Schnell aufs Schwert

von Friederike Hiller

Mit Walen auf der Kreuz, kentern im Hai-Revier und gewöhnungsbedürftige Gaumenfreuden: Japan ist eine Herausforderung für die Segler. Vor allem, wenn dann noch die 13 das Pech hat und gerammt wird.

 

Jebi ist vorbeigeflogen

Sie sind nach Japan gereist, um beim World Cup gute Ergebnisse zu ersegeln, aber vor allem auch, um das Revier für die Olympischen Spiele 2020 kennenzulernen. Die kleine Halbinsel Enoshima, die gerade einmal etwa vier Kilometer groß ist und südlich von Tokio liegt ist der Ausgangspunkt für die Segelbahnen in der Sagami Bucht. Noch bevor die Boote der Sailing Teams Germany für das Training vor den ersten Rennen richtig Wasserzeit hatten, mussten sie zunächst festgezurrt werden. Der Taifun Jebi war im Anflug. Doch Jebi kreiste südlicher und streifte die Segler nur. Im Gepäck hatte er aber Wind und Wellen mitgebracht.

Foto: Sailing Energy/World Sailing

Ordentlich Wind abbekommen

„Der Taifun ist dieses Jahr fast an uns vorbeigezogen, wir haben nur ein paar Ausläufer mit ordentlich Wind abbekommen. Letztes Jahr wurden allerdings viele Teile des Hafens überschwemmt“, berichten die 49er-FX-Seglerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz. Sie sind bereits zum zweiten Mal in Japan.

Foto: Reload Sailing Polgar/Werner

Ins Boot gefahren

Nachdem der tropische Wirbelsturm keine Schäden an den Booten angerichtet hatte, verlief der Kampf an der Startlinie für die Nacra 17 nicht so glimpflich. Ein Loch klaffte am Rumpf – direkt neben der Bootsnummer 13. Keine Glückszahl für Johannes Polgar und Carolina Werner. „Wir haben leider ein bisschen Pech gehabt. Der Österreicher ist uns vor dem Start von Luv ins Boot gefahren. Er ist abgefallen, hat uns nicht gesehen. Wir waren in Lee. Leider hat das einen relativ großen Schaden verursacht, sodass wir jetzt zwei Tage keine Rennen segeln konnten.“ So mussten sie zunächst auf eine schnelle Reparatur hoffen. „Heute waren wir wieder auf dem Wasser. Es war mittelmäßig durchwachsen mit drehigen Bedingungen und morgen geht es noch mal auf ein Neues los. Wir freuen uns. Sind noch bis zum 25. hier und können noch ein bisschen mehr über das Revier herausfinden“, haben Jojo und Caro sowohl World Cup als auch Reviertest noch nicht abgeschrieben und blicken motiviert nach vorn.

Foto: Reload Sailing Polgar/Werner

Viel Spaß in der Welle

„Das Revier gefällt uns mega gut. Das Segeln ist echt richtig schön“, erklärt Caro. Das Wasser habe in etwa eine Temperatur von 25 Grad Celsius und heiße Tage haben sich mit etwas kühleren abgewechselt. „Wir haben hier bisher eigentlich alles gehabt: Flachwasser und Wind - dann hatten wir Wind und richtig viel Welle, was auch noch mal eine richtige Herausforderung war, aber mega viel Spaß bringt.“ Zuletzt flaute der Wind ab, wehte vom Land her und drehte munter.

Foto: Sailing Energy/World Sailing

Wale auf der Kreuz

„Das Segelrevier ist sehr vielfältig. Ob Flachwasser oder Welle, ob Leicht- oder Starkwind - wir hatten bisher alles dabei“, lautet auch das Zwischenfazit von Victoria und Anika. „Im Moment ist es schon ziemlich warm, aber zum Zeitpunkt der olympischen Spiele soll es noch viel wärmer sein und vor allem eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrschen. Das wird für uns in jedem Fall eine große Herausforderung.“ Auch die tierischen Begegnungen bringen neue Erkenntnisse mit sich. „Es gibt viele kleine Haie und gestern haben wir sogar einen Wal - so lang wie unser Boot - an der Kreuz getroffen. Wenn wir also hier kentern, beeilen wir uns besonders, aufs Schwert zu kommen.“

Foto: Sailing Energy/World Sailing

Gaumenfreuden?

Doch nicht nur auf dem Wasser sondern auch an Land gibt es neue Unbekannte. „Wir haben gemischte Eindrücke. Die Japaner sind sehr freundlich, sauber, diszipliniert. Mit der Verständigung ist es oft schwierig da nur wenige Japaner Englisch sprechen und die Kulturunterschiede doch groß sind. Mit dem japanischen Essen freunden wir uns nur langsam an“, erklären die Skiff-Seglerinnen.

Am morgigen Freitag ist der letzte Tag im Fleet Race beim World Cup, bevor es für Skiffs und Nacras in die Medal-Races geht.

Bildnachweis Titelfoto: Sailing Energy/World Sailing

Foto: Sailing Energy/World Sailing

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