Seemannsgarn von Krögern und Skippern

von Friederike Hiller

Boote und Bier – das passte am Sonntag wieder zusammen. Denn der Kröger Cup ist nicht nur ein Schaulaufen der Traditionssegler gepaart mit Ehrgeiz der Skipper, sich den Spaß-Regatta-Pokal zu holen, sondern auch ein Kneipenausflug der Kieler Gastro-Szene unter dem Motto: Bars on Bord.

Nicht ohne Ehrgeiz

Foto: Lars Behrens

Der sportliche Aspekt dieses Segel-Events blieb auf manch einem Zwei- oder Dreimaster mehr oder weniger der Crew vorbehalten. Die Besucher an Bord fieberten zwar bei den Positionskämpfe auf der Kieler Förde mit, doch aktiv ins Geschehen eingreifen, konnten sie meist nur beim Segel setzen. So blieb ihnen mehr Zeit, um den Anblick der anderen Schiffe zu genießen, den Wind im Haar zu spüren oder sich einem kühlen Getränk zu widmen. Und dabei zuzuschauen, wie der Skipper im Schneidersitz lässig hinter dem Steuerrad thronte und die weibliche Besatzung auf den Bugspriet schickte.

Foto: Lars Behrens

Schnelles Gemüse-Schiff

Die Sonne, die noch im vergangenen Jahr die Kneipen-Segler verwöhnt hatte, ließ sich nicht so richtig blicken – aber auf den Wind war Verlass. Kontinuierlich blähte er die großen Segel auf und sorgte für Vortrieb. Den nutzte der 32 Meter lange Klipper „Stella Maris“ um früh in Führung zu gehen. Das 1914 erbaute Gemüseschiff wurde für einen schnellen Transport konzipiert und brachte so auch anstatt der Kartoffeln seine Gastro-Gäste schnell aus der Förde raus und auch schnell wieder hinein.

Foto: Friederike Hiller

Schwerfälliger Positions-Kampf

Gemüse wurde definitiv auf schnelleren Schiffen transportiert als Fisch. So kam der Heringslogger „Luciana“ nicht mehr an den Gemüse-Flitzer heran. Die Frage, ob ein weiteres Segel aufgezogen werden sollte, wurde von der Crew schnell wieder verworfen. Sie hatten ihre Segel für die Spaß-Regatta gemeldet, ein Verstoß hätte die Disqualifikation bedeuten können. Also musste seglerische Taktik her. Der Schoner wählte auf dem Weg zur Tonne den richtigen Weg. Jede Wende kostete die großen Segel-Pötte viel Zeit. Die Taktik ging auf, eine Wende weniger als der nachfolgende Gaffelschoner „Ethel von Brixham“. Doch den Zeitverlust an der Tonne wollten dieser nicht auf sich sitzen lassen und rauschte zur Aufholjagd heran. Sie näherten sich Meter für Meter. Hatten aber nicht mit dem Skipper der „Luciana“ gerechnet. Er luvte immer wieder an, das kleinere, wendigere Schiff musste ausweichen und verlor so letztendlich wieder die entscheidenden Meter und zuletzt auch den zweiten Platz.

Foto: Lars Behrens

Schwankend mit und ohne Schwips

Mit einem seeligen Lächeln legten alle wieder an. Die einen, weil sie die Chance genutzt hatten, so zum ersten Mal auf einem Traditionssegler mitzusegeln. Die anderen, weil sie anstatt der Schulklassen, die sie sonst häufig durch die Meere shippern, sich messen und untereinander klar machen konnten, wer unter den Traditionsseglern der beste Skipper ist. Und wieder andere weil sie den Törn ebenso wie gute Gespräche mit viel Seemannsgarn oder Party-Feeling mit leichtem Schwips auf schaukelndem Untergrund genossen hatten.

Foto: Lars Behrens

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