Auffüllen anstatt wegwerfen

von Friederike Hiller

Das Sonnenlicht bricht durch die Wasseroberfläche und lässt das Blau des Ozeans funkeln – und mit ihm Millionen kleinster Plastikteilchen. Was würde passieren, wenn jeder Fisch, der dieses Plastik frisst, auf der Stelle sterben würde? Es ist Zeit, umzudenken und das Problem anzugehen, lautet das Credo des Trailers zum Dokumentarfilm von Cleanwave.

Edelstahl ersetzt Plastik

„Wir spüren eine Bewusstseinsveränderung. Den Leuten wird klar, dass etwas getan werden muss. Für Wasser bieten wir eine klare Lösung. Das ist dann oft der Anstoß für den Einzelnen, wirklich etwas im eigenen Umfeld zu verändern“, erklärt Guni Bermudez von Cleanwave. Die gemeinnützige Initiative setzt sich auf den Balearen dafür ein, dass Edelstahl- anstatt Plastikflaschen verwendet werden und dass es genügend Auffüllstationen für diese gibt. So wollen sie der wachsenden Flut an weggeworfenen Plastikflaschen begegnen.

Foto: Cleanwave

Trinkwasser in Plastik

Wie in vielen südlichen Ländern ist auch in Spanien und dessen Inseln das Wasser aus dem Wasserhahn meist nicht trinkbar. Daher greifen die Menschen auf Wasser in Plastikflaschen zurück. 1,5 Millionen werden davon täglich auf den Balearen konsumiert, berichtet Cleanwave. Nur 18 Prozent werden recycelt.

Foto: Cleanwave

Vom Event zur Initiative

Vor 15 Jahren segelten Philipp Baier und Line Hadsbjerg über den Atlantik, landeten auf Mallorca und blieben dort. Sie gründeten eine Eventagentur und organisieren Veranstaltungen. Das brachte sie auch auf die Idee zu Cleanwave. Denn bei den Events sorgt das Team auch für die Bereitstellung von Wasser. 25.000 Plastikflaschen für ein Event kaufen zu müssen, schockierte Philipp. Kurzerhand kaufte er Edelstahl- anstatt der Plastikflaschen und organisierte Wasserauffüllstationen. Seitdem sind die Veranstaltungen frei von Plastik. Um das Bewusstsein für den Umgang mit Plastik zu schärfen und Alternativen zu ermöglichen, gründeten sie zusammen mit der Mallorquinerin Pilar Gomez Cleanwave.org.

Foto: Cleanwave

Plastikfreie Gewohnheit

Das Team hat Vorbildfunktion und zeigt, dass es nur eine Frage der Gewohnheit ist, ohne Einweg-Plastikflaschen durch den Alltag zu gehen. Jeder hat immer eine Flasche dabei. „Wir hören bei Erstkontakten immer wieder mal das Argument, dass ‘man die Flasche immer vergisst’. Aber das Mobiltelefon vergisst ja auch keiner. Wenn man sich zum Ziel setzt, keine Plastikflaschen mehr zu kaufen, und das erste Mal durstig in der Strasse steht, dann vergisst man die Flasche nicht mehr“, erläutert Guni Bermudez. Das Prinzip lasse sich ebenso auf Einkaufstüten übertragen. Wer sich diese an die Tür hängt oder ins Auto legt, bei dem werde es schnell zur Gewohnheit, Jute anstatt Plastik zu verwenden.

Foto: Cleanwave

Mit Fischen schnorcheln, nicht mit Plastik

Für sie alle ist Wasser Leben. „Das wird von uns unterschiedlich gelebt. Philipp zum Beispiel ist ein begeisterter Meeressportler, Line schwimmt viel und ist auf dem SUP unterwegs“, so Guni Bermudez. Das Meer sei ein wichtiger Bestandteil des Lebens, egal ob als Ort für Sport oder zur mentalen Balance oder eben besonders als Lebensraum, der geschützt werden muss, damit auch die kommende Generation „noch schnorcheln gehen kann und dabei Fische und nicht nur Plastikmüll sieht.“

Foto: Cleanwave

Umdenken bei Verbrauchern, Unternehmen, Politik

Die Initiative gewinnt immer mehr Aufmerksamkeit. Der freie Zugang zu Trinkwasser, sodass Menschen kostenlos ihre Trinkflaschen an Stationen wieder auffüllen können, spricht sich herum. In den ersten sechs Monaten wurden über 10.000 Flaschen in Umlauf gebracht, die regelmäßig aufgefüllt werden. Das entspreche in etwa 350.000 nicht konsumierten Einweg-Plastikflaschen für denselben Zeitraum. Vor allem ausländische Inselbewohner, aber auch immer mehr Einheimische, unterstützen die Initiative.

Und es wird ein öffentliches Auffüllnetz aufgebaut. Restaurants, Büros und Sportstudios bieten Stationen an, in denen die Flaschen kostenlos aufgefüllt werden können.

Denn nicht nur der Endverbraucher ist für Cleanwave im Umdenkprozess wichtig. Auch Unternehmen und Politik werden angesprochen. „Ein wichtiger Faktor sind für uns auch Unternehmen, die sich an der Cleanwave-Bewegung beteiligen und ihre Betriebe umstellen, Osmosesysteme für die Mitarbeiter installieren und diese mit Cleanwave-Flaschen ausstatten. Das hat große Auswirkungen.“

Recycling-Infrastruktur und die Bereitstellung von Trinkwasser sind auch politische Themen. Daher ist die Initiative im Gespräch mit der Regierung. „Die Tatsche, dass wir als relativ junge Organisation bereits mit der Regierung in regem Austausch stehen und uns Aufmerksamkeit geschenkt wird, freut uns natürlich besonders. Trinkwasser ist ein Problem auf der Insel, dessen sich auch die Regierung bewusst ist.“

Foto: Cleanwave

Plastikflut in Bildern

Das Hauptaugenmerk liegt noch auf den Balearen. Doch die Initiatoren können sich gut vorstellen, die Erfahrungen von den Inseln auch aufs Festland oder andere Inselketten zu übertragen. Momentan wird das Bewusstsein für die Plastikflut weiter medial verstärkt. Der Dokumentarfilm wird in den kommenden Wochen und Monaten an unterschiedlichen Orten gezeigt. Eine Kurzversion soll an Schulen – auch auf internationaler Ebene – eingesetzt werden, um Kinder für eine plastikfreie Zukunft zu gewinnen. Denn sie bringen die Idee und Veränderungen in den Alltag der Familien.

Bildnachweis Titelfoto: Cleanwave

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