Zukunft der Women`s Sailing Champions League

von Friederike Hiller

Wird es in diesem Jahr wieder eine Women’s Sailing Champions League geben? Die Chancen stehen 50:50. Die neue Saison für die Sailing Champions League (SCL) startet im Mai, auch die Jugend hat ihr Event während der Kieler Woche, doch wo ist das SCL-Event der Frauen geblieben. Sie sind bisher nicht im Programm und das Format auf dem Prüfstand.

Clubbasiertes Segeln auf entsprechendem Niveau

„Wir haben die Women’s Sailing Champions League aus dem Programm genommen, weil wir in 2018 feststellen mussten, dass es schwierig ist, die Grundvoraussetzungen für eine SCL mit der Women’s SCL zu erfüllen“, erklärt Sophie-Karolin Wehner von der Konzeptwerft, Organisator der Segel-Bundesliga und Sailing Champions League. Clubbasiertes Segeln auf entsprechendem Niveau – dafür stehe die SCL und das gelte auch für das Frauen-Event.

Für welchen Club wird gesegelt?

Als Hauptproblem hat sich die Clubbasierung herauskristallisiert. Eine Umfrage unter den Clubs zum Thema „wollt ihr eine Frauen-Liga“ habe die Erkenntnis gebracht: „Das schaffen wir gar nicht.“ Wenn sich Match-Race-Seglerinnen oder (ehemalige) Kaderseglerinnen zusammenschließen, müssen sie sich entscheiden, ob sie für den Club der Steuerfrau starten oder wenn mehrere Crewmitglieder aus einem Club kommen, sich auf diesen einigen wollen. Denn für einen Club müssen sie starten. Doch insbesondere bei Match-Race-Seglerinnen gebe es das Problem, dass nicht unbedingt für einen Club gesegelt werde.

Die Schwierigkeit der deutschen Clubs ist für die Dänen und Schweden nur schwer nachvollziehbar. Dort gibt es mehr aktive Frauen, die bereits auf Liga-Niveau segeln. Für sie sei es auch selbstverständlich, dass in den meisten Teams Frauen mit dabei sind.

„Es gibt die Teams, aber nicht in der Fülle“

„Neben dem ganzen Hype um den Helga Cup und Women on Water (WOW) in Skandinavien, was für Amateurteams mit Spaß-Fokus funktioniert, wollen wir als Rechteinhaber und Vermarkter der SCL, dass das Format nicht verwässert und bestimmte Kriterien erfüllt werden müssen, um sich SCL zu nennen“, erklärt Karolin Wehner. Darauf haben sich die Liga-Nationen im Dezember beim ISLA (International Sailing League Association)-Workshop geeinigt. Die Schwierigkeiten, die es in Deutschland gibt, eine nationale Frauen-Liga aufzubauen, gebe es auch in einer großen Mehrheit der Liga-Länder.

„Bestimmte Kriterien müssen erfüllt sein, damit dort wo Sailing Champions League draufsteht, auch wirklich das drin ist“, fasst Karolin Wehner zusammen. Wenn zu wenig Teams diesen Kriterien gerecht werden, kann auch das Format nicht umgesetzt werden. „Es gibt die Teams, aber nicht so in der Fülle.“

Der Idealfall des Königlichen Yachtclubs

„Die Dänen möchten gerne, dass es in 2019, spätestens in 2020 wieder eine Women’s SCL gibt und daran arbeiten wir gerade, die entsprechenden Kriterien zu definieren.“ Ob es noch in diesem Jahr klappen könnte? Dafür stehen die Chancen 50:50. Vielleicht könnte im Rahmen des WOW (Women on Water)-Events im Oktober in Kopenhagen auch eine Women’s SCL ausgesegelt werden. Dann würde es neben dem WOW-Ranking noch eines für die SCL geben. Denn sowohl Helga Cup als auch WOW Events haben einen Fun Charakter, bei dem das Netzwerken mit im Vordergrund steht. Die SCL hingegen hat eine andere Denkweise und Anspruch. Neben der Voraussetzung für einen Club zu starten, muss auch das sportliche Level hoch sein. Die Seglerinnen des Königlichen Dänischen Yachtclubs stellen da einen Idealfall da. Der wiederum bestenfalls 18 mal vorhanden sein müsste. Natürlich solle auch bei der SCL der Spaß nicht zu kurz kommen, aber auf dem Wasser herrsche ein anderer Anspruch. Es gibt aber auch Paradebeispiele in Deutschland, wie etwa das HSC Womens Team. Ob eine Frauenquote, wie sie in skandinavischen Ländern funktioniert, auch hierzulande richtig wäre, ist keine einfache Frage. Denn während es dort ganz natürlich ist, könnte sie hier auch einen Beigeschmack haben. Dann wäre es erzwungen und würde sich nicht ganz natürlich ergeben. Die Seglerinnen würden sich freuen, wenn es gar keiner Quote bedarf sondern selbstverständlich wäre. Da sind die Skandinavier schon einen Schritt weiter.

Für die Jugend funktioniert es

Und letztendlich müsse auch das mediale Set up für eine Women’s SCL ermöglicht werden. Denn alle SCL-Events werden live übertragen. Das Rundum-Paket muss stimmen, denn das Motto steht: „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig.“ Der Testballon im vergangenen Jahr für die Youth SCL ist hingegen voll aufgegangen. Deshalb wird es in diesem Jahr eine Neuauflage während der Kieler Woche geben. Viele Jugendliche sind sowieso in Clubs organisiert und „näher dran an der klassischen Segelkarriere“. Das habe daher gut funktioniert.

Bildernachweis: Women's Sailing Champions League

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