Gewinnen statt abschrecken

von Friederike Hiller

„Vielleicht haben wir es geschafft, bei einigen den Funken zu zünden und das Thema Nachhaltigkeit nachhaltig zu implementieren“, zeigte sich Christoph Kröger, der bei der 52 Super Series (Regatta-Event-Serie der TP52-Yachten) für Sustainability Operations zuständig ist, optimistisch. Gemeinsam mit der Organisation 11th Hour Racing haben sie es sich zum Ziel gesetzt, den Segelsport nachhaltiger zu machen.

Protect our Playground

„Als Segler lieben und respektieren wir die Gewässer, auf denen wir segeln. Es ist unsere Pflicht, den Segelsport und die Umwelt zu schützen, um sicherzustellen, dass zukünftigen Generationen diesen weiterhin ausüben und genießen können“, so das erklärte Ziel der 52 Super Series. Und das beginnt direkt vor Ort. Um die Segelclubs mit einzubinden und zu zeigen, dass jeder mithelfen kann, rief Christoph Kröger erst in Stockholm und dann in Kiel zu Nachhaltigkeits-Workshops unter dem Motto #protectourplayground auf. An der Ostsee überlegten Mitarbeiter des Kieler Yacht-Clubs (KYC), Point of Sailing (PoS) und Mitglieder des Deutschen Segler-Verbands, was im Einzelnen getan werden kann und wie eine Nachhaltigkeits-Strategie aussehen soll.

Foto: Ph Max Ranchi/52 Super Series

Partnerschaftlich in Sachen Nachhaltigkeit

Egal ob in Schweden, Deutschland oder Spanien: Einige Herausforderungen bei der Implementierung von Nachhaltigkeits-Kriterien treten überall auf. Daher vernetzt 52 Super Series die Clubs, um so voneinander lernen und von den Erfahrungen der anderen profitieren zu können. Denn Christoph Kröger ist überzeugt, dass das Feld der Nachhaltigkeit partnerschaftlich beackert werden könne.

„Wir verstehen uns auch als Influencer, um Aufmerksamkeit zu erreichen“, erklärt er. Mit positiven Nachrichten sollen die Menschen unterhalten werden. „Wir wollen die Menschen nicht mit Schreckensbildern abschrecken, sondern für die Sache gewinnen.“ Also haben sich die Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsbereichs der 52 Super Series an einflussreiche Yachtclubs in Europa gewand. Bis Ende des Jahres sollen in etwa zehn an dem Workshop-Programm teilgenommen haben. „Mit den Workshops wollen wir zeigen, dass der Einstieg in das Thema nicht schwierig ist.“ Sowohl in Stockholm als auch in Kiel habe es bereits viele gute Ideen gegeben, die auch gut umgesetzt werden könnten. Drei Monate nach dem Workshop wird dann überprüft, wie es in der Praxis läuft.

Foto: Ph Max Ranchi/52 Super Series

Pflanzlich sauber

Sie bringen Nachhaltigkeit nicht nur in die Clubs, sondern gehen auch mit gutem Beispiel voran. Seit Anfang 2018 setzt die 52 Super Series auf umweltfreundliche Reinigungsprodukte für die Boote. „Wir haben den Bootsfahrern nahe gebracht, das Boot nur mit Wasser zu waschen. Das ist nicht von allen mit Freude zur Kenntnis genommen worden.“ Deshalb wurden umweltfreundliche Reinigungsprodukte ins Programm aufgenommen. „Damit statten wir die Flotte zu Beginn der Saison aus.“ Was sich zunächst als riesige Herausforderung darstellte, wurde zum Erfolgsgarant, da sich die biologisch abbaubaren Produkte auf Pflanzenbasis als effektiver erwiesen als die chemischen. Zudem bekam jedes Schlauch- und Begleitboot Filztücher. Wenn beim Tanken Tropfen daneben gehen, können diese damit schnell aufgewischt werden, bevor sie ins Wasser gelangen.

Foto: Ph Max Ranchi/52 Super Series

Einsparpotenzial bei Energie und Ressourcen

In welchen Intervallen Bootsreinigungen erlaubt werden sollen, darüber diskutierte auch der KYC. Ob das Licht auf Bewegung reagiert oder Wasserhähne automatisch den Wasserstrom beenden. Auch Energie- und Ressourcensparen gehört zu den Nachhaltigkeits-Ansätzen für die Clubs. So beispielsweise auch bei der Organisation von Meetings. Nicht zwischen zwei Standorten hin- und herzupendeln, sondern per Videokonferenz Inhalte klären, gehörten zu den Maßnahmen.

Foto: Ph Max Ranchi/52 Super Series

Saubere Regatta

Christoph Kröger gab noch ein Beispiel für ein plastikfreies Vorbild. In Spanien, wo das Leitungswasser nicht trinkbar ist, versorgte 52 Super Series an fünf Regattatagen und einem Vorbereitungstag 350 Menschen mit über 7000 Litern Wasser. Dieses Wasser kam nicht aus Plastikflaschen, sondern aus der Wasseraufbereitungsanlage und wurde in Mehrwegflaschen gefüllt.

Auch in diesem Bereich gibt es bereits ein gutes Beispiel aus der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins. Im vergangenen Jahr war die Kieler Woche als Clean Regatta von Sailors for the sea deklariert. Es wurde beispielsweise auf Plastiktüten verzichtet, Mehrwegflaschen verwendet und Seabins im Hafenbecken installiert, die Schmutz aus dem Wasser filterten. Auch 2019 sollen diese Maßnahmen fortgeführt werden. Zudem wird Plastikgeschirr auf dem Eventgelände verboten und auf schädliche Reinigungsprodukte verzichtet. Eine nachhaltigere Alternative für Bugaufkleber werde erarbeitet und es soll eine Anbindung an ein Fahrradleihsystem geben.

Foto: Ph Max Ranchi/52 Super Series

Machen anstatt zu warten

„Wir sind sehr zufrieden. Es gab eine rege Interaktion“, fasst Christoph Kröger den Workshop zusammen. „Wir können nicht auf die Politik warten oder auf jemanden, der die Lösung hat. Jeder muss selbst aktiv werden, um den Klimawandel noch aufhalten zu können.“

Bildnachweis Titelfoto: Ph Max Ranchi/52 Super Series

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