„Mich gibt’s nur mit Segeln“

von Friederike Hiller

Die Zeit kurz vor dem Sonnenaufgang, wenn eine ganz besondere Atmosphäre über dem Meer liegt, das genießt Susann Beucke. Sich durchzubeißen, dranzubleiben, zu improvisieren und ständig etwas zu optimieren, liegt ihr. Einen Wechsel zum Offshore-Segeln nach Tokio 2020 wäre für die durchaus denkbar.

Die 28-jährige 49erFX-Vorschoterin aus Strande konzentriert sich momentan auf ihre Olympiakampagne zusammen mit Tina Lutz. Doch sie denkt auch schon an die Zeit danach und einen alten Kindheitstraum, der immer mehr reale Züge annimmt.

Offshore nach Olympia?

Susann Beucke möchte die Brücke zwischen olympischem Segeln und Profisegeln im Offshore Bereich schlagen. „Ich würde nur ungern nach der Olympiakampagne komplett aufhören zu segeln.“ Es sei zwar schwierig in den Profisegelsport zu kommen – vor allem als Frau, da die Akzeptanz nicht so hoch sei. Doch Anfang Mai lud Boris Herrmann die Skiffseglerin ein, auf der foilenden Imoca „Malizia II“ mitzusegeln und diese vor dem Bermuda-1000-Rennen mit nach Douarnenez zu überführen. „Es war stark, dabei sein zu dürfen.“ Danach ging es Offshore beim Baltic 500 Rennen weiter. „Es ist ein mega cooler anderer Aspekt des Segelns.“ Die Situation mit vielen Männern über einen längeren Zeitraum zusammen auf engem Raum zu sein, kenne sie bereits von einer Atlantiküberquerung. „Das riecht schon streng, aber wir haben uns geeinigt, dass man sich vor dem Schlafengehen zwischen den Zehen reinigt“, sagt sie lachend.

Foto: Friederike Hiller

Von den Fähigkeiten des anderen profitieren

Auf der Passage mit Boris Herrmann sei die größte Herausforderung die Sprachbarriere gewesen. „Das Französische“, sagt sie lachend. Es gebe viel mehr Leinen und Systeme, aber über die Hälfte waren auf französisch beschriftet. Neues auszuprobieren sei einerseits spannend und andererseits auch anstrengend. „Ich habe probiert, nicht rumzustehen oder irgendwo drauf zu stehen, sondern mich einzugliedern, Teil des Teams zu werden – dafür braucht man eine Aufgabe.“

Die physische Kraft könne sie zwar nicht bringen, aber es sei vor allem wichtig, nicht die Klischees mit Gackern und Hektik zu bedienen. Mann und Frau können an Bord gut zusammenarbeiten und von den Fähigkeiten des anderen profitieren, ist sie überzeugt. Doch um das umsetzen zu können bedürfe es Glück und eines aufgeschlossenen Skippers. Ein reines Frauenteam wäre aber wohl auch nicht das Richtige. „Es braucht beides.“

Foto: segel-bilder.de/Kieler Woche

Schnell gelernt

Beim Offshoresegeln sei sie noch enger mit dem Wasser verbunden, es erfordere mehr Improvisation, das reize sie. Dabei profitiere sie von den Erfahrungen aus dem 49erFX. „Ich kann super viel mitnehmen, wie die Arbeits- und Denkweise, Organisation, Motivation und die Fähigkeit mich auf eine Sache komplett fokussieren zu können.“ Sie selbst habe es gar nicht so gemerkt, dass sie die Abläufe schnell verinnerlichte. Aber das Lob anderer, schnell zu lernen, zeigte ihr, dass sie gut mit dabei ist.

Ob Ocean Race oder olympisches Mixed-Doublehand-Offshore Segeln – wofür ihr Herz schlägt, wisse sie noch nicht. Vor allem ist noch zu dem olympischen Format vieles unklar. „Wenn es eher ein Coastal Racing mit wenig Wind wird, ist es nicht so interessant.“ Es sei aber einfach ein unterschiedliches Paar Schuhe und daher wolle sie nichts ausschließen.

Foto: segel-bilder.de/Kieler Woche

Motivation lohnt Anstrengung

Im Juli nehmen sich Tina und Susann ihre Winterpause, die im vergangenen Winter ausgefallen ist. Dann will Susann weitere Offshore Erfahrungen sammeln. Die kurze Auszeit werde auch neue Motivation für den Endspurt der Olympiakampagne bringen. Es koste zwar auch Energie in der Pause das Projekt voran zu bringen, aber der Motivationsschub übersteige die Anstrengung.

Viele Segler gehen nach der Olympiakampagne in ein Unternehmen. Ob jetzt eine Wende gut oder schlecht laufe, interessiere dann niemanden mehr, so die Studentin. Aber ihr Ziel und große Motivation ist es, Seglerin zu werden. Das wollte sie bereits als kleines Mädchen. Nach einigen Jahren wurde klar, dass es ein sehr steiniger Weg ist, und auch gesellschaftlich schwierig. Doch trotz Ernüchterung will sie den steinigen, schweren Weg gehen. Dabei unterstützen sie die Aktionen ihrer Vorbilder, wie Annie Lush, die Familie und Segeln vereinbart und sich auf ihr drittes Ocean Race vorbereitet. „Sie ist unheimlich emphatisch und menschlich. Da schaue ich mir an, wie sie das macht.“

Da sie ihre 49erFX-Segelpausen mit Offshore Segeln verbringt, bekommt ihre Familie sie derzeit nur selten zu Gesicht. „Mich gibt’s nur mit Segeln.“

Bildnachweis Titelfoto: segel-bilder.de/Kieler Woche

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