Ungewisses Training – ungewisse Regatten

von Friederike Hiller

Abgesagte Regatten, heimkehrende Segler und die Frage, wie es weiter geht mit der Olympiaqualifikation und den Olympischen Spielen. Die SeglerInnen des German Sailing Teams sind wieder zuhause. In selbstgewählter Quarantäne oder beim Heimtraining in den eigenen vier Wänden - momentan heißt es für sie: warten.

 

„Wir wollten eigentlich noch ein bisschen bleiben und segeln“, bedauern 49erFX-Seglerinnen Inga-Marie Hofmann und Alisa Engelmann die Abreise von Mallorca. Doch nachdem erst die Dänen zusammen gepackt hatten, dann die Österreicher folgten und die Regatten abgesagt wurden, ging plötzlich alles ganz schnell und der Fokus schnellte vom Segeln in Richtung Abreise.

 

„Es gab die Gerüchte, dass die Insel zumacht“

Die Stimmung unter den Seglern habe sich seit vergangenem Mittwoch ein bisschen hochgeschaukelt. „Im Bootspark hatte jeder ein anderes Gerücht.“ Zudem zeigte sich eine Beeinträchtigung auch beim Einkaufen. Auch dort waren die Regale mit Dosen leer und auch das frische Gemüse bereits nur noch spärlich vorhanden.

„Es gab die Gerüchte, dass die Insel zumacht“, berichtet Alisa. Daraufhin haben die Juniorenteams der 49er, 49erFX und Laser zusammen die nächste Fähre gen Festland genommen und sind von dort aus mit dem Auto in die Heimat gefahren. „Das war stressfrei. Die Straßen waren frei und an den Grenzen war nichts los.“ Sie hatten Glück und waren noch vor den Grenzschließungen wieder zurück in Deutschland.

 

Eine Woche Pause und dann?

„Diese Woche hätten wir eh frei gehabt, also halten wir nun erst einmal die Füße still und warten ab.“ Wie wird es mit dem Training weitergehen? Dürfen sie mit Trainingsgruppe aufs Wasser oder nur für sich alleine segeln? Die Fragen sind noch unbeantwortet. Der Kraftraum ist bereits geschlossen. Alisa bereitet sich daher auf ein Kraft-Ausdauertraining zuhause vor.

„Wir hatten uns riesig gefreut auf die Regatta und wollten schauen, wo wir im Seniorenfeld stehen“, so die beiden Seglerinnen. „Wir sind topfit, daher ist es schon ein bisschen schade, aber die Sicherheit geht vor.“ Die nächste Regatta wäre die EM im Mai am Gardasee. Sie sei bereits abgesagt. Im August wäre die Junioren WM am Comer See, ob diese starten kann, sei auch fraglich. Also: Schauen wir mal.

Foto: Segelsport Gröhnwohld

Kieler Woche soll im September starten

Dazwischen würde eigentlich die Kieler Woche liegen. Doch die sonst Ende Juni terminierte Regatta wurde verschoben: 5. bis 13. September 2020. „Natürlich hätten wir mit der endgültigen Entscheidung noch etwas warten können. Da wir aber auch den internationalen Seglerinnen und Seglern ein Zeichen geben wollten, haben wir uns jetzt entschieden“, erklärte Dirk Ramhorst, Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten. In den nächsten Tagen sollen sowohl die Aktiven als auch die Klassen informiert und eventuell das Programm den neuen Vorgaben angepasst werden. „Wir haben noch viel Arbeit beim Feinschliff unter anderem mit dem Deutschen Segler-Verband und dem Weltseglerverband vor uns. Wir wollten jetzt zunächst für die Planbarkeit Fakten schaffen“, so Ramhorst.

 

Qualifikation und Spiele?

Für die SeglerInnen in Olympiakampagnen stehen noch weitere Fragen im Raum. Werden die Olympischen Spiele ausgetragen werden können? Wie läuft es mit der Qualifikation weiter? Werden die Teams ihre Jollen, Skiffs und Kats im Container verpacken und nach Japan auf den Weg bringen? Wie lange hält das IOC noch an der Austragung der Olympischen Spiele zum geplanten Zeitpunkt fest oder wird es doch Änderungen oder Absagen geben? Bis dahin wollten die männlichen 470er Segler und die Finn-Dynghis noch das Nationenticket sichern. Doch die letzte Chance beim Genua Weltcup ist aufgrund der Absage des Events nicht mehr möglich. Ob es eine Alternative gibt, steht noch nicht fest.

Auch bei den Bootsklassen, die bereits ein Nationenticket gesichert haben, sollte eigentlich die nationale Qualifikation gesegelt werden. Die WM der 470er auf Mallorca kann dafür nun nicht mehr genutzt werden, ebenso wenig die Trofeo Princesa Sofia für alle Disziplinen.

 

Keine Trainingsreise für Surfer

Der Countdown zählt noch 125 Tage bis Tokio (Stand 20. März). Und auch die Surfer haben Probleme mit den Qualifikationsmöglichkeiten. Ob Anfang Mai die ISA World Surfing Games in El Salvador starten können, ist noch ungewiss. Die Situation solle noch bis Ende März beobachtet werden, erklärte der Weltverband. Für die deutschen Surfer wäre es eine Möglichkeit gewesen, die letzten Qualifikationsplätze zu ergattern.

„Selbstverständlich stehen die Gesundheit und Sicherheit unserer Athletinnen und Athleten sowie unserer Trainer an oberster Stelle. Deshalb haben wir uns entschlossen, unsere für Ende März geplante Trainingsreise nach Portugal abzusagen“, erklärte DWV Präsident Philipp Kuretzky.

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