Unvergessliches SUP-Winter-Abenteuer

von Friederike Hiller (Kommentare: 1)

Unberechenbares Wetter und ein Winter-Trip, der zum Abenteuer wird: Winter Island Hopping mit dem SUP ist eine Heraufforderung für den Körper und den Geist. Ein Naturerlebnis der besonderen Art, das noch Tage später das wohlige Gefühl, es gemeistert zu haben und stolz auf sich zu sein, bei den Teilnehmern hinterlässt.

SUPen im Wattenmeer

Drei Tage, drei Touren auf Nachbarinseln sowie Hallig von Föhr aus: So lautete das Stand-up-Paddling-Programm von SUP Island Föhr für ein verlängertes Wochenende Ende Februar.

Auf geht's nach Langeness

Es ist Freitagmorgen. Laut Wettervorhersage hätte nur ein nicht sehr starkes Lüftchen wehen und die Sonne bereits ihre wärmenden Strahlen durch die aufgelockerte Wolkendecke schicken sollen. Doch es hat sich zugezogen, ein eisiger Ostwind pfeift und schiebt Wellen vor sich her, die auf den Strand von Wyk auf Föhr laufen. Sechs Mädels greifen sich die SUPs, tragen sie zum Strand und blicken über die raue See ihrem Etappenziel entgegen. Einmal Hallig Langeneß bitte, hin und zurück, ohne Motor, nur mit eigener Kraft. Die Warften auf der Hallig sind gut zu erkennen und die Umrisse des Leuchtturms am Westzipfel der Insel, der die grobe Richtung vorgibt.

Nachdem zu Beginn die Wellen die SUP-Boards immer wieder gen Land drücken wollen, bleibt bald kein anderer Weg mehr, als direkt gegenan zu paddeln. Volle Kraft voraus, soweit der Armzug reicht. An ein Stand up Paddling im engeren Sinne ist nicht zu denken, die Wellen sind zu unberechenbar. SUP-Lehrerin Mine Kirstein und ihre Mädelsgruppe paddeln größtenteils im Knien, bis sie schmerzen. Trotz Böen bis über 20 Knoten und im Mittel zwischen fünf und sechs Windstärken müssen beim Überqueren der Fahrrinne noch einmal alle Kräfte mobilisiert werden, um diese hinter sich zu lassen, bevor die nächste Fähre vorbeiprescht.

Die Finger frieren bei vier Grad Lufttemperatur. Aufgeben will keine, auch wenn die ein oder andere vor sich hin flucht. Noch ein Stück die Boards zu Fuß durch den knietiefen Priggenweg ziehen, ein paar letzte Paddelschläge gegen den Strom und dann ist es geschafft. Nach neun Kilometer sowie drei Stunden und 20 Minuten haben sie wieder festes Land unter den Füßen. „Alle haben sich durchgebissen“, freut sich Mine Kirstein. Beim Stopp auf der letzten Sandbank vor der Überfahrt hatten alle entschieden, dass sie es versuchen wollen. „Und da war klar, dass es hart wird.“

Der Rückweg ist rasant – zumindest im Vergleich zum Hinweg -, denn nach einer Stunde und 18 Minuten ist der Strand von Wyk auf Föhr wieder erreicht. Die Natur hatte im Februar das letzte Wörtchen und ließ Vorhersagen Vorhersagen sein und machte aus einer als gemütlich geplanten Anfangstour mit jeweils sechs Kilometern eine sportliche Herausforderung mit Biss.

Es kommt immer anders, als man denkt

Samstagmorgen, die Sonne scheint – doch auch wenn der Wind ein wenig nachgelassen hat, erreichen die Böen noch 16 Knoten. Wieder Welle und Wind von der Seite, wieder gegensteuern, dafür dieses Mal aufgrund der geringeren Wellenhöhe im Stehen und es geht gut voran. Amrum ist das Ziel des Tages. „Amrum ist viel ursprünglicher als Föhr. Es gibt viele Sandstrände und man taucht in eine andere Welt ein“, erzählt Mine Kirstein. Gemeinsam mit ihrem Mann Flo haben sie im Vorfeld viel organisiert und sind die Strecken zur Probe gepaddelt. Doch es kommt immer anders, als man denkt.

Neben den SUPern, die sich an den roten Tonnen des Fahrwassers orientieren, segelt Bene König. Er ist der Zug, den es braucht, um auch auf dem SUP zwischenzeitlich in den Genuss eines Geschwindigkeitsrausches zu kommen. Ein Stück vom Segelboot ziehen lassen, dann wieder selber paddeln, so rückt Amrum langsam näher. Nach zwei Stunden und zehn gepaddelten Kilometern werden die ersten Arme schwer. Ein kleiner Fußmarsch durch knietiefes Wasser beansprucht andere Muskelgruppe. Doch dann wird es richtig anstrengend. Eigentlich war eine Wattwanderung nicht eingeplant, doch um einen größeren Umweg zu vermeiden, läuft die Gruppe über eine Sanddüne, um wieder ans Wasser zu kommen. Mit dabei: Board und Paddel. Der Weg zieht sich, die Augen dürsten nach dem Anblick der sich in die Nordsee absenkenden Sandbank. Aufatmend stürzen sich alle wieder auf ihre Boards, als sie das letzte Stück paddeln können. „Es war so schön, dass wir paddelnd Amrum erreichen konnten“, freut sich Mine, bevor das Wattentaxi die erschöpften SUPer wieder nach Föhr bringt.

„Ein einzigartiges Naturerlebnis“

Ein Ziel fehlt: Sylt. Nach Hörnum hin und zurück sind es jeweils um die achteinhalb Kilometer. Der Wind hat sich auf acht bis zehn Knoten verringert und 300 Robben auf einer Sandbank beäugen neugierig, was um sie herum passiert. In der Fahrrinne zieht Flo Kirstein das Paddel kraftvoll und schnell durch, um Kabbelwelle und Strömung zu meistern. Doch der Nervenkitzel „Hörnumtief“ erweist sich als gut machbar. Dort ist eine starke Strömung, aus der hinausgepaddelt werden muss, bevor sie den SUPer an der Insel vorbei trägt. Am kilometerlangen Sandstrand von Hörnum ist keine Menschenseele zu dieser Jahreszeit. „Ein einzigartiges Naturerlebnis“, bei dem sich die Kräfte für den Rückweg regenerieren.

Anstrengend, aber schön

„Es war anstrengend, aber schön. Wir haben nette Leute kennengelernt und auch unter harten Bedingungen Menschen anders kennengelernt. Das war eine tolle Erfahrung“, resümiert Mine Kirstein. Sie haben viel Zuspruch bekommen und auch dazugelernt. Im kommenden Winter wollen sie wieder ein Winter Island Hopping anbieten, dann allerdings jeweils nur die Hin- oder Rück-Strecke und mit einem motorisierten Begleitboot. Und sollte der Winter wieder den Vorhersagen ein Schnippchen schlagen, möchte Mine Kirstein im Vorfeld ein Techniktraining für Gegen-den-Wind-Passagen mit ins Programm aufnehmen. Doch zunächst geht es in die Sommersaison. Ein Island Hopping zu allen Inseln nacheinander oder einzeln wird es auch ohne dicken Neopren oder Trockenanzug, kalten Händen und Füßen und dafür mit Sonnencap und Sommerfeeling geben. Und wer sich nicht auf langen Strecken verausgaben, sondern im direkten Duell messen möchte, für den planen Mine und Flo für Juli den Chiemsee SUP-Cup für Jedermann.

Wie es sich angefühlt hat, Wind und Wellen zu trotzen, die Kraft langsam nachlässt und Aufgeben keine Option ist, lest Ihr in der Kolumne: Aufgeben ist keine Option.

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Gravatar von Sandra

Sandra

Klasse....2 tolle Abenteuer, vielen Dank!

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