Wenn der eisige Nordwind pfeift

von Friederike Hiller

Windige, wunderbare Wintertage: Der Strand ist weg, Wellen schlagen an die Dünen, der Deich hält stand. Sonnige Januartage machen die Ostseeküste zum Naturschauspiel.

Wirbelnde Gischt

Der Wind peitscht über das Meer, treibt Schaumkronen vor sich her, wühlt die Ostsee zu Wellenbergen auf und lässt diese an die Uferböschungen prallen und an Kaimauern zerschellen. Wasserfontänen sprühen in die Luft. Die Böen bis zu 9 Beaufort treiben die Sandkörner vor sich her. Diese verwandeln Grasflächen in weißgetünchte Landschaften, als ob es geschneit hätte. Sie Kälte stimmt, doch die einzige Feuchtigkeit in der Luft kommt von der Seite - direkt vom Meer ist es die wirbelnde Gischt, die nass herüberweht. Kaum eine Wolke ist am Himmel. Es ist ein eiskalter sonniger Wintertag.

Sandkörner-Peeling und splitternackte Körper

Die Sandkörner prasseln auf die Gesichtshaut und lassen diese mit einem natürlichen Peeling-Gefühl gut durchbluten. Eine gröhlende Gruppe an Männern rennt auf den Deich, zieht sich in windeseile splitternackt aus und stürzt sich direkt von der Düne in die eisigen Fluten. Nur kurz lassen sie auf dem überfluteten Strand die Wellen ihre Körper umspülen, bevor sie  hüpfend wieder die trockenen Bereiche erreichen und unter ihre Surf-Ponchos schlüpfen.

Verwehter Reittraum

Zwei Reiter erscheinen auf dem Deich, noch haben sie die Hoffnung, am Strand reiten zu können. Doch je mehr sie sich dem Wasserrand nähern, desto sicherer wird ihnen, dass das nicht gelingen wird. Durch die Strömung und die Wellen, die ans Ufer klatschen, wollen sie ihre Pferde nicht treiben, kehren auf der Düne um und halten sich dahinter.

Surfen zwischen unsichtbaren Buhnen

Und dann kommen sie doch noch, die Windsurfer. Während sich noch eine Fähre als einzig bewegliches Gefährt auf der Außenförder vorwärtsschiebt, riggt ein Windsurfer auf. Er will Wind und Wellen nutzen. Ein paar Ortskenntnisse sind allerdings vonnöten. Lediglich die Schilder für die Abschnitte des Hundestrandes lassen noch erkennen, wo unter den Wellen die Buhnen zu finden sind. Zumindest wenn sie nicht gerade durch die Fontäne einer an ihr brechenden Welle im weißen Gischtnebel verschwinden.

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