Liebe auf den ersten Paddelschlag

von Friederike Hiller

„Ein Winter-SUP-Tag ist wie eine Woche Urlaub“, schwärmt Anja Mörk. Sie genießt die Stille auf bayerischen oder österreichischen Seen und beobachtet, wie sich Eiskristalle auf Steinen am Ufer gebildet haben und im Sonnenlicht glitzern. Und das ganz ohne nach der SUP-Session den nackten Hintern dem eisigen Wind aussetzen zu müssen.

Suche nach dem Winter-Spot

„Leider kann man sich den Winter-SUP-Spot nicht frei aussuchen“, bedauert die Münchnerin. Viele schöne Spots seien zugefroren. Wie beispielsweise der Eibsee. „Das Panorama mit der Zugspitze ist der absolute Wahnsinn.“ Zu Beginn des Winters gibt es meist noch ein bisschen Auswahl und so war auch Anja Mörk noch im Dezember auf dem Eibsee. Doch spätestens zwischen Januar und März werde es eng. „Der Starnberger See ist theoretisch offen, aber da überwintern die Zugvögel und die wollen wir nicht stören.“ Daher fährt sie gerne die etwa 40 Minuten lange Strecke mit dem Auto bis zum Achensee in Tirol. „Das gehört einfach dazu. Der ganze Tag ist voll mit SUP – das ist großartig.“

Ein Traum im Trocki

Während die Radiomoderatorin im Sommer stundenlang auf dem SUP die Natur erkunden kann, ist die Wasserzeit im Winter etwa nach drei Stunden beendet. Dann fröstelt es die SUPerin selbst bei perfekter Winterausrüstung. „Bei der Kleidung orientiere ich mich an der Wasser- und nicht an der Lufttemperatur“, sagt Anja. Obwohl sie nicht ins Wasser fällt, muss ihre Ausrüstung im Winter auch dafür gerüstet sein. „Auf jeden Fall habe ich einen Trockenanzug. Und ich bin ein großer Fan davon, wenn an Hand- und Fußgelenkabschlüssen Gummimanschetten sind.“ Dazu trägt sie wasserdichte Socken unter sieben Millimeter Neoprenbooties, drei Schichten Funktionswäsche unter dem Trocki und wasserdichte Handschuhe von Sealskinz, mit denen sie trotzdem ordentlich das Paddel greifen kann. Eine Mütze rundet das Outfit ab, dass sie zum Michelin-Männchen macht - wie sie selbst sagt. „Es ist ein Traum, wenn man vom Wasser kommt und nicht auf dem Parkplatz, nachdem man den Neopren ausgezogen hat, halbnackt in der Kälte steht. Wenn ich den Trocki ausziehe, habe ich immer noch Drei-Schicht-Klamotten an, mit denen ich mich gleich ins Auto setze.“

Mit allen Sinnen entdecken

„SUP macht an sich so viel Spaß, da kann ich es auch einfach im Winter nicht lassen.“ Und so erlebt sie die Seen von einer ganz anderen Seite, in einer ganz anderen Atmosphäre. „Es ist vollkommen ruhig. Es sind keine Leute, keine Touristen da. Du bist mitten auf dem See und hörst nichts. Der Klang der Geräusche ist anders. Die Luft riecht und schmeckt anders. Alle Sinne nehmen die Umgebung anders war. Und das wahnsinnige Grün des Wassers“, schwärmt sie. Dabei macht einen Wintertag auf dem Wasser nicht erst die Sonne, die Schnee und Eis zum glitzern bringt, zum Erlebnis. Auch nebelige Tage findet Anja wunderschön, nur Regen nicht.

Auch aufs Aussehen kommt es an

In der Natur fällt es der 32-Jährigen leicht, schöne Dinge zu sehen. Sie hat ihre Kamera immer dabei und wenn sie nach Motiven Ausschau hält, fallen ihr Details schnell ins Auge. „Die Wolke schaut cool aus.“ Einzelne Eiskristalle ziehen ihren Blick magisch an. „Man nimmt die Natur noch mal anders wahr und prägt sich Bilder und Einzelheiten ein.“ Mit ihren Fotos begeistert sie auf Instagram die SUP-Fans und sie bloggt über ihre Erlebnisse. Dafür hat sie auch bereits viele Boards getestet. „Fanatic Boards sind stabil und belastbar“, ist ihr Fazit. „Und sie sehen schön aus. Wir sind halt Mädels“, schmunzelt sie über das ästhetische Entscheidungskriterium.

Erste Session im Sonnenuntergang

Der Fitness-Aspekt des SUPen ist für Anja ein schöner Nebeneffekt, aber hauptsächlich geht es der Großstädterin um das Naturerlebnis und den dem Surfen angelehnten Life-Style. „Ich komme aus einer Kleinstadt und bin in meiner Jugend immer am See gewesen. Ich brauche es rauszukommen, aufs Wasser zu kommen.“ Angefangen hat alles mit ihren Eltern. Die hatten sich zwei SUP-Boards gekauft und sich mit ihrer Tochter zum Essen am See verabredet. „Als die Boards da lagen, musste ich einfach damit aufs Wasser.“ Und so verbrachte sie ihre erste SUP-Session mit einem kitschigen Sonnenuntergang auf dem See. „Unfassbar! Es war von Anfang an Liebe auf den ersten Paddelschlag.“

Bildernachweis: Anja Mörk

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