Nazaré: Im Auge des Sturms

von Friederike Hiller

Eine gigantische Wellenwand baut sich hinter dem Leuchtturm von Nazaré auf. Über 20 Meter erreichen die Riesen am Big Wave Spot Praia do Norte an der portugisischen Westküste. Für Besucher ein faszinierendes Schauspiel.

Wer durch das idyllische Fischerstädtchen Nazaré - nördlich der portugiesischen Hauptstadt Lissabon - fährt, ahnt nicht, welche Giganten an seine Küsten rollen. Ein verschlungener Weg führt hinauf auf die Steilküste und wieder ein Stück bergab zum Leuchtturm. Transparente, die über die Straße gespannt sind, weisen den Besucher auf die Weltrekorde, die dort im Big Wave Surfen erzielt wurden, hin. Und wer während eines Wintersturms zu dem Aussichtspunkt fährt, der kann erleben, wie sich die Surfer die Wellenwand hinabstürzen.

Ein Jetski zieht den Wellenreiter seitlich in die immer steiler werdende Welle. Der Surfer lässt los, der Jetskifahrer sucht möglichst schnell die sichere Seite hinter der sich brechenden Welle auf, während der Surfer bergab rast. Hinter ihm bricht die Welle, eine weiße Front, wie eine Lawine rast ihm nach, versucht ihn einzuholen. Das Surfbrett schlägt während der rasanten Fahrt, hebt zeitweise ab und knallt dann wieder auf die Wasseroberfläche auf, rast weiter. Tosend rauscht die Welle dahin. Verschlingt alles und jeden, der es nicht rechtzeitig aus der brechenden Zone hinausgeschafft hat. Hält ein Surfer den Schlägen seines Boards nicht stand und fällt hin, schlägt er einige Male, wie bei einem flachen Stein, der über das Wasser hüpft, auf bevor ihn das Wasser umschließt.

Garrett McNamara und sein Weltrekord

So passierte es auch dem 48-jährigen Garrett McNamara aus Hawaii, der 2013 eine 30 Meter Welle in Nazare surfte und so ins Guiness Buch der Rekorde kam. Als er in Mavericks in der Half Moon Bay in Kalifornien die Wellenwand hinab schoss, katapultierte ihn die Schwerkraft von seinem Brett, sein Körper hüpfte über die Wasseroberfläche als wäre sie ein Trampolin. Nicht nur eine Folge der Geschwindigkeit. McNamara löste seine Rettungsweste aus und die Luft in der Weste ließ ihn immer wieder von der Wasseroberfläche abprallen. Dann stürzte die Lippe der Welle auf ihn hinab. Er kam ins Krankenhaus, sein Arm musste behandelt werden, aber er kam ohne schlimme Verletzungen davon.

Ein Naturschauspiel auch für Nicht-Surfer

Im Dezember 2014 bezwang der deutsche Surfer Sebastian Steudtner eine 21 Meter hohe Welle vor Nazare und gewann mit seinem Ritt auf der größten Welle des Jahres den XXL Biggest Wave Awards 2015. Ein tiefer Canyon der direkt auf den Leuchtturm von Nazare zuführt, lässt die Wellen dort zu gewaltiger Größe anwachsen.

Doch auch, wenn nur acht Meter hohe Wellen vorhergesagt sind, und Big Wave Surfer keinen Grund sehen, anzureisen, bietet sich den Besuchern ein Naturschauspiel. Der Wind zerrt am Körper, die Wellen schäumen, die Gischt spritzt, ohrenbetäubend ist der Lärm der Naturgewalt. An den Felsen im Wasser vor dem Leuchtturm schlagen sie auf, das Wasser spritzt meterhoch in die Luft, wenn es die Steine umspült, bilden sich Strudel. Nur dicht ans Mauerwerk gedrückt, lässt sich der Leuchtturm umrunden, der Wind reißt an Jacken und Mützen, will sie hinabreißen in den Ozean.

Weniger windanfällig aber ebenso gigantisch geht es am idyllischen Strand zu. Direkt von der Promenade lässt sich den Wellen zuschauen, die sich kurz vor dem Strand aufbauen, weit über die Köpfen der Zuschauer sich erheben und tosend auf den Sand klatschen.

 

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