Big Island: Die Wiege des Surfens

von Friederike Hiller

Ein Kleinkind lacht, als die Mutter vor sich auf ihr Longboard setzt. Gleich nebenan paddelt ihr Großvater über das Riff. Surfen ist auf Big Island Volks- und Familiensport.

Der Pazifik umspült die Lavasteine und Korallenriffe vor der jüngsten Insel Hawaiis. Welle, Wind, farbenfrohe Unterwasserwelt und sportliche Herausforderungen locken Wassersportler der verschiedensten Disziplinen an.

Im Gegensatz zu den anderen vulkanischen Inseln des US-amerikanischen Bundesstaats Hawaii ist Big Island nicht so berühmt für seine Surfspots. Doch auch auf der größten Insel, die noch einen aktiven Vulkan beheimatet, gibt es surfbare Wellen.

An der trockenen Westküste fahren die Surfer mit Fahrrad und Surfbrett unter dem Arm zum Spot. Wer doch mit einem der großen, geländegängigen Wagen kommt, der beweist bereits bei der Anfahrt, dass Hang Loose nicht nur ein Spruch, sondern ein Lebensgefühl ist. Mit dem Gruß - Daumen und kleiner Finger abgespreizt von der sonst geschlossenen Hand - wird sich zugewunken und wer als Erstes an eine Kreuzung kommt, darf auch als Erstes fahren. Ampeln oder rechts vor links gibt es bei den kleineren Straßen nicht.

Surfen in Pinetrees und Kahalu'u

Bereits im Dunkeln kommen die Ersten nach Pinetrees. Sie wollen vor der Arbeit noch einige Wellen surfen. Sobald schwach die Umrisse des Lavagesteins erkennbar sind, legen sie sich auf ihre Surfboards und paddeln hinaus ins Line-up. Unter der Woche ist es so früh am Morgen noch ruhig. Doch am Wochenende ist hier Familientreff. Und wer sich das erste Mal beim Sturz vom Brett nicht an die Regel (nicht mit den Füßen nach unten ins Wasser eintauchen) gehalten hat, zieht sich schnell eine blutende Wunde zu. Bei dem scharfkantigen Lavagestein reicht schon eine relativ leichte Berührung. Keine guten Voraussetzungen, wenn man bedenkt, dass es Haie in der Umgebung des Riffes geben soll.

Ein bisschen weiter südlich, befindet sich Kahalu’u. Eine kleine Bucht mit einem schmalen Strand, der direkt unterhalb der Küstenstraße liegt. Über die Lavasteine gelangt man an der rechten Seite des Strandes ins Wasser. In der Bucht tummeln sich die Schnorchler, an der offenen Seite liegen die Korallenriffe. Je weiter draußen, desto größer brechen dort die Wellen.

Hilo - auf der Ostseite der Insel

Auf der anderen, der grünen Seite der Insel, dort wo die Vegetation wächst, sich entfaltet und es ständig regnet, befindet sich der Spot Honolii. Honolii liegt an der Mündung des Hilo Flusses. Drei verschiedene Riffe bringen unterschiedliche Wellengrößen hervor.

Bunte Riffe für Schnorchler und Taucher

Farbenfrohe Regenbogenfische tummeln sich im Pazifik vor Big Island ebenso wie Meeresschildkröten. Taucher und Schnorchler treffen sich zudem an der Westküste vor Kona, sobald die Dämmerung die Schatten länger werden lässt. Dann wird unter Wasser das Licht eingeschaltet. Der helle Strahl von Scheinwerfern lockt große Mantarochen an. Sie vollführen Rückwärtssalti mit dem Bauch zur Oberfläche, an der die Schnorchler regungslos liegen und sich von dem Naturschauspiel faszinieren lassen. Die Mantas reißen ihre Mäuler auf, um viel Wasser durchströmen zu lassen und somit große Mengen an Plankton aus diesem zu filtern. Dem ein oder anderen Schorchler stock der Atem, als das riesige Maul weit geöffnet auf ihn zuschwimmt, um erst kurz vor einer Berührung abzudrehen. Und fast scheint es so, als wolle der Manta deine Unterseite am Bauch des Schnorchlers reiben.

Mit Glück können im Winter auch Wale beobachtet werden, die auf ihren Wanderrouten an den Küsten vorbeiziehen.

Im Kampf gegen Wellen und Hitze

Vor Kailua-Kuna gehen einmal im Jahr, immer im Oktober, Schwimmer ins Wasser. Eine Strecke von 3,86 Kilometern liegt vor ihnen. Auch wenn Wellen sie immer wieder anheben und das Schwimmen erschweren. Es ist erst der Anfang, danach empfängt die Triathleten beim legendären Ironman Hawaii die schwarze Lava-Wüste, die sie mit Fahrrad und laufend durchqueren.

Gemächlicher geht es da an den wenigen Sandstrandbuchten zu. Wo normalerweise scharfkantige Lava den Einstieg ins Wasser erschwert, gibt es vereinzelt sandigen Untergrund. Dort tummeln sich Einheimische und Besucher zum Sonnenbad. Oder stürzen sich in den Shorebreak (Welle, die bei geringer Wassertiefe nahe des Ufersaums bricht) von Magic Sands.

Frieren in 4200 Metern Höhe

Wasser, aber in gefrorener Form, kann es im Winter in über 4200 Metern Höhe auf dem Mauna Kea geben. Schilder am dort stationierten Observatorium warnen vor herunterfallendem Eis. Aber auch ohne Eis kann es für Wassersportler, die FlipFlops und Boardshorts gewöhnt sind, extrem kalt werden. Das Frieren lohnt sich, denn die Besucher erwartet ein atemberaubender Sonnenuntergang. Für den Moment, in dem die Sonne auf das Meer trifft, hält die Insel viele wunderschöne Plätze bereit. Und mit ein bisschen Glück lässt sich nach Sonnenuntergang die glühende Lava des noch aktiven Vulkans Kilauea beobachten. Dort soll Pele, die Feuer- und Vulkangöttin leben. Auf Hawaii Island, wie Big Island auch genannt wird, ist die hawaiische Kultur bis heute lebendig.

 

Bildernachweise:
Surfer Girl: speedphotos via VisualHunt / CC BY-ND
Lava: eliduke via Visual hunt / CC BY-SA

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