Aus der SUP-Perspektive entdecken

von Friederike Hiller

Sei nicht nur Beobachter, sondern Hauptdarsteller in deinen eigenen Abenteuern. Windsurferin und SUPerin Maria Andres lebt das Leben, das sie sich bereits als zwölf Jährige vorstellt hat – immer dort wo Wellen warte oder Orte, die es von Seeseite aus zu entdecken gilt. „Die besonderen Momente und atemberaubenden Erfahrungen im Leben sind nicht leicht zu bekommen. Wir können kein Ticket kaufen, uns in unseren Sonnenstühlen zurücklehnen und darauf warten, dass sie passieren. Wir müssen sie uns verdienen. Wir müssen dazu bereit sein, unseren Komfort und unsere eingeschlagenen Wege aufzugeben und vielleicht auch ein bisschen Angst zu überwinden.“

Foto: Fanatic

Pur und echt

Wer eine Reise mit einem Segelboot und SUPs an Bord macht, bekommt ein Gefühl dafür, was es bedeutet, wenn nichts durchgestylt und komfortabel gestaltet sondern einfach pur ist. Eine Erfahrung, die Maria Andres Gästen auf einem Törn entlang der Küsten und Buchten von Ibiza und Formentera mitgegeben hat.

Foto: Fanatic

Im Rausch der Farben

Kein Luxus, wenig Platz, Alltägliches wird zur Herausforderung. Aber wenn man weit genug von der Küste entfernt ist und die Lebensweise des Festlands ablegt, bekommt man die Chance, Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Die kleinen Probleme des Alltags oder auch die tägliche Routine rücken in ein neues Licht.

Sieben Uhr am frühen Morgen: In einer geschützten Bucht an der Südküste Ibizas ankert ein Segelboot. Es ist noch dunkel und vollkommen still. Die ungewohnten Geräusche des Bootes haben die Neuankömmlinge nur schwer einschlafen lassen, sodass sie an diesem Morgen noch im Tiefschlaf sind. Nur die Crew ist wach und bereitet sich auf die SUP-Yoga Session vor. Sie lassen die aufblasbaren SUPs und die Yoga Plattform ins Wasser, sodass die Boards nicht hin und her treiben. „Ein Sonnenaufgang auf dem Meer ist immer etwas wunderbares, wenn man die Sonne beobachtet, wie sie langsam den Horizont erhellt. Dabei noch mit dem SUP unterwegs zu sein, intensiviert die Erfahrung.“ Während der Meditation und den Übungen färbt sich langsam der Himmel, die Farben des Landes werden intensiver, das dunkle Blau des Ozeans beginnt sich in Türkis zu verwandeln. Kleine Fische tummeln sich unter den Boards und als die ersten Sonnenstrahlen die Haut berühren, wärmen sie langsam den Körper auf.

„Das Licht und die Farben dort sind einzigartig“, schwärmt Maria von den Inseln, die sie seitdem mit anderen Augen sieht.

Foto: Fanatic

Nur von Wasserseite aus erreichbar

„Seitdem ich das SUPen für mich entdeckt habe, hat sich meine Art, neue Plätze zu entdecken, komplett verändert. Ich liebe es an der Küste entlang zu paddeln und Strände zu entdecken, die nicht mit dem Auto oder zu Fuß erreicht werden können.“ Wer die Möglichkeit hat mit einem Boot zu reisen, sollte immer ein aufblasbares SUP dabei haben, findet Maria. Doch auch von Land aus, lassen sich wunderschöne SUP-Sessions erleben.

SUPen mit Walen

Ein unvergesslicher Moment für Maria Andres war auf Maui. Es war die Zeit, in der die Buckelwale an der Küste vorbeiziehen. „Im vergangenen Jahr bin ich mit ein paar Freunden rausgepaddelt - gar nicht so weit weg von der Küste - wir haben uns unterhalten und dann ist es direkt vor uns passiert. Es war so aufregend und beängstigend zur gleichen Zeit. Du fühlst, dass du ihnen einfach trauen musst, bleib ruhig und genieße die Show.“ Die Wale begannen zu springen und mit ihrer Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche zu schlagen. „Das war so laut! Dann sind wir ins Wasser gesprungen und konnten sie unter Wasser singen hören, umso lauter je tiefer wir waren.“

Foto: Fanatic/Grafenauer

„Das macht mich glücklich“

Doch um einen tollen Tag auf dem SUP zu erleben, müssen es nicht die perfekten Wellen wie auf Hawaii auf Tahiti sein. „Ich genieße jede SUP-Session sehr. Auch wenn es nur eine Tour an meinem Homespot in Cadiz oder auf einem See oder Fluss ist. Über die Wasseroberfläche zu gleiten, ist so herrlich.“ Sie liebt den Blick auf den Meeresgrund, den sie von der stehenden Position aus hat oder auch wenn sie mit Freunden hinauspaddelt zum Sonnenuntergang. „Wenn alles orange und pink wird und das Wasser anfängt, die Farben zu reflektieren. Das macht mich so glücklich.“

Foto: Fanatic/Voget

Mit der Natur verbunden

Maria sagt von sich selbst, dass sie kein Morgenmensch ist – auch wenn sie bereits zum Sonnenaufgang ein paar Mal hinausgepaddelt ist und berichtet, dass sie es geliebt hat. Allerdings sehe man sie eher bei untergehender Sonne auf dem Wasser. „Dann genieße ich das wundervolle Licht und die Reflexionen an den Wolken, wenn diese in die unterschiedlichsten Farben getaucht werden. Jeder Sonnenuntergang ist anders und sie sind alle wundervoll auf ihre Art. Das ist die beste Zeit des Tages um auf dem Wasser zu sein.“ Völlig egal, ob die Wellen perfekt laufen, es knie-hohen Schaum gibt oder der Ozean vollkommen flach daliegt. „Die Sunset-Session hat so etwas magisches am Ende jeden Tages.“

„Für mich ist SUPen eine Möglichkeit, abzuschalten und den Moment zu nutzen, um sich mit der Natur zu verbinden. Das klärt die Gedanken, sodass ich einfach nur da draußen bin und den Sport genieße und dankbar bin, dass ich die Möglichkeit dazu habe.“ Das erste Mal als sie eine Welle mit dem SUP gesurft habe, sei toll gewesen. Es war an ihrem Homespot in der Bucht von Cadiz. Ein Freund hatte ihr eines seiner alten SUP Boards geliehen, eines von den langen. „Ich wusste nichts übers SUPen, aber ich bekam eine lange Welle, eine schöne Linke, knie-hoch, und ich habe es so genossen. Bis heute habe ich diese perfekte erste Welle in meinem Kopf und ich bin dankbar, dass es mich in diesen Sport eingeführt hat.“

Foto: Fanatic/Philipp Reiterer

Den Wellen hinterher

Angefangen hat die Spanierin allerdings nicht auf dem SUP sondern mit Windsurfen – und das bereits im Alter von acht Jahren. „Ich bin mit Windsurfen aufgewachsen.“ Sie saß am Strand zwischen hunderten bunter Segel und schaute ihrem Bruder zu. „Manchmal hat mein Bruder mich auf seinem Brett mitgenommen.“ Dann, in der Surfschule von ihrem Bruder, saß sie wieder am Strand und beobachtete die Surfschüler. Immer wenn ein Schüler nicht zurück kreuzen konnte, kam ihre Zeit. „Dann habe ich mir das Brett geschnappt und habe es zur Station zurück gesurft. Das waren immer die besten fünf Minuten des Nachmittags.“ Ihre Surf-Karriere begann und sie wurde Teil des spanischen Olympiateams.

Ihre Leidenschaft für die Welle entdeckte sie allerdings erst Jahre später. Eines Sommers in Marokko, sie war 21 Jahre alt und hatte keine Ahnung vom Surfen in den Wellen, wagte sie es. „Ich hatte viele Wipeouts, bin so viel geschwommen, habe mein Segel verloren, aber ich wusste, wie man surft und im Ozean zu sein, hat mir nie Angst gemacht, also hab ich es einfach versucht. Nach ein paar Wochen, habe ich in den Wellen gesurft.“ Ab dem Zeitpunkt reiste sie den Wellen hinterher – durch Europa und zu den besten Spots der Welt.

Foto: Fanatic

Eine große Surf-Familie

„Manchmal ist es hart mit dem ganzen Equipment zu reisen. Du musst den Sport lieben, um das zu tun.“ Doch unter den Surf-Mädels hilft man sich gegenseitig. Sie sind wie eine Familie. „Wir leben lange Zeit zusammen, reisen gemeinsam und passen aufeinander auf. Und egal, was vielleicht der ein oder andere denken mag, auch wenn wir gegeneinander surfen, motivieren und pushen wir uns trotzdem gegenseitig, um besser zu werden.“

Maria liebt am Surf-Lifestyle die Art zu leben und die Welt zu verstehen. Surfer haben eine eigene Einstellung zur Zeit, Natur, Leben und Spaß. „Sie haben gelernt, im Moment zu leben und weniger zu haben aber glücklicher zu sein. Diese Verbindung, die Surfer mit der Natur haben ist einzigartig.“ Es gibt aber auch eine Schattenseite im Surf-Lifesytel. Localism ist Maria zuwider.

Foto: Fanatic

Suchtfaktor Windsurfen

„Windsurfen ist ein komplexer und technischer Sport und kann dir einen Adrenalinschub geben. Die Komplexibilität ist so umfassend, dass du immer was dazu lernen kannst, selbst wenn du dein ganzen Leben lang surfst. Das ist der Suchtfaktor für mich. Zudem ist es toll, das Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen – vom Ozean aus.“ Und das dies genau ihre Art zu leben ist, wusste sie bereits mit zwölf Jahren, als sie einem Lehrer auf die Frage, was sie im Leben machen wolle, antwortete: „I want to live in a remote island with palm trees and windsurf“.

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