Kolumne: Wachgerüttelt

von Friederike Hiller

Es rüttelt und schüttelt, knarrt und faucht, biegt und windet sich. Hält es oder fliegt es weg? Wer in Auf- oder Anbauten am Van die Nacht oder stürmische Tage verbringen möchte, stellt sich nicht nur auf eine große Geräuschkulisse sondern eine durch und durch unruhige Zeit ein.

 

Rauschen und Pfeifen

Vor wenigen Sekunden hörte es sich noch danach an, dass der Wind ein wenig nachgelassen hätte, doch dann erfasst die nächste Böe wieder den Van. Sie rauscht laut an jeder Ritze vorbei, verwirbelt an den angreifbaren Flächen umher und stemmt sich mit aller Macht gegen das Gefährt. Beinahe so, als wenn sie dieses umstoßen und aus dem Weg räumen wolle. Mit sehr viel Fantasie könnte dieses Schaukeln als in den Schlaf wiegend empfunden werden.

Wie viel Wind hält das Material aus?

Die Entscheidung ist klar für den Innenraum des Vans als Schlafplatz ausgefallen. Das Aufstelldach ist zwar gemütlich, doch das Gestänge, das ihm die nötige Stabilität gibt, hat seine ganz eigene Geräuschkulisse im Sturm. Wie viel Wind es aushält, lässt der Hersteller offen. Vielleicht ist es auch bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht getestete worden. Das haben anscheinend laut den Einträgen in Foren andere übernommen. Da sind mindestens neun Beaufort kein Problem.

Um ein bisschen mehr Platz im Van zu haben, wurden einige im Moment nicht benötigte Utensilien in den kleinen Zeltanbau geräumt. Laut Hersteller soll dieser bis sieben Beaufort getestet sein. Sein Vorteil: Er ist direkt am Van befestigt und hüllt diesen ein bisschen mit ein. Freistehend wäre es wohl bereits nicht mehr an seinem Platz zu finden. Die Geräusche, die er macht, versprechen allerdings trotzdem nichts Gutes. Vielleicht hört es sich aber auch nur instabiler an, als es ist. Kann dem Hersteller vertraut werden? Oder sind die Böen bereits stärker als die getesteten? Wahrscheinlich schon. Und so vergeht ein Teil der Nacht, in dem der Kopf hin- und hergerissen ist, ob er vertrauen und sorgenfrei schlafen kann oder lieber das Signal an den Körper geben soll, aufzustehen und das Zelt wieder einzupacken. Momentan scheint es wieder nicht mehr so stark zu wehen. Also überwiegt der Genuss im kuschelig warmen Van-Bett zu bleiben. Die Augen fallen zu, der Schlaf kehrt ein.

Schlafen oder Wachen?

Plötzlich sind die Augen wieder geöffnet, das Heulen des Windes ist stärker denn je. Adrenalin schießt durch den Körper, das Herz schlägt schneller und die Ohren haben auf intensiven Empfang geschaltet. Was genau ist außer dem Heulen zu hören? Flattert die Zeltwand noch oder ist sie bereits weggeflogen oder zerrissen? Ist bestimmt alles in Ordnung, schlaf endlich – schaltet sich der Kopf ein.

Am nächsten Morgen kitzeln die Sonnenstrahlen die Nasenspitze. Der Schlaf scheint doch noch seinen Weg gefunden zu haben.

Bildnachweis Titelfoto: Alice Hartrick / Unsplash

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