„Je näher der Spot, desto besser“

von Friederike Hiller

„Same same but different“, sagt Stefanie Kastner, wenn sie an den Vergleich zwischen Fluss- und Meer-Wellen denkt. Mit dem Projekt Surfing Wolfratshausen will sie zusammen mit ihrem Mann Marcus und ihren Mitstreitern den Spot vor der Haustür - wo der Unterwasserkanal wieder in die Loisach mündet - erschaffen und den Traum leben, täglich surfen gehen zu können.

Foto: Jens Schumann

„Surfen macht enorm Spaß. Und wenn man nicht am Meer wohnt, ist man glücklich, wenigstens auf einer Flusswelle surfen zu können“, beschreibt Stefanie Kastner das Surferleben im Binnenland. „Vom Feeling her zwar anders als im Meer, aber trotzdem ein extrem hoher Fun-Faktor. Das Wasser kommt von vorne und schiebt dich nicht auf die Wellen, das anstrengende Paddeln fällt weg, auch die Aufstehbewegung (Take Off) muss nicht beherrscht werden.“ Zudem biete das Riversurfen ideale Trainingsbedingungen für das Meer. Stefanie Kastner schwärmt von der konstanten Welle, auf der man Turns und Tricks einüben und perfektionieren kann, ohne dass die Welle davonläuft.

Auf der Suche nach der Welle

Die Familie Kastner, mit zwei surfbegeisterten Kindern, hat es zwar auch viel ans Meer zum Surfen gezogen - am liebsten nach Portugal. Doch wenn die Sehnsucht nach den Wellen zu groß wurde, wenn das Meer zu weit weg war, dann ließen sie sich an die Floßlände und später auch an den Eisbach spülen. Als sie dann von München nach Wolfratshausen – „einer mit Isar und Loisach reich an Wasser gesegneten Stadt“ - umzogen, begann dort die Suche nach einer geeigneten Stelle für eine Flusswelle. „Immer wieder sind wir auf diese ideal scheinende Stelle an der Weidachmühle gestoßen und haben im Kopfkino uns die positiven Auswirkungen einer Surfwelle für Wolfratshausen ausgemalt. Irgendwann reifte die Idee, es wenigstens mal zu versuchen, der Stadt dieses Potenzial vorzustellen. Mit wenig bis keinen Erwartungen sind wir im Mai 2013 ins Rathaus marschiert und waren mehr als überrascht, dass wir bei Gisela Gleißl (Stabsstelle Tourismus, Wirtschaftsförderung und Citymanagement) sofort die Begeisterung für diese verrückt klingende Idee wecken konnten.“ Verwaltung und Kommunalpolitik stehen hinter dem Projekt. 100.000 Euro wurden für das Projekt von der Stadt bereitgesetllt.. Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber zum Thema Vereinbarkeit von Kraftwerks- und Surfbetrieb geführt.

„Am Anfang dachten wir, dass eine Welle mit kleinen Bagger- und Betonarbeiten relativ einfach und schnell hergestellt werden könnte… Inzwischen haben wir gelernt, dass es mehr bedarf, um eine konstant gut surfbare Welle entstehen zu lassen. Aber wir haben auch gelernt, dass wir mit unserem Standort glücklicherweise ideale Bedingungen vorweisen können, die eine Umsetzung des Projekts enorm begünstigen beziehungsweise vereinfachen.

Foto: Frithjof Gauss

Momentaner Stand des Projekts

Mittlerweile liegt eine Machbarkeitsstudie vor, wonach an der geplanten Stelle eine künstliche Surfwelle durch den Einbau einer Konstruktion entstehen kann. „Der Standort wird als ideal für den Bau einer Surfwelle beurteilt“, freuen sich die Initiatoren. „Nach vielen Verhandlungen von der Stadt Wolfrathausen mit dem Kraftwerksbetreiber ist eine Lösung in Sicht, dass ausreichend Wasser für den Betrieb der Welle zur Verfügung gestellt werden kann.“ Laut der Studie würde der Bau der Welle 320.000 Euro kosten. 50 Prozent könnten durch EU-Fördergelder gedeckt werden, 100.000 Euro hat der Stadtrat zugesagt, die restlichen 60.000 Euro müssen durch Spenden und Crowdfunding eingenommen werden. Daher planen die Initiatoren den Verein „Surfing Wolfratshausen“ zu gründen, der sich auch um die finanziellen Belange kümmert. „Das Gründungsteam steht bereits fest und die Gründung steht kurz bevor.“ Die Idee sei, Unternehmen, Arbeitgeber und Einzelhandel sowie Gewerbe- und Gastronomiebetriebe und Bürger in Wolfratshausen und nächster Umgebung anzusprechen und auch über Crowdfunding einen Teil der Summe zusammen zu bekommen. „Damit wird das Projekt ein Gemeinschaftsprojekt, das durch den Beitrag vieler verschiedener Unterstützer erst möglich wird. Viele gemeinsam schaffen diese Attraktion.“

Nebenher laufen weitere Prüfungen und Absprachen über ein Betreibermodell, das der Verein in Kooperation mit der Stadt übernehmen wird. „Fazit: Der zeitliche Rahmen bis zur Umsetzung des Projekts ist noch nicht abschätzbar; auch eventuell noch zusätzlich anfallende Kosten können momentan noch nicht final benannt werden.“

Foto: Marcus Kastner

Möglichst oft und lange surfen

Eine Welle vor der Haustüre zu haben, die nicht nur den Surfern sondern auch Zuschauern Spaß bringt, ist der Traum vom Stefanie und Marcus Kastner. „Anders als der Eisbach, der nur geübten Surfern vorbehalten ist, wird die Welle in Wolfratshausen aufgrund der variablen Einstellmöglichkeiten für Anfänger, Intermediates und Fortgeschrittene entsprechende Zeiten anbieten können“, erklärt Stefanie Kastner die Unterschiede zum Eisbach. Zudem wolle der Verein Veranstaltungen wie Surf-Contests und Surf-Flohmärkte organisieren und so junge Menschen ansprechen.

Und wer weiß, ob die ideale Trainingsbedingungen fernab des Meeres auch zum Olympiastützpunkt werden könnten. Zumindest weisen die Initiatoren mit einem Zwinkern darauf hin. „Immerhin ist Surfen ab 2020 erstmalig olympische Disziplin.“ Aber auch, wenn die Welle keine Spitzensportler anlocken sollte, so würde es aber auf jeden Fall ein Treffpunkt für Sportler und Zuschauer, eine neue Begegnungsstätte von Sportlern, Touristen, Einheimischen und Gäste sein.

„Am Ende des Tages wollen wir, wie so viele andere, möglichst oft und lange surfen…. und je näher der Spot umso besser.“

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