ich wollte es unbedingt schaffen. Das hat richtig Spaß gemacht.“ Ab Februar wird er ein Semester im spanischen Santander verbringen. Die eine oder andere Gelegenheit zum Surfen wird es dann bestimmt geben. Doch erst, wenn es ein bisschen wärmer ist. Er mag das Surfen puristisch – ohne viel Neopren wie beispielsweise bei zusätzlichen Booties oder Haube.

Foto: Köhn

Neues Ziel Nizza

Zurück in Kiel fällt es dem 25-Jährigen deutlich schwerer wieder in den Tritt zu kommen, als nach anderen Sport-Events. Hier mal ein bisschen laufen gehen, da ein bisschen Radfahren, aber das konsequente Training bleibt die erste Zeit noch aus. „Das hat mir gut getan, um meinen Kopf freizubekommen.“ Ein bisschen lockerer lässt er es angehen – auch wenn der Trainingsmodus bereits wieder eingesetzt hat. Doch jetzt bleibt auch Zeit für Freunde oder den Weihnachtsmarkt. Doch wer den Kampf gegen die Uhr so liebt, der hat auch bereits ein neues Ziel: die WM auf der Mitteldistanz im kommenden September in Nizza. Die Qualifikation dafür ist im Mai. Bis dahin möchte er im Laufen schneller werden. Auch wenn es immer schwieriger werde, sich noch weiter zu steigern: „Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.“ Er beobachtet, wie sich die körperliche Leistungsfähigkeit verändert. „Mittlerweile verkrafte ich deutlich mehr an Intensität und Umfang beim Training.“

Bildnachweis Titelfoto: Finisherpix/Ironman Hawaii

Foto: Köhn

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