Die Klasse der Gentlemen

von Friederike Hiller

Wenn sie zu viert sind, sind sie viele: Bei den Weltmeisterschaften der OK-Jollen ist das Feld der Segler männlich dominiert. Juliane Hofmann segelt trotzdem gerne in den nur ansatzweise durchmischten Feldern. „OK segel ich jetzt seit 24 Jahren. Das kriegt man dann wohl nicht mehr los.“

Vier Frauen sind Rekord

Zwei Frauen waren es, die noch in der vergangenen Woche um den Weltmeistertitel bei den OK Jollen während der Warnemünder Woche gesegelt sind. „Es war fantastisch. Wir hatten super Wetter und alle Freunde waren da. Ich komme seit 22 Jahren sehr gern nach Warnemünde“, erzählt Juliane Hofmann. Drei Frauen waren gemeldet, zwei sind gesegelt. Ein extra Feld gibt es für sie nicht, sie segeln mit den Männern zusammen. „Meistens sind nur 1-2 Frauen bei einer OK-WM. In Barbados letzten Mai war es ein absoluter Rekord: vier Frauen.“ So viel Spaß das gemischte Segeln auch bringe – „Es ist toll. Alles Gentlemen – durch die Bank weg“, so freue sie sich auch, wenn sich noch weitere Damen anschließen mögen. „Dank individueller Masten und Segel kann man die OK vor allem im Binnenland auch sehr gut mit weniger Gewicht segeln. Hier sind die Ladies vorn“, wirbt die Segelmacherin für ihre Bootsklasse.

Elisabeth Williams aus Australien (links) und Juliane Hofmann mit der im vergangenen Jahr gestifteten OK Dinghy Women Worlds Trophy. Die beiden segelten als einzige Frauen bei den Weltmeistertitel in der OK-Jolle mit.

Foto: Robert Deaves

Die einzige Möglichkeit

Die Segelleidenschaft der Potsdamerin begann im Opti. Damals waren ihre Eltern in einer Betriebssportgemeinschaft am Schwielochsee in Brandenburg und gingen mit einer Rügenjolle aufs Wasser. Doch dort gab es auch Holzoptis, OK-Jollen und ein paar Ixylons. Nach dem Opti ging es für Juliane Hofmann für zwei Jahre im Mini-OK weiter, bevor sie das normale OK-Rigg in die Hände bekam und so auch Regatten segeln konnte. „Das war keine Entscheidung, sondern die Wahrnehmung einer einzigen Möglichkeit: In meinem damaligen Verein gab es nur einen Regattasegler, der mich mitnehmen konnte und der segelte OK. Für seine unkomplizierte Hilfe über Jahre hinweg bin ich Falk Hagemann sehr dankbar.“

Foto: Pepe Hartmann

Segeln in drei Klassen

Das war 1996. Seitdem ist sie zwar der OK-Jolle immer treu geblieben und ist in ihr Vizedeutsche Meisterin geworden, doch ab und zu hat sie auch die Bootsklasse gewechselt. So wurde sie 2011 deutsche Masterin im Europe und zusammen mit Sascha Schröter im Pirat Vize-Europameister 2013. „Ich habe alle drei Klassen je nach Regattaangebot und im Falle des Piraten nach Steuermannverfügbarkeit gesegelt, was eine große Freude war.“ Das habe dazu geführt, dass sie beinahe jedes Wochenende woanders unterwegs war. „Alles war mir gleich wichtig, wobei ich Europe-Segeln als sehr schwierig empfinde, da ich einfach viel zu spät, das erste Mal in einer Europe saß.“ Erst mit 27 Jahren hatte sie diese Bootsklasse für sich entdeckt. „Da fehlt mir einfach das nötige Bootsgefühl.“ Als sie dann zum ersten Mal nicht alleine in einem Boot saß, sondern es im Piraten zwei Positionen zu verteilen gab, nahm sie zunächst die Pinne in die Hand. „Ich habe dann schnell festgestellt, dass mir Schotte segeln mehr Spaß macht.“ Und so wurde sie zur Vorschoterin. Mit einem zweiten Platz bei der Europameisterschaft der Piraten in Lipno krönte sie ihre Piraten-Zeit. „Das war mit Sascha Schröter eine sehr schöne Erfahrung: zu zweit ist Erfolg noch schöner, als allein“, sagt die Segelmacherin. Ob ihr das Wissen als Segelmacherin beim Segeln helfe, wisse sie nicht. Aber: „Der Beruf hilft mir, viel zu Segeln. Und das kommt wiederum unseren Segeln zu Gute.“

Foto: Pepe Hartmann

Erstmal Pause und dann?

Mittlerweile habe sie allerdings eine Familie und segle deshalb nicht mehr ganz so aktiv. „Ich mache jetzt erstmal Pause und überlege dann, ob ich die OK-WM in Auckland (Neuseeland) im Januar 2019 mitsegel.“

Bildnachweis Titelfoto: Pepe Hartmann

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