Derber Schlag für Inklusionsmotor Wassersport

von Friederike Hiller

Ein Schlag ins Gesicht der Inklusion: Wassersport ist nun bei zwei Olympischen Spielen nicht mehr im paralympischen Programm. Damit sei eine große Chance, Inklusion zu fördern, verpasst worden, sagte Tobias Michelsen. „Wassersport war und ist ein Inklusionsmotor.“

 

Wiederbelebung abgeschmettert

„Unsere Wiederbelebung als paralympische Sportart ist abgeschmettert worden. Wir sind also 2024 definitiv nicht dabei.“ Heiko Kröger zeigte sich tief enttäuscht, dass auch 2024 Segeln nicht paralympisch sein soll. Das sei ein völlig falsches Signal für die Inklusion insgesamt, ergänzte Tobias Michelsen vom Verein Sail United, der es Menschen mit Behinderungen ermöglicht, Fun- und auch Extremsport auf dem Wasser auszuüben und sie motiviert, sich zu messen.

Heiko Kröger segelt zurzeit bei den Para World Sailing Championships in Sheboygan/Wisconsin in den USA.

Foto: Cate Brown/World Sailing

„Völlig unverständlich“

„Völlig unverständlich“, betitelte daher Tobias Michelsen die Entscheidung des Governing Board des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). Der Wassersport sei ein elementarer Bestandteil, um Inklusion zu verbreiten und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sicher zu stellen. Die Entscheidung, Segeln nach 2020 auch 2024 in Paris nicht als paralympische Sportart ins Programm aufzunehmen, nehme dort den Mut, wo es wichtig wäre, anzuspornen. „Ziemlich schlimme Nachricht für den Segelsport und das Thema Inklusion“, erklärte der 2.4mR Segler Heiko Kröger bei den Weltmeisterschaften in den USA auf Facebook. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Segeln die inklusivste Sportart überhaupt ist und dass damit doch eine wichtige Sportart verloren geht. Das muss man erstmal verarbeiten.“

Thomas Grundmann probiert das Sitz-Kiten bei Sail United aus.

Foto: Tobias Meinken/Sail United

Spitzensport allen ermöglichen

„Im Wassersport ist beispielsweise nicht entscheidend, wer die tollste Prothese hat“, erklärte Tobias Michelsen einen Vorteil des Segelns als inklusiven Sport. Zudem können behinderte und nicht-behinderte Segler gegeneinander antreten. In den Kursen, die der Verein anbiete, sehe er den Bedarf. Die Anzahl der Teilnehmer steigt und auch die Nachfrage nach Training für den Spitzensport. „Auch Menschen mit Behinderung wollen sich im Spitzensport messen und es ist wichtig ihnen zu vermitteln, dass sie das auch können.“ Dieses Wissen, dass Spitzensport auch für sie machbar sei, müsse weiterhin weltweit vermittelt werden. Daher sollte anstatt Segeln aus dem Programm zu streichen, eher darüber nachgedacht werden, ob nicht Segeln und zusätzlich dazu noch SUP und Kiten ins paralympische Programm mit aufgenommen werden. Er hoffe, dass die Entscheidung hinterfragt und mittel- bis langfristig revidiert wird.

Foto: Tobias Meinken/Sail United

Auf Spurensuche

Der Deutsche Segler-Verband werde mit dem internationalen Dachverband World Sailing, dem Deutschen Behindertensportverband sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund über das Vorgehen beraten, erklärte der DSV. „Sobald wir wissen, woran es gelegen hat, sollten wir gemeinsam mit allen Beteiligten in Segeldeutschland einen Strategieplan erarbeiten, um World Sailing noch stärker mit konkreten Maßnahmen zu unterstützen. Aufgeben ist keine Option“, sagt die DSV-Präsidentin Mona Küppers. Es falle schwer, den Beschluss zu akzeptieren. „Ich persönlich finde die Entscheidung beschämend. Keine andere Sportart bietet eine so gute Möglichkeit der Inklusion und in keiner anderen Sportart wird Inklusion so sehr gelebt wie im Segelsport.“

98 Segler aus 39 Nationen sind bei den Para Weltmeisterschaften in den USA am Start.

Foto: Cate Brown/World Sailing

Segler sind konkurrenzfähig

Bemängelt worden war, dass der Segelsport nicht alle erforderlichen Kriterien erfülle. War 2015 noch das Problem, dass nicht mindestens 32 Nationen aus drei Kontinenten starteten und deshalb Segeln für Tokio 2020 aus dem Programm genommen wurde, so gibt es nun neue Probleme. Nachdem also das erste Problem behoben wurde, kommen nun weiter. World-Sailing-CEO Andy Hunt zeigte sich besonders enttäuscht, dass das IPC auf die Einteilung nach Schadensklassen beharrt. In einer Pressemitteilung des Weltsegler-Verbandes erklärte Hunt: „Segeln ist eine der umfassendsten Sportarten und bietet allen Sportlern Konkurrenzfähigkeit unabhängig von ihrer Klassifizierung. Eine künstlich geschaffene Einteilung nach Schadensklassen, die im Segelsport nicht nötig ist, werde wohl kaum die Lösung sein, ließ auch der DSV in einer Pressemitteilung verlauten.

Foto: Tobias Meinken/Sail United

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