Kolumne: Teich mit Tiefe

von Friederike Hiller

Sommer, Sonne, Strandzeit: Zwar zieht es nur einige Hartgesottene bei starken Winden an den Strand, doch die Temperaturen laden zum Baden ein. Wenn die Wellen auf die Küsten treffen, zeigt die Ostsee welche Sogwirkung in ihr stecken kann.

Der Wind peitscht den Sand in die Gesichter und auf nackte Körperteile, verleiht ihnen ein sandiges Peeling und lässt zum Schutz aufgebaute Sonnenschirme und Strandmuscheln erzittern und umherwirbeln. Die Zahl der Strandgäste hat sich deutlich minimiert. Wellen laufen aufs Ufer zu und umso weniger Sonnenhungrige am Strand desto mehr Kiteschirme am Himmel. Kite- und Windsurfer sowie Wellenreiter nutzten Wind und Welle, die der Ostwind produzierte.

Da kommt man nicht gegenan

Ein erfrischendes Bad bedarf es nun zwar nicht so sehr, wie in den heißen Tagen mit nur wenig Wind, doch der Anblick der Ostsee lockt ins Wasser. Die Wellen sind nicht mit denen beispielsweise am Atlantik zu vergleichen und eigentlich ist die Ostsee ja auch eher ein Teich oder so wie der Name sagt ein größerer See. Dass dieser Teich aber durchaus seine Tücken hat und eine Tiefe, die auch im flachen Wasser gefährlich werden kann, zeigt sich jedes Jahr im Sommer bei Ostwindlagen. Dann drückt der Wind das Wasser und seine Wellen aufs Ufer. Doch wohin mit dem ganzen Wasser. Es trifft auf die Küste, strömt zur Seite bis zu einem Bereich zwischen den Sandbänken und bahnt sich unter Oberfläche seinen Weg und strömt wieder zurück aufs Meer hinaus. Ein Sog, dem auch der ausdauernde und kräftigste Schwimmer auf Dauer nichts entgegenzusetzen hat, zumindest nicht, wenn er versucht gegen den Strom an zu schwimmen. Nur seitlich parallel zum Strand lässt sich wieder in ruhigeres Wasser finden.

Die sogenannten Rippströmungen, die immer dort zu finden sind, wo das Wasser sich zwischen den Sandbänken den Weg zurück bahnt, sind häufig bei einer genaueren Betrachtung der Wasseroberfläche auszumachen und gern gesehene Autobahnen für Wellenreiter, die mit möglichst wenig Anstrengung hinter die Brechungslinie kommen wollen. In der Lübecker Bucht sind sie allerdings nicht für die Badeunfälle und Badeverbote vom vergangenen Wochenende verantwortlich, wie die für den Bereich Haffkrug-Scharbeutz zuständige DLRG schreibt. Bei östlichen Winden – insbesondere nordöstlichen Winden - komme es in der Lübecker Bucht regelmäßig zu einer ausgeprägten Unterströmung. Diese werden durch die topographischen Gegebenheiten in der Lübecker Bucht verursacht und sei kein kleiner Rippkanal, aus dem sich seitlich hinausschwimmen lasse. Wenn sie stark ist, ziehe sich auch Erwachsene von den Beinen und hinaus aufs Meer. Nach einem Tag Badeverbot konnte aber auch da das Badevergnügen wieder freigegeben werden.

Gestrandet

In der Kieler Förde hatten Badegäste einen großen Gast. Dieser war zwar auch abgetrieben, aber eher zum Land hin, als aufs Meer hinaus. Vor Falckenstein hatte es nicht einen Schwimmer sondern ein Segelboot erwischt. Dieses steckte abgetrieben im Sand am Rande der Schwimmerzone fest. Hat sich der Skipper zu weit unter Land gewagt, sodass er nun festsitzt oder hat etwas zur Manövrierunfähigkeit beigetragen, sodass er nicht dagegen tun konnte, als er auf Land trieb? Die Frage blieb von Land aus unbeantwortet, aber eines stand fest: Es geht weder vor noch zurück. Das Ufer ist nah, aber abzusteigen ist auch keine Lösung. Da naht Hilfe. Die Seenotretter der DGzRS befinden sich in der Anfahrt, werfen ein Seil an Deck und ziehen den Seekarren aus dem Dreck.

Bildnachweis Titelfoto: Pascal Uhlig / Unsplash

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