Upwelling und Sauerstoff-Armut

von Friederike Hiller

An der Oberfläche sieht alles ganz normal aus. Doch am Boden der Ostsee, zeigt sich der Sauerstoffmangel. Das zeigte sich im September auf einer Stand-up-Paddling-Tour, auf der das silbrige Glitzern am Boden der Ostsee ein ständiger Begleiter war.

 

Die Oberfläche des Wassers kräuselt sich nur leicht. Der schwache Wind weht aus Südwest. Schweift der Blick nach links, ist in der Ferne Eckernförde und das Ende der Bucht zu erkennen. In die andere Richtung ist der weite Horizont der Ostsee. Die Sonne schafft es nur spärlich, sich zwischen die Wolken zu schieben. In dieser ruhigen Morgenstimmung lädt die Ostsee dazu ein, mit dem SUP ein Stück in die Eckernförder Bucht hinein zu paddeln. Die Strömung des vorangegangenen stürmischen Windes ist noch zu spüren. Doch mit kraftvollen Paddelschlägen geht es voran. Das Wasser ist klar, der Boden gut zu erkennen.

Silbriges Glitzen

Und dann fällt es auf. Das silberne Glänzen auf dem sandigen Meeresboden. Sobald die Aufmerksamkeit sich auf die Unterwasserwelt richtet, wird klar, dass das kein Einzelfall ist. Überall ist das silbrige Glitzern zu erkennen. Was zunächst noch schemenhaft nur die Vermutung heraufbeschworen hat, was das sei könnte, bewahrheitet sich, je näher das Ufer rückt. Dort ist das Wasser flacher und die Umrisse besser erkennbar. Es sind leblose Fischkörper die da am Ostseegrund liegen. Unterschiedliche Größen und in unterschiedlichen Abständen – aber sie sind überall.

Stark gesunkener Sauerstoffgehalt

„Nach Angaben eines Sprechers des Ostsee Info Centers Eckernförde liegt das am stark gesunkenen Sauerstoffgehalt des Wassers. Die Sättigung ist demnach in den vergangenen Tagen zwischenzeitlich auf null gesunken, normalerweise liegt sie bei 80 Prozent. Gründe für diese Veränderung: Der hohe Nitratgehalt des Wassers und der starke Westwind, durch den Tiefenwasser nach oben gedrückt wird. Das enthält nur wenig Sauerstoff“, berichtete der NDR.

Besorgniserregendes Phänomen

Ein nicht ganz neues Phänomen, aber in seiner Häufigkeit mittlerweile bedenklich, wie das LLUR (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein) in seinem Bericht „Sauerstoffmangel im bodennahen Wasser der westlichen Ostsee“ 2019 feststellt. „Der spätsommerliche bzw. herbstliche Sauerstoffmangel ist ein Phänomen der westlichen Ostsee, das bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts nur gelegentlich zu beobachten war. Seit etwa 35 Jahren wird es allerdings fast jährlich in den tiefen Meeresbereichen und den tiefen, austauscharmen Förden beobachtet. Das saisonale Auftreten von Sauerstoffmangel (…) im Brackwassermeer Ostsee ist daher durchaus nicht ungewöhnlich, die Häufigkeit in den letzten Jahrzenten aber durchaus besorgniserregend.“

Zu hoher Nährstoffeintrag

Der zu hohe Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft sei ausschlaggeben, heißt es weiter. „Der saisonal auftretende Sauerstoffmangel im Tiefenwasser der westlichen Ostsee ist eine Folge der Eutrophierung (Nährstoffanreicherung, Anm. der Redaktion) der Küstengewässer durch zu hohe, das Wachstum der Planktonalgen fördernde Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet. Hier wird überwiegend eine intensive Landwirtschaft betrieben und die Nährstoffüberschüsse erweisen sich immer noch als zu hoch.“

Ein zu hoher Nährstoffeintrag führe zu einer Schwefelwasserstoffentwicklung. Und diese in Zusammenhang mit dem Sauerstoffmangel führe zum Fischsterben. „Der äußerst starke und konstante Südwestwind hatte das sauerstoffreiche Oberflächenwasser aus den Buchten hinausgedrückt, wodurch das sauerstoffarme Tiefenwasser aufsteigen konnte, ein wetterabhängiges Ereignis, das auch als „Upwelling“ bezeichnet wird.“ Schwefelwasserstoff führe bei den Fischen zu Benommenheit, Krämpfen und schließlich zum Tod. Eine Todeszone für die Fischer, aus der sie nicht mehr aus eigener Kraft entkommen können.

 

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