Mit neuem Spaß zurück im alten Boot

von Friederike Hiller

Aus Mixed- wird wieder Ein-Frau-Segeln: Lena Weißkichel kehrt zurück in den Laser Radial und hat Spaß an der neu gewonnen Freiheit.

Van Trip nach Mallorca

Seit Stunden sitzt Lena Weißkichel im Auto. Gerade haben sie die Grenze von Luxemburg passiert. Bis zur Fähre, die nach Mallorca übersetzt, ist es noch ein gutes Stück zu fahren. Zumal sie einen Zwischenstopp in Barcelona einlegen wollen, um den Laser Standard von Daniel Self abzuholen. Der Australier ist zusammen mit seiner Freundin Lena auf dem Weg zu der Trofeo Princesa Sofia Regatta Ende März. Sie freuen sich auf den gemeinsamen Segel- und Regatta-Trip.

Getrennte Wege

Noch vor wenigen Monaten sahen Lenas Segelpläne anders aus. Im Herbst und Frühwinter trainierte die 19-jährige Studentin als Vorschoterin auf dem Nacra 17. Doch nach der ersten gemeinsamen Regatta trennte sich das Mixed-Team. „Es hat nicht so gut funktioniert, wie ich gedacht hatte“, berichtet Lena. Die Einstellungen ihres Teampartners Silas Mühle zum professionellen Segeln haben nicht mit ihren eigenen zusammengepasst. „Das war nicht vereinbar. Ich brauche klare Planungen und Absprachen, worauf ich mich verlassen kann.“ Nach mehreren Gesprächen entschieden sie sich, getrennte Wege zu gehen.

Freude am Laser wieder erweckt

Abstand suchend flog Lena Weißkichel nach Australien. Zunächst hatte sie nicht geplant, länger als zehn Tage zu bleiben, doch daraus wurden zwei Monate. In dieser Zeit entdeckte sie auch den Laser für sich neu. Die Laser-Segler vom Standard über den Radial bis zum 4.7 trafen sich vor Brisbane zu den nationalen Regatten. Lena war als Coach mit auf dem Wasser und genoss die andere Sicht auf die Laser, als ein australisches Mädchen, das Flachwasser gewöhnt war und nun mit den Wellen in ihrem 4.7 kämpfte, in ihren Fokus geriet. Sie kenterte durch, verlor ihr Schwert und geriet in Panik. „Ich hatte eh meinen Neoprenanzug an, also habe ich ihr angeboten ins Wasser zu springen und das Boot zurück zu segeln, während sie im Schlauchboot zurück fahren kann“, berichtet Lena. „Das hat viel Spaß gemacht.“ Ihre Freude an der Einhand-Bootsklasse war wieder geweckt. Und da Alternativen wie 49erFX und Nacra 17 nicht zeitnah und finanziell gut umsetzbar waren, schloss sie sich der Trainingsgruppe in Australien im Laser Radial an. „Es war cool, wieder auf dem Boot zu sitzen. Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht.“ Auch die Australier haben sie offen mit aufgenommen. So bekam sie 20 Wassertage in Australien zusammen. Nebenbei nahm sie ihr Fitnesstraining für den Laser wieder auf und erstellte zusammen mit ihrem Freund einen Plan für den Frühling. Die Europatour mit dem Trofeo Princesa Sofia als Startpunkt und dem Highlight – der U21 WM in Kroatien im Herbst – zum Abschluss.

Präsent segeln

Auch im mentalen Training sei die Zeit in Australien sehr wertvoll gewesen. Seitdem habe sie ihre Daily Goals. Sie nimmt sich klar vor, was seglerisch an diesem Tag im Training wichtig ist. So konzentriere sie sich voll und ganz auf das Segeln. Störende oder gar negative Gedanken haben so keinen Platz auf dem Wasser. „Ich bin dann ganz präsent im Training und dieses ist dann effizienter.“ Die Trofeo Sofia sei für sie eher eine Trainingsregatta, für die sie sich Leistungs- aber keine Ergebnisziele vornehme. Wenn alles klappe und sie auch auf dem Regatta-Kurs präsenter ist, liebäugelt sie aber mit dem Goldfleet. Das große Ziel für dieses Jahr sei die Medaille bei einer WM. Und da dies das letzte Jahr ist, in dem sie noch im Jugendbereich mitsegeln darf, möchte sie ihr Ziel im Herbst in Kroatien angehen. Den Traum von den olympischen Spielen habe sie zwar noch nicht aufgeben, aber momentan liege ihr Fokus darauf, in den Regatten ihr Bestes zu geben. Die kleine Chance, die sie auf eine Qualifikation hat, wolle sie nutzen und dafür kämpfen. „Mal schauen, was dabei rauskommt.“

Selbstbestimmte Entscheidungen

Mit Zeit für Pausen und kleinen Abstechern bei Freunden und Bekannten kommen Daniel und Lena weiter gen Süden voran. „Die letzten zwei Wochen habe ich mich mit viel Organisatorischem beschäftigt.“ Der Trailer musste besorgt, die Fähre gebucht werden. Vor Ort wollen sie im Auto campen. „Das wird bestimmt witzig und entspannt. Und wir können jederzeit segeln, wenn wir wollen.“ Einen festen Trainer oder eine Trainingsgruppe haben die beiden nicht. Vielleicht ergibt sich etwas vor Ort. Aber selbst wenn nicht, ist Lena froh, sich wieder selbst zu organisieren und entscheiden zu können, was sie macht.“ Und auch in finanziellen Dingen hat sie nicht nur Unterstützer, wie ihren Sponsor, sondern auch kreative Ideen. Aus alten Segeln näht sie Segeltuch-Taschen, die sie verkauft.

Bildernachweis: Lena Weißkichel

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