Segeln und Segeln erklären

von Friederike Hiller

Der Gennaker fällt ins Wasser, das Boot macht eine Vollbremsung: Bei den kurzen 10-Minütigen-Rennen im Bundesliga-Format ist nach einem 1-Minütigen-Stillstand der Lauf ins Wasser gefallen – der Rückstand auf die anderen Kielboote nicht mehr aufzuholen. Damit das nicht passiert, trainiert Luisa Krüger vom Hamburger Segel-Club (HSC) die Regattaneulinge des DSV Rookie Teams bis zur Frauenregatta, dem Helga Cup, im Sommer.

Coach und Konkurrentin

Luisa Krüger hat viel Erfahrungen im Regattabereich, segelte unter anderem Nacra im Mixed Team und als Mitglied im HSC Bundesliga-Team auf der J70 bei der Segel Bundesliga mit. Auch beim Helga-Cup ist sie nicht nur als Coach sondern auch als Konkurrentin dabei. Dann komplettiert sie die Crew des HSC Women’s Team. Sie selbst bezeichnet sich als motiviert und ehrgeizig und daher sei ihr Training streng, aber fair. Zumindest hatte sie es bisher so gehandhabt. Denn eigentlich sind ihre Segelschüler Kinder und Jugendliche, die Strafliegestütze machen, wenn sie zu spät kommen. Respekt erarbeiten muss sie sich bei den Rookies nicht, ihren Leistungsanspruch hat sie aber beibehalten.

So schnell wie die Regatta

Und so motiviert sie dazu, den Gennaker schneller hoch zu ziehen, sensibler aufs Boot zu reagieren und Luv- oder Lee-Krängung im Blick zu haben. „Die Crew macht alles mit, auch Schneechaos auf dem Wasser“, ist Luisa von ihren erwachsenen Schützlingen begeistert. „Es ist echt unglaublich, wie motiviert sie sind.“ Das Bootsgefühl wachse mit jeder Trainingseinheit, denn die Fahrtenseglerinnen müssen sich vom trägen Dickschiff auf die agile J70 umgewöhnen.

Sie selbst liebt die Herausforderungen, die das kurze Regatta-Format der Segel-Bundesliga mit sich bringe. „Eine Art Anpassung an die Schnelllebigkeit im Leben.“ Möglichst viele Rennen an einem Tag segeln, immer in Action sein. „Alle sind permanent ausgelastet. Jede Position ist wichtig und alle sind ziemlich genau aufeinander abgestimmt.“ Das erfordere eine lange Konzentrationsphase. „Fünf Rennen an einem Tag, das ist schon auch anstrengend.“ Ihr Heimrevier wird zum Austragungsort des Helga Cups und die Alster sei ganz schön „tricky“ aufgrund der Winddreher.

Sport und Spaß

Leider haben sich die HSC-Mitglieder um Silke Basedow, Maren Hahlbrock und Luisa Krüger erst spät kennengelernt. Nämlich als Luisa zum Studium nach Hamburg kam. Seit drei Jahren segeln sie nun zusammen. „Wir haben viel Spaß zusammen und arbeiten auf einem hohen professionellen Niveau“, freut sich Luisa. Für den Helga Cup komplettiert Anke Lukasch das HSC Women’s Team.

Favoriten im Regattafeld

Die J70 und das Regattaformat kennen die Mädels des HSC Women’s Team gut. Doch als haushohe oder alleinige Favoriten sehen sie sich trotzdem nicht. Immerhin gebe es auch andere Crews, die damit vertraut sind oder die bereits seit langem in der Dickschiff-Regattaszene vorne mit segeln und sich jetzt gekonnt auf das kleinere Kielboot umstellen.

Foto: Sven Jürgensen

Mit fundiertem Wissen und Können

Das Frauenformat sei „cool“, doch überstrapazieren möchte Luisa das Thema nicht. „Ich segel auch super gerne in gemischten Teams.“ Trotzdem freue sie sich auch, wenn die HSC Crew in der Bundesliga als reine Frauenmannschaft startet und gewinnt. „Wir wollen Aufmerksamkeit für Frauen kreieren, auch über das Segeln hinaus.“ Ein Netzwerk, in dem jeder etwas vom anderen lernen und sich gegenseitig unterstützen kann – egal zu welchem Thema.

Und manchmal spiele sie auch gerne mit den Klischees und kaufe beispielsweise pinke Segelhandschuhe. Doch sie hoffe auch, dass nicht die restliche Segelszene irgendwann genervt reagiere. Denn: „Wir wollen ernst genommen werden und daher ist es auch wichtig, sich aufs Segeln zu konzentrieren. Wir können die Männer am meisten mit fundiertem Wissen und Können beeindrucken. Gackern und dabei das Boot nicht beherrschen, ist eher kontraproduktiv.“

Training im (Video)-Detail

Neue Trainierposition, neue Regatta, neue Aufgaben: Dazu zählt auch der gemeinsame Einsatz von Luisa Krüger und Silke Basedow im Social Media Bereich. So soll es für Neulinge in der Regattaszene Video-Tutorials geben. Auch in der Segel-Bundesliga gibt es immer wieder Einsteiger, die sich anhand von Video-Material so schulen können. „Wir wollen auch speziell Frauen unterstützen, ihr seglerisches Können zu verbessern und Regattaboote zu segeln. Dabei fokussieren wir uns auf Techniken und Details.“

Ob es einzelne Manöver, oder Positionen sind – die Handgriffe werden kurz und präzise erklärt. „Wie stelle ich bei welchen Bedingungen die Fock?“ ist ebenso Thema wie „Wende“ und „Halse“. Das neuste Video erklärt Cross-winching auf der Seascape 24.

 

Bildnachweis Titelfoto: Marta Rovatti Studihrad Photographer

Zurück

Einen Kommentar schreiben