Windsurfen mit Wende

von Friederike Hiller

Als Rebellen der Ostsee – so fühlten sich die Windsurfer in Wustrow in den wilden 90ern. Die Faszination für den Wellen- und Windritt ist seit der Wende ungebrochen. Auch wenn aus Marke Eigenbau beim Material professionelleres Equipment geworden ist.

1990 entdeckten Oliver Kuschke, Martin Bratz und Sven Anton den Spot in Mecklenburg-Vorpommern für sich und bauten eine Surfschule mit Platz zum Campen auf – das Surfcenter Wustrow.

Windsurfen wächst mit

Wenn Oli sich heute einige Stammgäste auf dem Platz anschaut, erinnert er sich daran, wie sie noch als Kinder am Strand herumgerannt sind – andere kamen als junge Wilde und reisen heute mit Familie an. „Wie doch mit rumsurfen die Zeit vergeht.“ Während der Altersdurchschnitt früher eher bei 25 bis 30 lag, so ist er heute bei 35 bis 40. Die Leidenschaft für den Wassersport aber nach wie vor zu spüren. „Unser Publikum ist aktiv, sportlich und individuell“, freut sich Oli. Wenn der Wind aus Südwest bläst, ist er optimal zum Surfen und auch Kiten. „Kiten ist super bereichernd für den Wassersport.“ Dreht der Wind auf Nord, können die Wassersportler auf den Bodden ausweichen. Obwohl der eine Tiefe von 2,50 Metern aufweist, ist der gesamte Randbereich Stehrevier. „Das ist super zum Üben.“

Sorgloses Surfen

Beim Blick auf die Surfer und Kiter, wie sie ihre Tricks üben, muss Oli anerkennen: „Das Niveau ist angestiegen, da können wir nicht mehr mithalten“. Wenn er früher noch auf Wind gehofft hat, so sind ihm jetzt die Tage mit Flaute am liebsten. Dann schnappt er sich sein SUP und geht raus auf die Ostsee – die Atmosphäre des Nationalparks genießen. Das klare Wasser, in dem man so schön entspannt baden gehen kann. „Ohne Angst in einen stacheligen Fisch zu treten“, sagt er grinsend. Es gibt keine Steine, über die er ins Wasser kraxeln muss – sandiger Untergrund begleitet ihn ins Wasser. „Es ist eine wunderschöne Region, in der man sorglos surfen kann“, schwärmt der gebürtige Berliner, der am Müggelsee aufgewachsen ist. Doch im Winter tauscht der Surfer die Ostsee dann doch gegen den Atlantik – sinkt die Wassertemperatur unter 15 Grad Celsius fühlt er sich im Wasser nicht mehr so wohl. Noch zu DDR-Zeiten war die Ostsee der Mittelpunkt für die kleine Surfclique. Aus Magazinen lernten sie Tricks und Manöver. Mast und Finnen bauten sie selbst und übten einen Sport aus, der der Obrigkeit eher weniger gefiel. Deshalb fühlten sie sich ein bisschen wie Rebellen und hatten viel Spaß. „Wir waren alle zwischen 18 und 22 Jahre alt.“ Der Greifswälder Bodden war ihr Heimrevier. Und nach der Wende blieb Oliver Kuschke seiner Surfheimat und der Umgebung treu. „Einer muss ja das Licht ausmachen“, sagt er grinsend und fügt hinzu: „Ich habe es immer genossen, hier zu sein. Man muss mit wenig zufrieden sein, dann ist man zufrieden.“

Farbenreiche Sonnenuntergänge

Surferfeeling, gemischt mit einem Hauch von Nostalgie und eingebettet in pure Natur: Das schätzt auch der Regisseur und Kiter Jarek Raczek und hat einen Imagefilm über die Drei vom Surfcenter gedreht:

Surfcenter Wustrow - Der Film © 2017 from JRF on Vimeo.

Auch wenn der Spaß bei Sonne sich bis in die lauen Abendstunden zieht und dann am Strand ein wunderschöner Sonnenuntergang die Herzen höher schlagen lässt, sind die Camper und Surfer auch bei regnerischem Wetter nicht vom Wasser zu bekommen. So reisten sie trotz Regens am Sonnabend vor Pfingsten mit ihren SUP-Boards an. Denn das Surfcenter hatte zum SUP-Event eingeladen. Einmal über die Düne – ab an Strand – rauf aufs Wasser. 20 Board-Paddler traten gegeneinander an. Sie störte es nicht sowohl von oben als auch von unten nass zu werden. Immerhin kann die Ostsee schon relativ warme 17 bis 18 Grad Celsius vorweisen.

Bildernachweise: Surfcenter Wustrow

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